Nicht entspannend, aber spannend – Eine FPJlerin berichtet.

Janine Dufner ist Absolventin eines Freiwilligen Sozialen Jahres Politik im Bildungswerk Bremen. Fast müsste man schon „war“ sagen, denn in zwei Monaten beginnt ihr Studium. Nun ist es Zeit, Resümee zu ziehen: „Es hat sich auf jeden Fall gelohnt. Ich habe sehr viel gelernt“, betont Dufner. Wir können Ihnen bereits verraten, dass sie damit nicht Kaffeekochen meint. Aber lesen Sie doch einfach selbst!

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Janine Dufner

Ein Blick hinter die Kulissen...

„Konrad-Adenauer-Stiftung, Dufner am Apparat.“ Erst als ich die Worte ausgesprochen habe, erkenne ich meinen Fehler. „Ähm…ja…hallo, ich bin‘s Janine…“, korrigiere ich mich. Nach einem Jahr als FPJlerin der Konrad-Adenauer-Stiftung ist mir meine Arbeit so sehr in Fleisch und Blut übergegangen, dass ich mich schon am Privattelefon dienstlich melde.

Eine Tatsache, die mir zu Anfang als sehr unwahrscheinlich erschien. Nie schien etwas zu klappen. Beim Bewerbungsgespräch fing es schon an! Mit dem internationalen Profil der Konrad-Adenauer-Stiftung (von Insidern auch liebevoll KAS genannt) hatte ich mich vorab eingehend befasst, genauso mit den unterschiedlichen Abteilungen Akademie, Politik und Beratung, Europäische und Internationale Zusammenarbeit, Wissenschaftliche Dienste und Archiv, Begabtenförderung und Kultur und natürlich meinem zukünftigen Arbeitsbereich der Politischen Bildung. Nur eines hatte ich vergessen: Das Bildungswerk Bremen. Als Ralf Altenhof, der Leiter des Bildungswerks Bremen, mir einen strengen Blick zuwarf, rutschte mir das Herz in die Hose. Plötzlich war ich mir sicher, dass ich jede Chance, an diesen Platz zu kommen, verspielt hatte. Doch das Bewerbungsgespräch war noch nicht vorbei. Nach einer langen Unterhaltung über Stuttgart 21, Links- und Rechtsextremismus, Vereinbarkeit von Beruf und Familie, der Energiewende und anderen politischen Themen stellte Herr Altenhof mich zu meiner Überraschung den übrigen Mitarbeitern vor. Ich bekam die Stelle.

Nachdem ich angenommen war, las ich alles über das Bildungswerk Bremen, was mir in die Finger kam. Dabei stieß ich das erste Mal auf meinen Vorgänger Jorma Timo Huckauf, der mir zu dem Zeitpunkt wie eine Art Superman vorkam. In einem Zeitungsartikel sagte Herr Altenhof über ihn: „Jorma macht nicht gute, und auch nicht sehr gute Arbeit. Er macht hervorragende Arbeit.“…Wie sollte ich jemals in so große Fußstapfen treten?

An meinem ersten Tag wurden meine Befürchtungen bestätigt. Jorma war äußerst kompetent – nein, hervorragend – , doch zumindest hatte er auch Humor und erklärte bei der zweiwöchigen Übergabe gut, sodass ich mich in dem ungewohnt formellen Umfeld (von nun an, war ich nicht mehr Janine, sondern Frau Dufner) nicht ganz so verloren fühlte. Das typische Ritual, was ich später an so vielen Praktikanten durchführen sollte, begann. „Lies die Praktikantenaufgabenliste und schreibe deine Fragen dazu auf“, sagte Jorma und legte mir 14 Seiten auf den Tisch. Für Außenstehende muss ich wohl erklären: Die Praktikantenaufgabenliste erfasst minutiös alle Aufgaben, die zum Alltag eines Praktikanten oder FPJler gehören. Sie ist so etwas wie das Grundgesetz der Praktikanten. Wird etwas aus der Liste nicht erledigt, verweist Herr Altenhof auf die Praktikantenaufgabenliste. Erwartet Herr Altenhof von den Praktikanten oder dem FPJler etwas, was nicht auf der Aufgabeliste steht, weisen sie ihn darauf hin. Klare Verhältnisse – das gefiel mir! „Ich muss nur alles tun, was auf dieser Liste steht, dann schaff ich das schon! Wenn ich doch nur wüsste, was eine Ultrium 3 Data Cartridge-Kassette ist oder der Webfriend und Alpha Office“, dachte ich mir.

