Medien
Auch verfügbar in B-H-S
Wenn der Demokratisierungsprozess in Bosnien und Herzegowina Erfolg haben soll, muss er den Menschen von einem professionellen Mediensektor näher gebracht werden. Im Transformationsprozess kommt den Medien eine zentrale Funktion zu. Nur die Medien verfügen über eine Breitenstreuung, durch die sie die öffentliche Meinung maßgeblich mitbestimmen können.
Vor- und Falschurteile über die anderen Nationalitäten Bosnien und Herzegowinas werden zumindest teilweise durch Medien verursacht und verstärkt, können aber auch durch diese – bei einer entsprechenden Berichterstattung – wieder korrigiert werden. Politiker lassen sich nur allzu oft von der Medienberichterstattung in ihrem täglichen Handeln beeinflussen. Gerade vor diesem Hintergrund kommt der Medienberichterstattung eine besondere Rolle im Versöhnungsprozess der drei konstitutiven Völker Bosnien und Herzegowinas zu. Allen Berichterstattern muss bewusst sein, dass mit ihrer Berichterstattung nicht zuletzt auch das politische Handeln der Politiker beeinflusst werden kann. Bericht erstatten bedeutet eben auch, politische Verantwortung zu übernehmen.
Das Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Sarajevo unterstützt die Professionalisierung der Medienlandschaft Bosnien und Herzegowinas und die Entwicklung ethischer Maßstäbe. Sie organisiert hierzu themenorientierte Gesprächskreise sowie Medienkonferenzen mit Journalisten aus BuH sowie der gesamten Region Südosteuropa. So fördert die Stiftung gleichzeitig die Entstehung neuer Informationsnetzwerke und die Wiederbelebung alter Verbindungen. Bei diesen Veranstaltungen steht die Rolle der Medien in der Politik, die Ethik der Berichterstattung, der investigative Journalismus, das Verhältnis der Medien zur Religionsthematik, sowie Wirtschaftsberichterstattung zur Diskussion. Die Konrad-Adenauer-Stiftung kooperiert eng mit Radiosendern im ganzen Land. Partner aus dem Mediensektor sind u.a. Studentenradio eFM Sarajevo, das politische Magazin "Status", BIRN (Balkan Investigative Reporting Network), AIS (Verband der Berichterstatter vom Gericht BuH) sowie der Presserat Bosnien-Herzegowinas, die Medienregulierungsagentur (RAK), Media Plan Institute und das öffentlich-rechtliche Radio des Landes (BHR).
Ein weiterer wichtiger Bereich der Medienförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung stellen Informationsreisen von Journalisten nach Deutschland dar. Regelmäßig werden Besuchsreisen nach Berlin, sowohl für erfahrene Journalisten und Redakteure als auch für den journalistischen Nachwuchs, organisiert. Journalisten erhalten so die Gelegenheit mit deutschen Wissenschaftlern, Historikern, Politikern und Parlamentariern, sowie Vertretern deutscher Medien zu diskutieren und Erfahrungen und Meinungen über "die Rolle der 4. Macht im Staat" auszutauschen. Das Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Sarajevo vergibt zudem Stipendien für journalistische Fachpraktika in Deutschland (beispielsweise bei der Deutschen Welle) und unterstützt durch Stipendien journalistische Aufbaustudien.
Schwerpunkt unser Maßnahmen 2006 - 2008 war die Förderung der verantwortungsvollen Berichterstattung über Kriegsverbrecherprozesse. Die Vergangenheitsaufarbeitung und -bewältigung kommt in Bosnien-Herzegowina nur schleppend voran. Tatsächlich stehen mindestens drei Versionen über den Konflikt nebeneinander. Diese sind unvereinbar und bergen ihrerseits großes Streitpotential für die nächsten Generationen. In den vergangenen Jahren hat sich die KAS in BuH daher für eine neutrale und professionelle Berichterstattung über die 2005 in Bosnien-Herzegowina angefangenen Kriegsverbrecherprozesse eingesetzt. In Zusammenarbeit mit dem Presserat, BIRN und AIS wurde beispielsweise der Pressekodex überarbeitet und Empfehlungen für die Berichterstattung über Kriegsverbrecherprozesse verabschiedet.