Buenos Aires Briefing- Juli 2014/1

Die Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. in Argentinien möchte allen Interessierten einen besseren Zugang zu den politischen Ereignissen des Landes ermöglichen. Dafür veröffentlichen wir alle zwei Wochen ein kurzes Briefing mit den wichtigsten Nachrichten aus dem Land. Diese Ausgabe fasst die wichtigsten Ereignisse zwischen dem 1. und 15. Juli 2014 zusammen.

Argentinische Fußballlegende Alfredo Di Stefano stirbt im Alter von 88 Jahren

Di Stefano, der an den Folgen eines Herzinfarkts in Madrid starb, gilt als Fußballstar der 1950er Jahre und steht als "Weltfußballer des Jahrhunderts“ auf einer Ebene mit Größen wie Pelé, Franz Beckenbauer und Maradona. Aufgrund seiner Schnelligkeit wurde er ,,Blonder Pfeil“ (saeta rubia) genannt; er gewann neben zahlreichen Meisterschaften oft den Titel des Torschützenkönigs. Sein Tod löste ein weltweites Medienecho aus.

Argentinien vs. US-Hedgefonds

Im Schuldenstreit um die langwierigen Forderungen amerikanischer Investmentfonds konnte bislang keine Eignung erzielt werden. Nachdem der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten entschieden hatte, dass Argentinien seine Altschulden in Höhe von 1,5 Milliarden US Dollar an zwei Fonds begleichen muss, traf sich Anfang Juli erstmals Wirtschaftsminister Axel Kicillof mit dem eingesetzten Vermittler Daniel Pollack. Die „Geierfonds“, wie sie Argentiniens Staatschefin Cristina Kirchner und ihre Regierung bezeichnen, hatten nach der Staatspleite im Jahr 2001/2 notleidende Anleihen des Landes zu einem Bruchteil des Nennwerts aufgekauft. Nach der Gerichtsentscheidung muss Argentinien nun den vollen Betrag inklusive aller aufgelaufenen Zinsen zurückzahlen. Der amerikanische Richter Griesa hatte Pollack aufgefordert, geeignete Bedingungen für Verhandlungen zwischen Argentinien und den Hedgefonds auszuarbeiten. In Argentinien fehlt jedoch weitenteils die Bereitschaft in Verhandlungen zu treten.

Argentinien feierte seine Unabhängigkeit

Die Unabhängigkeit von Spanien wurde am 9. Juli 1816 in Tucumán ausgerufen, einer Stadt im Norden des Landes. Auch dieses Jahr versammelten sich die Argentinier in Buenos Aires und den Provinzen, um die gewonnene Unabhängigkeit zu feiern. Präsidentin Cristina Kirchner konnte aus gesundheitlichen Gründen nicht an den Feierlichkeiten in Tucumán teilnehmen und schickte den der schweren Korruption angeklagten Vizepräsidenten Amado Boudou, der seinerseits eine Eloge auf die Kirchner-Regierungen hielt und von anwesenden Politikgrößen regelrecht ignoriert wurde. Die Berichterstattung zum Unabhängigkeitstag wurde von dem Finaleinzug der argentinischen Nationalmannschaft regelrecht verdrängt.

Putin in Argentinien

Vor dem BRICS-Gipfeltreffen (Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika) in Brasilien besuchte der russische Staatschef Argentinien und traf sich in Buenos Aires mit seiner Kollegin Cristina Fernández de Kirchner. Bei dem Treffen betonte Putin wie wichtig die Zusammenarbeit mit Argentinien sei: "Argentinien ist einer der bedeutendsten Partner Russlands in Lateinamerika“. Argentinien gilt nach Brasilien, Mexiko und Venezuela als viertgrößter Handelspartner Russlands. Speziell bei der Energieversorgung wolle man neue Projekte ausarbeiten. Die Staatschefs unterzeichneten eine Kooperationsvereinbarung zur Atomenergie. Zuletzt waren sich Putin und Kirchner näher gekommen, als Argentinien sich in der Krim-Krise auf die Seite Russlands gestellt hatte.

Korruptionsfall Amado Boudou

Der Vizepräsident Argentiniens steht seit vergangen Monat aufgrund von Korruption vor Gericht. Ihm wird Amtsmissbrauch im Zusammenhang mit der Veräußerung einer Gelddruckerei vorgeworfen. In den kommenden Wochen soll er dazu aussagen. Der zuständige Richter setzt die Untersuchung des Vizepräsidenten am Mittwoch, 23. Juli, fort und geht zudem angeblichen Unregelmäßigkeiten beim Kauf eines Autos nach.

Weltfußballmeisterschaft 2014

In der 113. Minute erzielte der deutsche Nationalspieler Mario Götze das Siegestor im WM- Finale am 13. Juli 2014 gegen Argentinien und holte mit seiner Mannschaft den 4. WM Titel nach Deutschland. Die argentinische Mannschaft samt Messi, der zum Besten Spieler des Turniers gewählt wurde, mussten sich nach dem 0:1 mit dem Vizetitel zufrieden geben. Die Bundeskanzlerin und der Bundespräsident Deutschlands feuerten persönlich in Brasilien ihr Team an. Die argentinische Präsidentin Kirchner konnte aufgrund eines Staatsbesuchs des russischen Präsidenten Putin nicht vor Ort sein, empfing die argentinische Mannschaft jedoch bei ihrer Rückkehr am Flughafen in Buenos Aires. In Buenos Aires kam es nach dem Spiel aufgrund der großen Enttäuschung einiger Fans zu Ausschreitungen und Plünderungen am Obelisken, dem Wahrzeichen der Stadt.

erschienen

Argentinien, 18. Juli 2014