Rommel unterstützte das Attentat auf Hitler

Neue Forschungen

Generalfeldmarschall Erwin Rommel war der populärste General der Wehrmacht, und seine Person umgeben auch heute noch weltweit Mythen. Dr. Peter Lieb, Senior Lecturer an der Royal Military Academy Sandhurst in der Nähe Londons, präsentierte jüngst in einem vielbeachteten Beitrag in der renommiertesten geschichtswissenschaftlichen Fachzeitschrift Deutschlands, den Vierteljahresheften für Zeitgeschichte, neue Forschungsergebnisse zu Rommels Verhältnis zu den Männern des militärischen Widerstands vom 20. Juli 1944.

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Oberst d.R. Gunter Scharf begrüßte die Gäste

Oberst d.R. Gunter Scharf begrüßte die Gäste

Dr. Lieb präsentierte seine Forschungsergebnisse im gemeinsamen Forum „Sicherheit und Politik“ der Sektionen Potsdam der Deutschen Atlantischen Gesellschaft und der Gesellschaft für Wehr- und Sicherheitspolitik, der Landesgruppe Brandenburg des Reservistenverbandes und des Politischen Bildungsforums Brandenburg der Konrad-Adenauer-Stiftung. Die Veranstalter konnten auch zahlreiche Gäste des ZMSBw und des Einsatzführungskommandos der Bundeswehr begrüßen.

Erwin Rommel wurde bereits im Ersten Weltkrieg für tapfere und erfolgreiche Einsätze mit höchsten Auszeichnungen geehrt, etwa dem Orden Pour le Mérite. 1939, im Feldzug gegen Polen, kommandierte er Hitlers Hauptquartier, die Grundlage für eine enge Bindung an den „Führer“ und seinen steilen Aufstieg im nationalsozialistischen Regime. Durch spektakuläre Erfolge und seinen unkonventionellen Führungsstil als Kommandeur der 7. Panzerdivision im Feldzug gegen Frankreich und des Afrikakorps ab 1941, avancierte er zur in Szene gesetzten Propagandaikone der Wehrmacht. Rommel allerdings, so betonte Lieb, seien Kriegsverbrechen nicht nachzuweisen, was auch mit der Tatsache zusammenhängen mag, dass er nicht an der Ostfront eingesetzt war. Zudem habe er mehrfach verbrecherische sowie unsinnige militärische Befehle Hitlers nicht befolgt. Es sind keine Hinweise auf antisemitische Haltungen Rommels nachweisbar, auch Dotationen Hitlers scheint er nach derzeitigem Stand der Forschung nicht angenommen zu haben.

Auszugehen sei von einer langsamen Abwendung Rommels von Hitler nach der Niederlage von El Alamein im Herbst 1942. U.a. las er Ernst Jüngers Aufruf „Der Friede“, der in Kreisen des militärischen Widerstands zirkulierte. Nach der gelungenen Invasion in der Normandie ab dem 6. Juni 1944 war Rommel der Überzeugung, der Krieg sei verloren. Im Gegensatz zu vielen anderen Generalen forderte er in einem Memorandum vom 15. Juli 1944 Hitler auf, daraus politische Konsequenzen zu ziehen. Aus Sicht des Diktators ein ungeheuerlicher Vorgang. Am 17. Juli 1944 wurde Rommel durch einen Tieffliegerangriff verwundet und mußte den Oberbefehl über die Heeresgruppe B an der Invasionsfront abgeben.

General Hans Speidel war enger Mitarbeiter Rommels 1944 in Frankreich und behauptete nach dem Krieg, Rommel habe den militärischen Widerstand im Sommer 1944 unterstützt. Über diese Frage wurde intensiv diskutiert, und der britische Historiker David Irving konnte sich mit seiner vielfach, etwa durch Peter Steinbach, übernommenen These durchsetzen, Rommel habe keine Verbindung zu den Männern des 20. Juli gehabt. Dabei müßten auch Briefe Rommels, in denen er sich weiter als treuer Gefolgsmann Hitlers gab, quellenkritisch gelesen werden, so Lieb. Denn er mußte befürchten, dass er durch die Gestapo oder den SD überwacht wurde.

Als Schlüsselereignis wertet Lieb ein Treffen Rommels mit Cäsar von Hofacker am 9. Juli 1944. Danach war er für die Verschwörung gewonnen. Lieb brachte dafür noch weitere Quellen, u.a. einen Tagebucheintrag Joseph Goebbels und eine Notiz Martin Bormanns vom 28. September 1944, die bereits Maurice Philip Remy in seiner Biographie über den General bekannt gemacht hatte. Dort heißt es: „Rommel habe erklärt, dass er der neuen Regierung nach gelungenem Attentat zur Verfügung...“ stünde. Nach dem 20. Juli 1944 scheinen SD und Gestapo in zahlreichen Vernehmungen auch belastende Aussagen über eine Beteiligung Rommels am Widerstand gesammelt zu haben, die nicht überliefert sind. Hitler stellte Rommel am 14. Oktober 1944 vor die Wahl: entweder würde er vor den Volksgerichtshof gestellt oder müsse sich umbringen. Rommel entschied sich für den Selbstmord, um seine Familie zu schützen. Zuvor war Rommel bereits durch hohe Offiziere für schuldig befunden worden.

Dass Hitler dem populären Rommel die Option auf eine Gerichtsverhandlung eröffnete, ohne das belastendes Material vorhanden gewesen wäre, erscheint wenig plausibel. Allein dies spricht für eine Unterstützung des Widerstands durch Rommel, der mehr als nur ein Sympathisant der Verschwörer gewesen sei, so Lieb. Er habe das Attentat unterstützt.

Autor

Dr. Klaus Jochen Arnold

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Potsdam, 9. Juli 2014

Kontakt

Dr. Klaus Jochen Arnold

Wissenschaftlicher Mitarbeiter des Politischen Bildungsforums Brandenburg

Dr. Klaus Jochen Arnold
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Fax +49 331 748876-15
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