Die KAS Bremen eröffnet die Ausstellung "DDR-Stasi - Spitzel von nebenan"

Zahlreiche Vertreter aus Presse, Funk und Fernsehen fanden sich in der Sparda-Bank Bremen ein, um der Ausstellungseröffnung „DDR-Stasi – Spitzel von nebenan“ beizuwohnen.

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Von links nach rechts: Andreas Bösche, Ralf Altenhof, Heinrich Peyers und Thomas Onken begrüßen die Besucher

Von links nach rechts: Andreas Bösche, Ralf Altenhof, Heinrich Peyers und Thomas Onken begrüßen die Besucher und eröffnen damit die Ausstellung.

Dr. Ralf Altenhof, Leiter des PBF Bremen der Konrad-Adenauer-Stiftung, Dr. Heinrich Peyers, Spionageexperten und Hauptleihgeber, sowie Andreas Bösche von der KAS Bremen führten die Gäste durch die Ausstellung in der Sparda-Bank. Doch zuvor bedankte sich Ralf Altenhof bei Thomas Onken, Marktbereichsleiter Nord und Geschäftsführer der Sparda-Bank Bremen, für die großzügige finanzielle Unterstützung durch die Sparda-Bank Hannover- Stiftung.


Bereits im Eingangsbereich fanden sich die Ausstellungsbesucher mit den Methoden der Staatssicherheit direkt konfrontiert: Eine unauffällig postierte Gießkanne, ausgestattet mit einer Kamera, zeichnete jede Bewegung der Ankommenden auf, die ihrer erstaunt auf einem Monitor ansichtig wurden. Die Stasi setzte das perfide Überwachungsinstrument bei Beerdigungen ein, etwa beim Begräbnis des Regimekritikers Robert Havemann. Alles in allem umfasst die Ausstellung 100 Exponate, die die Mitarbeiter der KAS Bremen selbst zusammengetragen haben, sowie neun Schautafeln, für die ebenfalls die KAS Bremen verantwortlich zeichnet. Die Exponate stammen vom Bundesbeauftragten für die Unterlagen des Staatssicherheitsdienstes der DDR, von der Gedenkstätte Höhenschönhausen in Berlin, dem Museum in der „Runden Ecke“ in Leipzig sowie von Heinrich Peyers.

Ralf Altenhof erläuterte eingangs das Konzept der Ausstellung und den Zweck, den die KAS Bremen mit der Schau erreichen möchte. Es ginge darum, 25 Jahre nach der friedlichen Revolution und dem Mauerfall einen Beitrag gegen das Vergessen des DDR-Unrechts zu leisten. Gerade unter der jüngeren Generation sei die Unkenntnis über die SED-Diktatur und die Staatssicherheit als ihrem Erfüllungsgehilfen groß. Das Privileg, als freier Bürger in einer Demokratie leben zu dürfen, könne durch den historischen „Abgleich“ mit der Geschichte des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) und seiner Rolle als Herrschaftsgarant der SED erfahrbar werden. Zudem rankten sich in der Öffentlichkeit zahlreiche Mythen um den Themenkomplex Staatssicherheit, die in der Ausstellung einem kritischen Korrektiv unterworfen würden. So sei die DDR kein „Stasi-Staat“ gewesen wie eine häufig zu lesende Bezeichnung suggeriert. Nicht die Stasi „machte“ den Staat, sondern die SED. Die Rolle der Staatssicherheit als ihr Erfüllungsgehilfe verdeutliche die Eigenbezeichnung „Schild und Schwert der Partei“ sehr deutlich. Das Ausmaß der Überwachung in der DDR verdeutlichte Altenhof anhand einiger Zahlen: Die Stasi archivierte insgesamt 39 Millionen Karteikarten. Alle Akten nebeneinander gelegt ergeben eine Strecke von 111 km, wobei allein ein Aktenmeter 10 000 Blatt umfasst. Auch die Relation von Hauptamtlichen Mitarbeitern(HM) und Inoffiziellen Mitarbeitern(IM) zur Gesamtbevölkerung der DDR war im internationalen Vergleich einzigartig. Während in der UdSSR auf 600 Einwohner ein Hauptamtlicher Mitarbeiter des Geheimdienstes kam und in Polen sogar nur auf jeden 1500., belief sich das Verhältnis in der DDR auf 1:180. Darüber hinaus waren Ende der 1980er Jahre 189 000 Personen in der DDR als IM tätig. Bei einer Einwohnerzahl von 17 000 000 bedeutet das, dass auf 90 Einwohner ein IM kam.