Allerdings erfuhr ich bald zweierlei: Erstens die Bedeutung dieser Begriffe und zweitens, dass das Wissen um die eigenen Aufgaben nicht bedeutet, dass man diese fehlerfrei ausführen kann. Ich erfuhr, dass kein Tag wie der gestrige ist (vor allem nicht in einer Pressemitteilung!), dass man einen wichtigen Brief nicht einmal, nicht zweimal, sondern mehrmals prüft, dass man einen Doktortitel zwar nicht unter den Tisch fallen lässt, aber auch niemanden als Professor Doktor Doktor bezeichnen sollte – selbst wenn es den Tatsachen entspricht – und dass das Büro aufzuräumen zwar ein lobenswerter Entschluss ist, aber man dann auch wissen sollte, wohin mit dem kaputten Stuhl, den alten Unterlagen und den Kisten voller Flyer…Ich will ehrlich sein. Manchmal glaubte ich diesem Job – das ist das FPJ bei der Konrad-Adenauer-Stiftung nämlich: ein richtiger Job – niemals gewachsen zu sein. Ich bewunderte die stoische Gelassenheit meines Chefs, der mich zwar gewissenhaft auf meine Fehler hinwies, aber niemals auch nur die Stimme erhob und verzweifelte an mir selbst.

Aber aufgeben? Nein, das kam für mich nicht in Frage! Ich biss mich lieber durch. Und viel früher als ich dachte – zur Erinnerung, ich glaubte niemals mit dem FPJ fertig zu werden – verzeichnete ich erste Erfolge. Es passierte schleichend. Ein Schreiben, bei dem mal nicht so viel korrigiert werden musste. Das „Es liegt bereits in Ihrem Fach!“, wenn der Chef nach einem Dokument fragt. Ein Kommentar, dass als „gute Idee“ befunden und direkt in die Planung mit einbezogen wird. Ich gewann immer mehr Sicherheit und erkannte die großartigen Möglichkeiten, die mein FPJ mir bot. Es ist nicht die Sorte FSJ, bei der man ein entspanntes Leben und wenig Arbeit hat. Es ist selbstverständlich, dass man vor einem wichtigen Projekt oder einer großen Veranstaltung Überstunden machen muss. Aber gleichzeitig erlangt man die Möglichkeit etwas zu bewegen. Ich sagte bereits, dass ich Genauigkeit, Kritikfähigkeit und Durchhaltevermögen lernte. Jetzt sage ich mal, was ich nicht lernte: Kaffee kochen, Putzen und Akten sortieren. Erst nach einem halben Jahr benutzte ich das erste Mal die Kaffeemaschine und das nur, weil ich mir selbst einen Kaffee machen wollte. Selbstverständlich korrigiert Herr Altenhof regelmäßig, aber: Ich beteilige mich nicht an Projekten, ich bin für sie zuständig. Ich bin verantwortlich. Ich kann meine Ideen zu Papier bringen und weiß, dass eine große Möglichkeit besteht, dass sie durchgeführt werden. Wenn Herr Altenhof eine Entscheidung trifft, trägt er kritisches Hinterfragen nicht nur mit Fassung, es ist ausdrücklich erwünscht. Ich bin keine Marionette, ich soll nicht hirnlos tun, was man mir aufträgt. Ich soll mitdenken, kreativ werden, meinen eigenen Stil haben!

Oft werde ich von ehemaligen Klassenkameraden, Verwandten oder neuen Bekannten gefragt, was ich genau mache. Aus Erfahrung weiß ich, dass Politische Bildung ihnen nicht allzu viel sagt. Also erkläre ich ihnen folgendes. Ich führe Veranstaltungen von A bis Z durch (natürlich unter dem wachsamen Auge von Herrn Altenhof – das versteht sich ja von selbst!). Es fängt an mit der Konzeption und hört mit dem Veranstaltungsbericht auf. Beispiele für typische Projekte sind: Der Kreativwettbewerb „Freiheit heute“ und der Schülerzeitungswettbewerb „KASus“, Zeitzeugengespräche mit Opfern der DDR-Diktatur und eine Abendveranstaltung mit dem Focus-Russlandkorrespondenten Boris Reitschuster über die aktuelle Lage Russlands, eine Lesung und Podiumsdiskussion zum interdisziplinären Verhältnis zwischen Wirtschaft und Kunst und ein Jugendpolitiktag gegen Extremismus unter Beteiligung von Werder Bremen, eine 24-Stunden-Lesung auf dem Marktplatz mit dem Titel „Tag und Nacht Integration“ und ein Poetry-Slam. „Momentan organisieren wir unter anderem eine Stadtrallye für Jugendliche und ein Jugendprojekt zum Thema „Jüdisches Leben in Bremen“, füge ich schließlich hinzu.

