Im Spannungsfeld zwischen Politikern und Medienmachern

Monika Zimmermann stellt ihr Buch „Unter lauter Leuten“ vor

"Es macht einfach Spaß, dieses Buch zu lesen" lobte Prof. Dr. Bernhard Vogel, Ehrenvorsitzender der Konrad-Adenauer-Stiftung, das Buch „Unter lauter Leuten“, welches Überraschendes aus dem Alltag von Prominenten humorvoll und pointenreich hervorbringe. Bei der Buchvorstellung in der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung hob er das besondere Talent der Autorin Dr. Monika Zimmermann hervor.

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Andreas Kleine-Kraneburg, Leiter der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung, begrüßte die Gäste.

Andreas Kleine-Kraneburg, Leiter der Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung, begrüßte die Gäste.

Die ehemalige Chefredakteurin der Mitteldeutschen Zeitung und frühere Regierungssprecherin in Sachsen-Anhalt habe es in den 57 Miniaturen des Buches geschickt verstanden, „die scheinbaren Nebensächlichkeiten mit den Schilderungen von zeitgenössischen Persönlichkeiten zu verknüpfen“. „Das ist eine besondere Kunst“, unterstrich Vogel anerkennend. Im Laufe ihrer Karriere ist Zimmermann zahlreichen Politikern sowie Vertretern von Kultur und Gesellschaft begegnet und hat diese Begegnungen, die aus ihrer persönlichen Sicht den Charakter des jeweiligen Prominenten widerspiegelt, in ihrem aktuellen Buch festgehalten. Dabei müsse aber kein Politiker Angst haben, dass er schlecht dar- oder bloßgestellt werde in dem Buch, so Vogel.

Über das Spannungsverhältnis zwischen Journalisten und Politikern diskutierten im Anschluss auf dem Podium Vertreter aus Medien und Politik. Hans-Ulrich Jörges, Mitglied der Stern-Chefredaktion, machte keinen Hehl daraus, dass es eine Vertrauenskrise der Deutschen gegenüber der Medienberichterstattung gebe. „Das muss uns in der Branche nachdenklich machen“, betonte Jörges. Für ihn hätten die Medien eine Mitschuld an der Situation. Denn er beobachte in der Berichterstattung, dass aus Gründen der Dramatisierung, häufig die Sachlage zugespitzt und relativierende Belege weggelassen würden. Jörges ist überzeugt, dass der Journalismus an drei Krankheiten leide: „Opportunismus, Konformismus und Alarmismus.“

Zimmermann, die jahrzehntelang als Journalistin arbeitete und dann ihren Job als Regierungssprecherin antrat, kennt sowohl die politische als auch die mediale Seite. Sie beklagte, dass durch die Schnelllebigkeit der Medien die Journalisten nicht genügend Zeit für intensivere Recherchen hätten. Zudem sei es fatal, wenn der eine vom anderen nur abschreibe ohne selbst die Fakten zu prüfen. „Ich wünsche mir, dass die Journalisten heute den Mut haben nachzudenken und nicht der Erste zu sein, der mit falschem Ehrgeiz die Schlagzeile macht“, sagte Zimmermann.

Neben den veränderten Produktionsbedingungen in der Medienwelt gab Wolfgang Thierse, früherer Bundestagspräsident, zu bedenken, dass auch Politiker in „einer Bringschuld sind, politische Sachverhalte verständlich zu erklären“. Ein Politiker müsse innerlich gefestigt sein, bereits einen Beruf ausüben und soziale Erfahrungen haben, wenn er in die Politik gehe, so Thierse. Franziska Brantner, Mitglied des Deutschen Bundestags und Sprecherin für Kinder- und Familienpolitik der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen, forderte in diesem Sinne sowohl von den Journalisten als auch von den Politikern eine höhere Aufmerksamkeit ihrem Umfeld gegenüber. Ein offenes Ohr für die Mitmenschen sei in beiden Berufen wichtig. In der Politik dürfe es unterschiedliche Typen geben, sagte Vogel. Aber mit Blick auf den vergangenen Wahlkampf in den USA, betonte er, dass „sich der Politiker mit den Argumenten des Gegners auseinandersetzen müsse und nicht stattdessen seine Persönlichkeit diffamieren.“ Am Ende der angeregten Diskussion war zu spüren, dass sowohl Politiker als auch Journalisten täglich immer wieder ihre Vertrauenswürdigkeit und Glaubwürdigkeit unter Beweis stellen müssen.

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erschienen

Berlin, 31. März 2017