Widerstandskämpfer auf dem Boden der Realität

„Moralische Athleten, mit denen ich mich nie auf Augenhöhe messen kann“, so empfand Pater Klaus Mertes SJ in seiner Jugend die Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus. Und damit eigneten sie sich eher für die Heldenverehrung denn als Vorbilder für das eigene Handeln. Genau letzteres ist dagegen das Ziel einer neuen Wanderausstellung, welche die Gedenkstätte Deutscher Widerstand auf Mertes Idee hin konzipiert hat, und welche der Direktor des Kollegs St. Blasien nun in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung in Berlin vorstellte.

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Ausstellungs-Eröffnung: Was konnten sie tun?

Die Verantwortlichen für die Ausstellung (von links): Prof. Dr. Johannes Tuchel, Pater Klaus Mertes SJ, Prof. Dr. Robert von Steinau-Steinrück, Caroline Sperl, Christian Schleicher

„Trotz der Singularität der Ereignisse im Nationalsozialismus muss es uns gelingen, bei den Widerstandskämpfern Berührungspunkte zu der heutigen Lebenswirklichkeit der Jugendlichen zu finden“, erläuterte Mertes vor rund 150 Zuhörern seine Idee. Diese Berührungspunkte lägen nicht im Märtyrertum – viele der dargestellten Widerstandskämpfer wurden von den Nationalsozialisten umgebracht – sondern viel früher: bei der Entscheidung, in den Widerstand zu gehen.

„Widerstandskämpfer gehören auf den Boden der Realität“, formulierte Mertes sein Anliegen, und verwies dabei gerade auch auf die weniger bekannten, die in der Ausstellung gezeigt werden. So wie Liane Berkowitz, die im Mai 1942 in Berlin rund 50 Klebezettel mit folgender Aufschrift verteilte: „Ständige Ausstellung: Das Nazi-Paradies. Krieg – Hunger – Lüge – Gestapo. Wie lange noch?“ Berkowitz war zu diesem Zeitpunkt 18 Jahre alt und trat in den Worten von Mertes als „kleine Person mit kleinen Handlungen gegen den Moloch Nationalsozialismus“ an. Diesen Prozess nachvollziehbar zu machen sei der pädagogische Mehrwert der Ausstellung.

Verantwortlich dafür ist Caroline Sperl von der Gedenkstätte Deutscher Widerstand. Sie hat 24 Widerstandskämpfer ausgewählt und die Beschreibung ihres Handelns mit jeweils einem Bild, einem Zitat und einem zentralen Dokument zusammengestellt. „Die Ausstellung ist einfach und unkompliziert gestaltet, zeigt aber gleichzeitig die Vielfalt der Motive und die Vielfalt des Widerstands gegen den Nationalsozialismus“, fasste Prof. Dr. Johannes Tuchel, Leiter der Gedenkstätte Deutscher Widerstand, zusammen.

Die Ausstellung wird in den kommenden Monaten mit Unterstützung der Konrad-Adenauer-Stiftung und der Stiftung 20. Juli 1944 an verschiedenen Schulen und Bildungseinrichtungen gezeigt werden. Weitere Informationen über die Ausstellung sowie die Lebensläufe und Materialien zu den Widerstandskämpfern sind auch unter www.was-konnten-sie-tun.de zusammengestellt.

Serie

Veranstaltungsbeiträge

erschienen

Berlin, 5. Juni 2012

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Mitschnitt der Rede von Pater Klaus Mertes SJ

Kontakt

Christian Schleicher

Stv. Leiter der Akademie der KAS in Berlin

Christian Schleicher
Tel. +49 30 26996-3230
Fax +49 30 26996-3224