Ludwig Erhard & Co. am Amazonas

Policymakers diskutieren über Soziale und Ökologische Marktwirtschaft als Wirtschaftsmodell für die Amazonasregion

Auch verfügbar in Português

Wie kann nachhaltige Wirtschaftsentwicklung in der Amazonas-Region aussehen, und welche Beiträge kann das Modell der Sozialen und Ökologischen Marktwirtschaft setzen? Dieser Fragestellung widmeten sich Policymakers und Praktiker aus der Region eine Woche lang in einem Workshop in der Amazonas-Stadt Santarém.

Bild 1 von 9
Nélio Aguiar, Bürgermeister von Santarém berichtet von seiner Teilnahme am KAS Dialogprogramm in Deutschland zum Thema Umweltpolitik

Nélio Aguiar, Bürgermeister von Santarém berichtet von seiner Teilnahme am KAS Dialogprogramm in Deutschland zum Thema Umweltpolitik

Dass Brasilien sein Wirtschaftsmodell überdenken muss, zeigen die Wirtschaftskrise – die stärkste der Geschichte des Landes – und die anhaltende enorme wirtschaftliche und soziale Ungleichheit. Der Amazonas-Region kommt dabei eine Schlüsselrolle zu: Als „grüne Lunge der Erde“ wird sie nicht nur den weltweiten Kampf gegen den Klimawandel entscheiden, sondern auch Fragen der nachhaltigen Wirtschaftsentwicklung, Reduzierung der Chancenungleichheit und Energieversorgung Brasiliens. Vor diesem Hintergrund kamen Policymakers, Wirtschaftsvertreter, Zivilgesellschaft und Journalisten aus der Amazonas-Region zusammen, um eine Woche lang in Santarém zu diskutieren, inwiefern nachhaltige Entwicklung für diese einzigartige Region neu gedacht werden kann.

Die Grundlage der Diskussion stellt das Wirtschaftsmodell der Sozialen und Ökologischen Marktwirtschaft dar. Der Ökonom Dr. Marcus Marktanner stellte dieses von Altkanzler Ludwig Ehrhard und anderen entwickelte Modell vor, das Markteffizienz mit sozialem Ausgleich verbindet und somit eine wirtschaftlich und sozial nachhaltige und gerechte Entwicklung ermöglicht , bei der auch ökologische Aspekte berücksichtigt werden. Zunächst analysierten die Workshop-Teilnehmer die spezifischen Herausforderungen der Amazonas-Region: Mangelhafte Infrastruktur und immense Distanzen erschweren die Versorgung und wirtschaftliche wie politische Teilhabe der Bevölkerung und die Amazonas-Region wird häufig als Spielball im politischen Tauschgeschäft von Brasília gesehen, statt Gegenstand spezifischer Public Policies zu werden. Gleichzeitig verfügt die Region über enorme Biodiversität. Darauf aufbauend wurde über Lösungsvorschläge für die nachhaltige wirtschaftliche Entwicklung der Region diskutiert, basierend auf dem Modell der Sozialen und Ökologischen Marktwirtschaft. Als grundlegend wurde die Stärkung der Subsidiarität im Land ausgemacht, d.h. das Prinzip, Entscheidungs- und Umsetzungskompetenz auf der niedrigst möglichen Ebene zu stärken. Auch grundlegende Prinzipien der Sozialen Marktwirtschaft wie Eigentums- und Haftungsrechte sollten effektiver durchgesetzt werden und etwa Marktaufsichtsorgane für wirklichen Wettbewerb sorgen. Schließlich sollten bestehende politische und rechtsstaatliche Institutionen gestärkt werden.

Alle Teilnehmer waren sich einig, dass das Wirtschaftsmodell der Sozialen und Ökologischen Marktwirtschaft wertvolle Impulse für nachhaltige Entwicklung in der Amazonas-Region geben kann. Wie diese Entwicklung aussehen kann, werden die Workshop-Teilnehmer in einem Policy Paper analysieren.

Autor

Alexandra Steinmeyer

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Brasilien, 27. Juni 2017