Auch meine Aufgaben umfassen eine große Bandbreite. Da das Bildungswerk Bremen sehr klein ist und weitgehend unabhängig agiert, bekommen FPJler und Praktikanten Einblicke in alle Bereiche. Wir sind Projektmanager, wissenschaftliche Mitarbeiter und Public Relations Manager in einem. Wir konzipieren, reservieren, koordinieren, kommunizieren, telefonieren, schreiben Einladungen, Pressemitteilungen, Sponsoringschreiben, Veranstaltungs- und Sachberichte. Wir bereiten die Veranstaltungen inhaltlich vor, recherchieren und entwickeln Moderationsfragen. Und nicht zuletzt sorgen wir am Tag der Veranstaltung dafür, dass alles reibungslos abläuft.

Das Gespräch mit meiner Freundin ist zu Ende. Ich lege den Hörer auf, mache mir einen Kaffee (denn das kann ich jetzt ja auch) und überlege, was ich von meinem Freiwilligen Sozialen Jahr Politik in mein Studium und den Rest meines Lebens mitnehme. Ich bin auf jeden Fall pragmatischer geworden, organisierter. War ich zuvor zugegebenermaßen ein Träumer, der oft zu spät kommt und sich bei einer Bewerbung zwar auf das große Ganze konzentriert, aber wichtige Details außer Acht lässt, stemme ich nun erfolgreich mehrere Projekte gleichzeitig. Ich weiß jetzt, dass der Teufel im Detail steckt und man alle Eventualitäten im Blick behalten muss. Gleichzeitig habe ich erkannt, dass ein Erfolg harte Arbeit und Durchhaltevermögen erfordert. Wenn man ein Ziel hat, darf man sich von Schwierigkeiten nicht beirren lassen. Wenn Probleme eine Mauer sind, ist es deutlich klüger um die Mauer herumzulaufen als sich hinzusetzten und zu schmollen, dass der Weg nicht frei ist. „Ich kann das nicht.“ zu sagen, bringt niemanden weiter. Wer immer tut, was er schon kann, wird immer bleiben, was er schon ist! Und nicht zuletzt weiß ich nun, wie es ist, Verantwortung zu übernehmen. Hatte ich am Anfang eher eine gewisse Aversion, oder vielmehr Angst vor der Verantwortung, lernte ich sie im Laufe des Jahres mehr und mehr zu schätzen. Es ist einfach ein unglaubliches Gefühl, wenn deine Ideen nicht Ideen bleiben, sondern Wirklichkeit werden und noch besser fühlt es sich an, wenn du es warst, der sie Wirklichkeit werden ließ.

Mein Rat an alle, die mit dem Gedanken spielen sich für ein FPJ beim Bildungswerk Bremen der Konrad-Adenauer-Stiftung zu bewerben ist folgender: Informiert euch über das Bildungswerk Bremen! Nein, Scherz! Obwohl das natürlich auch wichtig ist…Mein Rat ist folgender: Erwartet nicht, dass dieses Jahr einfach und entspannt wird. Ihr werdet manches Mal fluchen und schimpfen! Erwartet auch nicht, dass ihr alles sofort könnt und wisst. Das entspricht einfach nicht der Realität! Rechnet aber dafür umso mehr damit, dass ihr ein spannendes Jahr haben werdet, in dem ihr interessante Menschen treffen werdet, die große Verantwortung tragen, Experten in ihrem Gebiet sind oder Unglaubliches erlebt haben. Rechnet damit, dass man euch ernst nimmt und damit, dass ihr euch selbst überraschen werdet! Und es ist nicht unmöglich – IHR SCHAFFT DAS! Ich wünsche meinem Nachfolger Tim Helms und allen weiteren Nachfolgern (ich hoffe, dass das FPJ Politik im Bildungswerk Bremen der KAS noch lange bestehen bleibt) ein wundervolles (und lehrreiches) Jahr!

Autor

Janine Dufner

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Bremen, 5. Juli 2012

Kontakt

Dr. Ralf Altenhof

Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen

Dr. Ralf Altenhof
Tel. +49 421 163009-0
Fax +49 421 163009-9