In der Ausstellung konnten sich die Besucher auf vielfältige Weise ein Bild von den Strukturen, Vorgehensweisen und dem Selbstverständnis der Staatssicherheit machen. Auf Schautafeln werden zu ausgewählten Themenschwerpunkten historische Hintergründe verständlich dargestellt und in Relation zu den Exponaten gesetzt. Die Darstellung berücksichtigt sowohl die Perspektive der Handelnden (Hauptamtliche und Inoffizielle Mitarbeiter der Stasi) als auch die der Betroffenen. Deshalb veranschaulicht etwa der Bereich „Untersuchungshaft“ den Haftalltag eines Gefangenen, der geprägt war von Isolation, Verhören und erniedrigenden Prozeduren wie dem Abnehmen einer „Geruchsprobe“. Gleichzeitig legt eine Vielzahl an Exponaten Zeugnis vom „Kerngeschäft“ der Staatssicherheit, der Überwachung ab. Gerade zu letztem Aspekt erläuterte Heinrich Peyers einige seiner Exponate persönlich. Die erschreckend umfassenden Überwachungsmöglichkeiten illustrieren u.a. eine Apparatur zum heimlichen Öffnen und Wiederverschließen von Briefen, ein hochkomplexes Nachtsichtgerät auf Infrarotbasis und ein mit einer Kamera versehener BH – getragen von weiblichen IM bei der Leipziger Messe. Bei den Besuchern traf auch die Mitmachstation, an der Geräte für den operativen Einsatz ausprobiert werden konnten, auf großes Interesse. Vom Wandel in den Methoden der Stasi konnten sich die Gäste in dem Bereich „Zersetzung und operative Vorgänge (OV)“ ein Bild machen. Ein für den internen Gebrauch vom MfS produzierter Lehrfilm zeigte den „perfekten“ Ablauf eines solchen Vorgangs. An einer Lesestation luden darüber hinaus Ausschnitte zentraler Dokumente wie die berüchtigte „Richtlinie 1/76“ (Ablauf der OV einschließlich der Erläuterungen zu Maßnahmen der „Zersetzung“) zu eigenen Archivstudien ein. Wie weit die Stasi in ihren Methoden ging, erläuterte Ralf Altenhof anhand des Fallbeispiels Vera Wollenbergers, deren Ehemann Knud sie als IM „Donald“ für die Stasi bespitzelte.

Der Abschnitt „Genossen erster Kategorie – Selbstverständnis der Stasi-Mitarbeiter“ führte in das Innenleben, den „Korpsgeist“ des MfS ein. Als Verteidiger der sozialistischen Gesellschaftsordnung und bewaffneter Arm der SED sahen sich die Angehörigen des Staatssicherheitsdienstes in der Tradition des ersten sowjetischen Geheimdienstes, der „Tscheka“. In kaum einer MfS-Dienststelle fehlte eine Devotionalie, die das Konterfei des ersten Leiter dieses Dienstes, Feliks Dzierżyński, zierte. Anhand von Orden, Ehrentellern und anderen Auszeichnungen wurde dieses Weltbild, das letztlich auf der Auslegung des Marxismus-Leninismus fußte, plastisch.

Die Ausstellung, die noch bis zum 24. Juli 2014 in der Sparda-Bank Bremen, Herdentorsteinweg 1A zu sehen ist richtet sich an alle interessierten Bürger. Darüber hinaus werden spezielle Zeitzeugenführungen für Schulklassen angeboten, in denen Betroffene durch die Ausstellung führen und von ihren Erlebnissen mit der Stasi berichten – ein wichtiger Schritt gegen das Vergessen!

Über die Ausstellungseröffnung berichteten folgende Medien: SAT 1 Regionalfernsehen, buten un binnen, der Weser Kurier Online mit einer 23-teiligen Bilderstrecke, die Bildzeitung, der Weser Kurier (Printausgabe), der Weser-Report, die Syker Kreiszeitung, die tageszeitung, Bild.de, die Kreiszeitung, die Oldenburgische Volkszeitung und die Wildeshauser Zeitung.

Wir danken der Sparda-Bank Hannover-Stiftung für die großzügige finanzielle Unterstützung!

Abbildung

Autor

Andreas Samuel Bösche

Serie

Veranstaltungsbeiträge

erschienen

Bremen, 17. Juli 2014

Zeitenwenden - 25 Jahre friedliche Revolution

Kontakt

Dr. Ralf Altenhof

Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen

Dr. Ralf Altenhof
Tel. +49 421 163009-0
Fax +49 421 163009-9