Buenos Aires Briefing August 2014/2

Die Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. in Argentinien möchte allen Interessierten einen besseren Zugang zu den politischen Ereignissen des Landes ermöglichen. Dafür veröffentlichen wir alle zwei Wochen ein kurzes Briefing mit den wichtigsten Nachrichten aus dem Land. Diese Ausgabe fasst die wichtigsten Ereignisse zwischen dem 15. August und dem 31. August 2014 zusammen.

Ein Jahrhundert Cortázar

Mit Ausstellungen, Sonderausgaben seiner Arbeit, Lesungen und der Wiedereröffnung des traditionsreichen Kaffeehauses London City in der Avenida de Mayo wurde Julio Cortázar (1914-1984) gefeiert. Im London City schrieb Cortázar 1960 seinen Roman „Los premios“. Buenos Aires würdigte am Dienstag, den 26. August, 100 Jahre des Autors von "Hopscotch". Sein bekannter Roman “Rayuela”, 1963 erschienen, gilt als einer der Auslöser des Booms der lateinamerikanischen Literatur und machte Cortázar neben Jorge Luis Borges zum bedeutendsten argentinischen Schriftsteller des 20. Jahrhunderts. Borges und Cortázar bewunderten sich gegenseitig, obwohl beide ideologisch entgegengesetzt waren. In diesem Jubiläumsjahr wurde ebenfalls in Paris, Wahlheimat von Julio Cortázar, eine Hommage mit mehreren Veranstaltungen organisiert. In Buenos Aires hat er seine ersten literarischen Versuche unternommen und im Pariser Exil seine wichtigsten Bücher geschrieben.

Ein Generalstreik gegen Inflation

Ein Generalstreik gegen die immer höhere Inflationsrate hat Argentinien teilweise lahmgelegt. Drei der fünf Gewerkschaftsverbände hatten zu dem Ausstand aufgerufen. Sie wollten gegen sinkende Löhne und Beschäftigung sowie gegen die dramatisch steigende Inflation protestieren. Die voraussichtliche Jahresinflation beträgt ca. 40 Prozent. Es war der zweite Generalstreik in fünf Monaten gegen die Wirtschaftspolitik der Regierung. Während in Buenos Aires am Donnerstag einige U-Bahnlinien und die Vorortzüge sowie landesweit viele Flugverbindungen betroffen waren, beteiligten sich die Busfahrer nicht an dem Streik. Der Autoverkehr kam teilweise zum Stillstand, weil Streikposten wichtige Straßen blockierten. Die Banken blieben geschlossen. Die Industrie-Gewerkschaften nahmen an dem Protest nicht teil. Kabinettschef Jorge Capitanich sagte, nur 25 Prozent der Arbeitnehmer hätten sich dem Streik angeschlossen oder wegen des Ausstandes ihre Arbeitsplätze nicht erreichen können. Präsidentin Fernandez de Kirchner sagte, dass sie dem Druck der Gewerkschaften nicht nachgeben würde. Auf einer Pressekonferenz unternahm Kabinettschef Jorge Capitanich einen verzweifelten Versuch, den nationalen Streik zu verhindern. Capitanich sagte, alle an dem Generalstreik beteiligten Gewerkschaften würden "durch Geier-Fonds finanziert."

Ehemaliger Finanzminister Cavallo während einer Vorlesung an der Universität angegriffen

Eine Gruppe von Demonstranten warf Eier und beleidigte Domingo Cavallo und zwang so die Präfektur zum Eingreifen. Der ehemalige Wirtschaftsminister und Begründer der Währungskonvertibilität der 90er Jahre unter Präsident Carlos Menem wurde im Vorfeld einer Rede an der Katholischen Universität Argentinien (UCA) angegriffen. Cavallo erinnerte an John Maynard Keynes. Zudem sprach er über Schuldenpolitik und über sein neues Rezept für Stabilität. Cavallo plädierte für einen freien Devisenmarkt, auf dem alle Währungen "konkurrieren". Dabei wurde er mehrmals unterbrochen, zwei Männer versuchten ihn zu schlagen und warfen Eier. Cavallo verurteilte die Angreifer als "Nazis und Bolschewisten“. Demonstranten verteilten auch Flugblätter mit dem Slogan „Vaterland oder Geier“. Dabei geht es um den andauernden Schuldenstreit Argentiniens mit US-amerikanischen Hedgefonds, die die Umschuldungsvereinbarungen 2005 und 2010 nicht mitgetragen und das Land per Gerichtsentscheid in den technischen Zahlungsausfall gebracht haben. Im Kampf gegen den Zahlungsausfall beharrt Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner auf der harten Verhandlungslinie unter dem Credo „Argentinien: Vaterland oder Geierfonds“. Der Vorfall wurde der linksradikalen politischen Bewegung Quebracho zugeschrieben. Cavallo wurde von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der UCA zum Forum "Die Zukunft der Geldpolitik“ eingeladen. Ebenso anwesend waren Mario Blejer und Javier González Fraga, alle ehemalige Amtsträger der Zentralbank.

erschienen

Argentinien, 2. September 2014