Erstes KAS-EPD-Seminar: Women Economic Empowerment -

Unternehmerinnen in Afghanistan

Am 13. April 2017 führte das KAS-Auslandsbüro Afghanistan zusammen mit der afghanischen Partnerorganisation EPD (Equality for Peace and Democracy) ein Seminar für Unternehmerinnen in Afghanistan zum Thema "Women Economic Empowerment" durch.

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Erstes KAS-EPD-Seminar: Women Economic Empowerment

Erstes KAS-EPD-Seminar: Women Economic Empowerment

In dem Seminar diskutierten afghanische Unternehmerinnen die Chancen, aber auch die Schwierigkeiten bei Unternehmensgründungen durch Frauen in Afghanistan. Generell wurde festgestellt, dass sich die Akzeptanz für Unternehmerinnen in den letzten 10 Jahren grundsätzlich gewandelt hat, und das zum Positiven. Mittlerweile sind Frauen aufgrund dieser gesellschaftlichen Entwicklung in Afghanistan als Unternehmerinnen akzeptiert und werden positiv wahrgenommen. Ebenso verhält es sich mit dem afghanischen Kunsthandwerk, das heutzutage, anders als früher, sogar internationale Anerkennung und damit auch wirtschaftliche Nachfrage erhält.

Dennoch bleiben gerade für Frauen eine ganze Reihe von erheblichen Schwierigkeiten bei der Unternehmensgründung bestehen. An erster Stelle stehen Probleme bei der Anschubfinanzierung einer Unternehmensgründung. Mikrofinanzinstitute verlangen für die Vergabe von Kleinkrediten in der Regel die Stellung von materiellen Sicherheiten, die viele Frauen aber nicht zu leisten im Stande sind. Das hat zur Folge, dass viele Frauen nicht in der Lage sind, den erforderlichen Geldbetrag zum Kauf von z.B. einer Nähmaschine aufbringen zu können.

Ebenfalls erhebliche Probleme bereiten die vielen Dokumente, die bei den afghanischen Behörden zur Genehmigung eines Geschäftsbetriebes vorgelegt, bzw. von diesen ausgestellt werden müssen. Der extrem zeit- und zum Teil auch finanziell aufwendige Gang zu vielen Behörden behindert viele Unternehmensgründungen. Besonders in der Anfangszeit sind auch die fällig werdenden Steuerzahlungen ein schwer zu bewältigendes Problem, für viele sogar eine unüberwindliche Hürde.

Zwar gibt es viele in Afghanistan tätige NGO´s, die auf dem Gebiet von Unternehmensgründungen besonders durch Frauen tätig sind, doch variiert die Qualität dieser Hilfe sehr stark. Einige NGOs bieten kostenlose Workshops und Seminare für Unternehmensgründerinnen an, um diesen das notwendige Wissen zu vermitteln. Eine weitergehende bzw. gar begleitende Hilfe ist aber eher die Ausnahme als die Regel. Hier wird noch Entwicklungsbedarf gesehen.

Als weiteres Problem werden fehlende Marketing-Möglichkeiten, besonders im Vergleich zu der männlichen Konkurrenz, genannt, die zum Teil auch gesellschaftlichen Ursprungs sind.

Insgesamt bleibt aber trotz aller Probleme festzustellen, dass bei fast allen Teilnehmerinnen ein ungebrochener Optimismus zu spüren war. Das muss als eine sehr positive, und vor 10 Jahren noch undenkbare Entwicklung, herausgestellt werden.

Autor

Matthias Riesenkampff

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Afghanistan, 13. April 2017