Buenos Aires Briefing - Oktober 2015/2

Die Konrad-Adenauer-Stiftung e.V. in Argentinien möchte allen Interessierten einen besseren Zugang zu den politischen Ereignissen des Landes ermöglichen. Dafür veröffentlichen wir alle zwei Wochen ein kurzes Briefing mit den wichtigsten Nachrichten aus dem Land. Diese Ausgabe fasst die wichtigsten Ereignisse zwischen dem 15. und 31. Oktober zusammen.

Nach der Wahl ist vor der Wahl

Bei der Präsidentschaftswahl am vergangenen 25. Oktober 2015 konnte der Kandidat der Regierungspartei Frente para la Victoria (FpV) Daniel Scioli nur zwei Prozentpunkte mehr als Mauricio Macri, Kandidat des Wahlbündnisses Cambiemos, erzielen. Beide stehen sich nun in der Stichwahl am 22. November 2015 gegenüber. Die Stimmung bleibt weiterhin angespannt, die Gesellschaft gespalten. Nachdem er selbst in der ersten TV Debatte der argentinischen Geschichte gefehlt hatte, forderte Scioli nun Macri überraschend zu einer Debatte am 15. November heraus. Des Weiteren bemüht sich Präsidentin Cristina Fernández de Kirchner kaum um den Kandidaten des oficialismo. Bei ihrer Ansprache drei Tage nach der Wahl erwähnte sie Scioli mit keinem Wort. Medienwirksam inszeniert wurde auch die versöhnende Umarmung zwischen Scioli und dem umstrittenen Kabinettschef von Kirchner, Aníbal Fernández (FpV), der die Wahl zum Gouverneur von Buenos Aires gegen María Eugenia Vidal (Cambiemos) verloren hatte. Bei der Stichwahl werden Macri und Scioli vor allem um die Stimmen von Sergio Massa (Frente Renovador) kämpfen, der mit knapp 21 Prozent als Präsidentschaftsanwärter ausgeschieden ist. Dieser sprach sich öffentlich gegen Kontinuität und für einen Wechsel aus. Die Kandidaten von Cambiemos und FpV werben nun mit neuen Wahlversprechen wie der Abschaffung der Einkommenssteuer (Scioli) oder einer Aufweichung der Import- und Fremdwährungserwerbsbestimmungen (Macri). Umfrageergebnissen zufolge hat Macri derzeit einen Vorsprung zwischen fünf und 15 Punkten. Außerdem verfügt er über ein Fünftel der Sitze im Kongress und sein Wahlbündnis über eine Mehrheit im Parlament der Provinz Buenos Aires.

Wahlkampf 2.0

Seit Monaten ist die Präsidentschaftswahl Hauptthema in den sozialen Netzwerken. Jeden Tag wird gepostet, geliked, kommentiert und geteilt. Die Kampagne zählt längst zu einer der meist kommentierten der Welt. Nicht ohne Grund wird den öffentlichen Auftritten der Kandidaten in Facebook, Twitter, Instagram oder YouTube große Bedeutung beigemessen. Alleine bei Facebook sind mehr als 25 Millionen Argentinier aktiv, dies entspricht einem Anteil von 86 Prozent der Bevölkerung. In dem zweitgrößten Land Lateinamerikas entwickelte sich eine politische Kampagne 2.0, die insbesondere am Wahltag (25. Oktober) ihren Höhepunkt fand. Die aktuell sehr aufgeheizte Debatte um die Negativkampagne des Regierungskandidaten gegen Mauricio Macri ist bereits Grundlage von Satire: die Facebookseite “Campaña Bu” hat innerhalb von wenigen Tagen schon 77.000 Likes. Diese Seite greift die aktuelle Kampagne gegen Präsidentschaftskandidat Mauricio Macri satirisch auf, die vor allem mit Angst und Einschüchterung geführt wird.

Boca Juniors gewinnt die Meisterschaft – nach drei Jahren Titellosigkeit

„Ich bin überglücklich, dafür bin ich hergekommen...Ich kann gerade nicht reden.“ Mit Tränen in den Augen stellte sich Carlos Tévez den Journalisten und war sichtlich bemüht Fassung zu bewahren. Er hatte gerade mit Boca Juniors die erste argentinische Meisterschaft nach mehr als drei Jahren Titellosigkeit gewonnen – für die erfolgsverwöhnten Fans aus dem Süden der Hauptstadt eine halbe Ewigkeit. Nach dem 1:0-Sieg gegen CA Tigre und dem gleichzeitigen Schwächeln des engsten Verfolgers Rosario Central ist Boca in der Tabelle nun bereits einen Spieltag vor Saisonende nicht mehr einzuholen. Nach mehr als zehn Jahren kehrte der jugador del pueblo oder „Spieler des Volkes“, wie Tévez von seinen Fans genannt wird, im Juli nach Buenos Aires zu den Boca Juniors zurück – dorthin, wo er vor 15 Jahren seine Karriere begann. Tévez, der aus dem Armenviertel Fuerte Apache in der Provinz Buenos Aires stammt, hätte sicherlich noch mehrere Jahre mit gut dotierten Verträgen in Europa spielen können, entschied sich aber auf dem Höhepunkt seiner Karriere für eine Rückkehr in die Heimat. Eine Entscheidung des Herzens, wie er öfters betonte. Als einer der wichtigsten Repräsentanten des Nationalsports Fußball genießt Tévez im ganzen Land hohes Ansehen; sowohl Boca-Fans, als auch Anhänger der Rivalen schenken den Worten Tévez gleichermaßen Beachtung. „Was seine Ziele sind?“, fragten ihn die Reporter bei seiner Rückkehr. „Ich bin gekommen, um gegen River zu gewinnen und Meister zu werden.“ Vier Monate später ließ er seinen vorlauten Worten Taten folgen: sowohl den Superclásico gegen River, als auch die argentinische Meisterschaft konnte er mit Boca gewinnen. Nach dem Spiel gegen Tigre am Sonntagabend marschierten anschließend zehntausende Boca-Fans in Richtung Stadtzentrum, um den neuen argentinischen Meister zu feiern – und über mehrere Stunden den Hauptstadtverkehr lahmzulegen.

Achte Rugby-Union-Weltmeisterschaft

Vom 18. September bis zum 31. Oktober 2015 fand die achte Rugby Weltmeisterschaft in England statt. Insgesamt nahmen 20 Mannschaften daran teil, darunter der Titelverteidiger Neuseeland, die USA, England, Irland, Südafrika und Argentinien. Dabei bewies Argentinien, dass es nicht nur in puncto Fußball ganz oben mitspielt. Im Halbfinale, das am 25. Oktober stattfand, mussten die Argentinier dennoch eine Niederlage gegen die Australier einstecken, der Endstand betrug 15:29 für Australien. Und auch im Spiel um Platz drei mussten die „Pumas“ gegen Südafrika mit 24:13 geschlagen geben, während sich Neuseeland im Finale gegen Australien erneut den Weltmeistertitel holte. Argentinien gilt trotz des „nur“ fünften Platzes nach dieser Weltmeisterschaft, aufgrund beeindruckender spielerischer Leistungen und sehr guter Spielstatistiken, als große Hoffnung für den Rugbysport und die Weltmeisterschaft 2019 in Japan.

erschienen

Argentinien, 1. November 2015

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