Buenos Aires Briefing - Januar 2014/1

Die Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. in Argentinien möchte allen Interessierten einen besseren Zugang zu den politischen Ereignissen des Landes ermöglichen. Dafür veröffentlichen wir alle zwei Wochen ein kurzes Briefing mit den wichtigsten Nachrichten aus dem Land. Diese Ausgabe fasst die wichtigsten Ereignisse zwischen dem 01. und dem 15.Januar 2014 zusammen.

Argentinien - nicht nur ein Transitland für Kokain

Seit Jahren ist Argentinien Transitland und Umschlagplatz für den Kokainhandel nach Afrika und Europa. Die Droge wird traditionell in Peru, Bolivien und Kolumbien angebaut und hergestellt. Jedoch wird es nun für die Drogenkartelle heikel in diesen Ländern. Sie müssen den Drogenfahndern ausweichen und fanden ihre Zuflucht in Argentinien. Die Rohware wird über löchrige Grenzen im Norden des Landes importiert und dort chemisch weiterverarbeitet. Es soll mehr als hundert versteckte Landepisten für Flugzeuge geben, die die Kokspaste transportieren. Alleine 750 Wege verbinden Bolivien mit Argentinien, 60 Übergänge gibt es nach Paraguay, berichtet die Frankfurter Allgemeine Zeitung. Die Kokainverarbeitung in Argentinien ist nicht nur für das Ausland bestimmt. „Paco“, Abfallprodukt der Kokainproduktion, ist in den „Villas“, den Armenvierteln Argentiniens, stark verbreitet. Der Drogenhandel und - konsum hat bislang Beschaffungskriminalität, Morde, Gewalt, Kartellkriege und Kriminalität mit sich gebracht. Nach offiziellen Angaben gibt es keine Drogenprobleme in Argentinien. Die Regierung veröffentlicht keine Daten über beschlagnahmte Drogen. Seit Amtsantritt Cristina Kirchners 2007 veröffentlicht das verantwortliche Drogenobservatorium keine Statistiken mehr. Jedoch erscheinen fast wöchentlich neue Meldungen über Drogenfunde, vor allem in der Stadt Rosario.

Blitzeinschlag fordert vier Tote

Am 10. Januar kam es am Afrikastrand des Bade- und Ferienortes Villa Gesell zu einem Unwetter. Ein Blitzeinschlag verletzte 22 Menschen. Vier junge Leute starben. Sie waren zwischen 16 und 20 Jahre alt. Der Blitzeinschlag war so gewaltig, dass er in einem Umkreis von 40 Metern tödlich war. Daniel Scioli, Provinzgouverneur von Buenos Aires, besuchte die Verletzen im Krankenhaus und sprach den Familienmitgliedern der Verunglückten sein Beileid aus.

Preiskontrolle gegen Inflation

Die Regierung legte Anfang Januar 2014 den Preis von 193 Produkten auf einer Liste fest. Für ein Jahr sollen Grundnahrungsmittel wie Reis, Eier, Milch, Fleisch, Brot und Zucker in jedem Supermarkt zum eingefrorenen Preis erworben werden können. Die Maßnahme „precios cuidados“ ist eine Antwort auf die steigende Inflation des Landes. Nach Angaben von FIEL, einem regierungsunabhängigen Institut für Wirtschaftsforschungen, haben im Jahr 2013 die gestiegenen Lebensmittelpreise zu einer Inflation von 26,4 Prozent geführt. Offiziell gibt die Regierung eine Inflationsrate von 10,8 Prozent an. Das System ist noch nicht ausgereift. Nicht alle Supermärkte führen jedes Produkt der Liste. Man muss sich momentan noch auf die Suche nach den gewünschten Produkten begeben. Auch in der internationalen Presse wird die Regierung in Argentinien scharf kritisiert. The Economist bemängelt den entspannten Urlaub der Präsidentin in Patagonien, während im Dezember in der Hauptstadt wochenlang die Einwohner ohne Strom aber mit Hitzewelle auskommen mussten und in 20 der 24 Provinzen Argentiniens die Polizei für höhere Löhne streikte, was zu massiven Ausschreitungen führte.

Autor

Dr. Kristin Wesemann

erschienen

Argentinien, 16. Januar 2014