Interreligiöser Dialog
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Ein Leitthema der Konrad-Adenauer-Stiftung ist die Verständigung über die gemeinsamen Werte eines zusammenwachsenden Europa. Auch das Auslandsbüro der Konrad-Adenauer-Stiftung in Sarajevo legt einen Schwerpunkt auf das Zustandekommen des interreligiösen und interkulturellen Dialogs. Analysiert werden das europäischen Wertgefüge, die christlich-abendländische Kulturtradition und die Erkenntnisse der Aufklärung – auf welchen das Selbstverständnis des säkularen Staates in den europäischen Gesellschaften beruht. Daneben gilt es, die Rolle und Identität der Kirchen und Religionsgemeinschaften in demokratischen Gesellschaften zu beleuchten. Dem Thema des Verhältnisses zwischen Medien und Religion und damit auch zwischen Gesellschaft und Religion widmen sich verschiedene Publikation der Konrad-Adenauer-Stiftung in Bosnien und Herzegowina. Durch den Dialog über Verbindendes und Trennendes der einzelnen Kirchen und Religionsgemeinschaften in ihrem Verhältnis zu Staat und Gesellschaft, sollen Grundlagen zur Intensivierung der interreligiösen Verständigung und Perspektiven einer positiv unterstützenden Rolle der Religionsgemeinschaften im Integrations- und Versöhnungsprozess erörtert werden.
Bosnien und Herzegowina kann mit seiner Geschichte und seinen jüngsten Erfahrungen einen wichtigen Beitrag zum europäischen interreligiösen und interkulturellen Dialog leisten. Eine Besonderheit Bosnien und Herzegowinas liegt seit langem in seiner religiösen und kulturellen Vielfalt. Der Staat wird aus drei sog. konstitutiven Völkern gebildet: den Bosniaken, den Serben und den Kroaten. Die Bosniaken sind mehrheitlich Muslime, die Serben sind zumeist Angehörige der orthodoxen Glaubensgemeinschaft und die Kroaten größtenteils Angehörige der römisch-katholischen Kirche. Es existieren außerdem eine kleine jüdische Gemeinschaft sowie 17 nationale Minderheiten. Obwohl es seit 1992 keinen Zensus in Bosnien und Herzegowina gegeben hat, gehen Schätzungen davon aus, dass die Muslime mit etwa 40 Prozent der Bevölkerung die größte Glaubensgemeinschaft bilden, etwa 31 Prozent der Bevölkerung sind serbisch-orthodox und 15 Prozent römisch-katholisch.
Wegen der Bosnien und Herzegowina auszeichnenden, ungewöhnlich starken ethnisch-nationalen und religiös-konfessionellen Zersplitterung – die nicht zuletzt durch den jüngsten Konflikt (1992 – 1995) vertieft wurde – setzt sich die Konrad-Adenauer-Stiftung seit der Aufnahme ihrer Tätigkeit 1997 besonders für den interreligiösen Dialog zur Erneuerung von Vertrauen zwischen den Gruppen ein. Zugleich leistet die KAS mit ihren Maßnahmen einen Beitrag zur Vergangenheitsbewältigung und zur Versöhnung zwischen den Bevölkerungsgruppen.
- Als einen wichtigen Kooperationspartner betrachten wir den 1997 gegründeten „Interreligiösen Rat“ (IRR). In diesem haben sich die höchsten Würdenträger der vier traditionellen Religionen Bosnien und Herzegowinas zusammengeschlossen. Anfang 2005 wurde dieser zu einer unabhängigen Organisation und ist seither ein Hauptpartner der Stiftung in Bosnien und Herzegowina. Die gute Kooperation mit dem IRR konnte 2007 mit der Gründung des "Interreligiösen Instituts" (IRI) einen vorläufigen Höhepunkt erreichen. Das Institut knüpft an die Erfahrungen an, die in Deutschland mit kirchlichen Bildungs- und Begegnungshäusern gesammelt wurden. Seit Oktober 2007 baut das Institut seine Funktion als "Brücke zwischen der Gesellschaft und den vier traditionellen Religionsgemeinschaften" auf.
- Hervorzuheben sind ebenfalls die "Begegnungen junger Theologen", die wird seit 2006 fördern. Bei diesen Begegnungen besuchen 40 katholische, muslimische und orthodoxe Theologiestudenten gemeinsam die theologischen Fakultäten des Landes, um sich gegenseitig ihre Curricula, aber auch die Glaubenspraxis näher zu bringen. Nichts kann dessen Bedeutung stärker unterstreichen als der Umstand, dass die jungen christlichen und muslimischen Theologen oft erstmals die Glaubenspraxis der jeweils Anderen erfahren konnten und beispielsweise erstmals eine Synagoge von innen sahen. Die Gruppe der Jungtheologen charakterisiert zudem ein hoher Grad an Eigeninitiative und Interesse an umstrittenen Themen, der zum Fachgespräch "Dialog mit Atheisten und Agnostikern" und zur Anfertigung eines gemeinsamen Religionskalenders führte.