Geschichte als ferner Spiegel?

Zum Verhältnis von Christentum, Islam und Moderne

Eine Debatte über Geschichte und was wir aus ihr für das Verhältnis von Christentum und Islam lernen können zum Nachhören hier auf unserer Internetseite.

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Necla Kelek, Klaus-Rüdiger Mai, Johannes Helmrath

v.l.: Dr. Necla Kelek, Dr. Klaus-Rüdiger Mai, Prof. Johannes Helmrath auf dem Podium

Um den Reiz des Erzählens im historischen Roman, um Glaube, Bildung, Kultur, Vernunft, Staat und Religion, Herrschaft und Volk im christlichen Abendland und islamischen Morgenland ging es im letzten Brandenburger Forum der Konrad-Adenauer-Stiftung im Jahr 2017 im vollen Tagungsraum des Hotels Steigenberger in Potsdam.

Die Ausgangsfrage für all das war, ob die Geschichte - im Roman erzählt oder wissenschaftlich aufbereitet - im Verhältnis von Christentum und Islam als ein ferner Spiegel dienen könne und - wenn ja - was wir in diesem Spiegel erkennen können. Das Fazit der Diskutanten über das, was sie im Spiegel der Geschichte entdecken: Für die türkischstämmige Berliner Soziologin Necla Kelek ist es vor allem ein kritisches Geschichtsbewusstsein, das notwendig sei; der Autor Klaus-Rüdiger Mai sieht das Individuum als freiheitliches Subjekt im Zentrum; der Mittelalterhistoriker Johannes Helmrath hält es mit dem Kulturhistoriker Jacob Burckhardt: "Geschichte macht nicht klug, für ein andermal, sondern weise für immer."

Burckhardt war es auch, der in seinen "Weltgeschichtlichen Betrachtungen" im Kapitel über "Natur und Geschichte" zu dem Schluss kam, dass in der Menschheitsgeschichte Untergang stets durch innere Entwicklungen vorbereitet werde. Um solche innere Entwicklungen in der westlichen Kultur ging es aber in der Diskussion nicht, die selbstbewusst vom Standpunkt moderner Aufklärung geführt wurde. Ausgehend vom 15. Jahrhundert als einer Zeit des Kampfes um Reformen, aber auch der beginnenden Ausbreitung des Osmanischen Reiches mit der Eroberung von Byzanz 1453, kreiste die Debatte mehr um die Frage, warum die islamische Welt des Nahen Ostens vor allem im 19. und 20. Jahrhundert keine Innovationskraft mehr entwickelte und den Anschluss an die moderne Welt verloren habe. Das führte zu den Themen Aufklärung und Bildung, zu den Unterschieden in der Kultur und den Herrschaftsformen und zur historisch-kritischen Methode im Umgang mit Geschichte und Religion. Herausgearbeitet wurde die zentrale Rolle der Bildung, der vernunftgeleiteten Auseinandersetzung mit der Welt.

Die entgegengesetzte Bevölkerungsentwicklung, das wirtschaftliche Gefälle und kriegerische Auseinandersetzungen verstärken in unserer Zeit jedoch die Migration aus den Gebieten des ehemaligen Osmanischen Reiches nach West- und Mitteleuropa. Damit treffen unterschiedliche geschichtliche und gesellschaftliche Entwicklungen und wesentliche kulturelle Unterschiede aufeinander. Auf die damit verbundenen Probleme gingen Statements und Fragen aus dem Publikum ein. So viel wurde durch die Diskussion jedenfalls deutlich: Das Gewicht kultureller Prägungen, die durch lange geschichtliche Entwicklungen entstanden sind, sollte nicht unterschätzt werden. Das beharrend auf die Standards westlicher Kultur ist notwendig, bei aller interkulturellen Offenheit und Wertschätzung. Dass auch das Christentum hier einen Läuterungsprozess durch die Aufklärung und die Entwicklung der rechtsstaatlichen Demokratie durchlaufen habe, der beim Islam in weiten Bereichen noch ausstehe, wurde zu recht vermerkt.

Autor

Stephan Georg Raabe

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Potsdam, 19. Dezember 2017

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Audiomitschnitt (Dauer: ca. 2:04h)

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Stephan Georg Raabe

Landesbeauftragter für Brandenburg und Leiter des Politischen Bildungsforums Brandenburg

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