Buenos Aires Briefing - Juli 2013 / 2

Nachrichten aus Argentinien

Die Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. in Argentinien möchte allen Interessierten einen besseren Zugang zu den politischen Ereignissen des Landes ermöglichen. Dafür veröffentlichen wir alle zwei Wochen ein kurzes Briefing mit den wichtigsten Nachrichten aus dem Land. Die zweite Ausgabe fasst die wichtigsten Ereignisse zwischen dem 16. und dem 31. Juli 2013 zusammen.

Papst wirbt für Solidarität

Rund 1,5 Millionen Menschen aus der ganzen Welt pilgerten zum 28. Weltjugendtag nach Brasilien, unter ihnen 50.000 junge Argentinier. Die erste Reise des Papstes nach Lateinamerika seit seinem Amtsantritt bestimmte die Medienlandschaft seines Heimatlandes Argentinien. Mit Blick auf die sozialen Unruhen in Brasilien konzentrierte sich die Berichterstattung auf Franziskus' Besuch in einem Armenviertel von Rio de Janeiro und seinen Appell an die Jugendlichen, gemeinsam für Solidarität und gegen Korruption und soziale Ausgrenzung zu kämpfen.

Soja als Wirtschaftsmotor

In Argentinien, dem weltweit drittgrößten Sojaexporteur, fürchtet man sich vor einem massiven Preisverfall der Nutzpflanze. Im Der Preis ist von 600 US-Dollar pro Tonne im vergangenen Jahr auf 496 Dollar pro Tonne eingebrochen. Ursachen für den Preisrutsch liegen an der besonders ertragreichen Ernte in Süd- und Nordamerika und dem weltweiten Nachfragerückgang. Vor allem Grossabnehmer China hält sich zurück. Die gesamten Auswirkungen des Angebotsüberschusses wird Argentinien erst 2014 und 2015 sektorübergreifend zu spüren bekommen. Denn mit den US-Dollar aus dem Export von Soja wird ein Großteil der Energieimporte finanziert. Allerdings: Rund 40 Prozent der diesjährigen argentinischen Ernte (52 Millionen Tonnen) sind noch auf den Markt zu bringen.

Metro auf der Hauptstrasse

Das umstrittene Metrobussystem im Herzen von Buenos Aires ist eingeweiht worden. Auf der Avenida 9 de Julio, mit ihren 20 Fahrstreifen eine der breitesten und befahrensten Straßen der Welt, ist es nun dank einer neuen Expressschneise für Buslinien möglich, die Reisezeit um 50 Prozent zu verringern und voraussichtlich rund 5600 Tonnen CO2-Äquivalenten pro Jahr einzusparen. Die drei Kilometer lange Strecke kann nun innerhalb von 14 Minuten 365 Tage im Jahr und rund um die Uhr zurückgelegt werden.

Argentinien gedenkt den Anschlagsopfern

Am 18. Juli 1994 starben bei dem Anschlag auf die AMIA (Asociación Mutual Israelita Argentina), dem jüdischen Kulturzentrum in Buenos Aires, 85 Menschen, 300 wurden verletzt. Das Attentat gilt als das schwerste in der argentinischen Geschichte. Mit Ausstellungen und Trauerfeiern erinnerte die Stadt am Jahrestag an die schockierenden Ereignisse. Die Veranstaltungen überschattete der Konflikt zwischen der jüdischen Gemeinde Argentiniens mit der Regierung Cristina Kirchners. Anfang dieses Jahres hatte die Präsidentin ein umstrittenes Memorandum mit der Regierung in Teheran auf den Weg gebracht und eine Wahrheitskommission zur juristischen Aufarbeitung des Attentats einberufen. Die intensivierten bilateralen Beziehungen mit dem Iran betrachten Medien und Betroffene kritisch. Die erneute Abwesenheit der Präsidentin und ihres Außenministers Héctor Timerman von den Gedenkveranstaltungen sorgten für weitere Missstimmungen.

Alternativer Inflationsausgleich

Präsidentin Christina Kirchner gab bekannt, dass der Mindestlohn bis 2014 um 25,2 Prozent von 2875 auf 3600 Pesos steigen wird. Dem offiziellen Wechselkurs nach beträgt der Mindestlohn dann 608,05 US-Dollar und wäre mithin der Höchste in Südamerika. Gefolgt von Chile (411 US – Dollar) und Uruguay (405 US-Dollar). In die Kritik geraten war die Regierung, weil sie sich an der offiziellen Inflationsrate orientiert hatte, die mit 9 Prozent weit unter der realistischeren aber inoffiziellen Rate von 25 Prozent liegt. Mangelnde Transparenz bei den Verhandlungen, fehlender Diskussionscharakter und die Ausgrenzung oppositioneller Arbeitnehmer und – geberverbände begleiteten die diesjährige die Ratsversammlung charakteristisch. Die Opposition hatte eine Erhöhung auf 5180 Pesos gefordert und sich dabei an dem realen Anstieg der Verbraucherpreise orientiert.


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erschienen

Argentinien, 1. August 2013

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Leiter des Auslandsbüros Argentinien

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