„Afrika als Kontinent der Zukunft betrachten“

Warum dem afrikanischen Kontinent unsere vollste Aufmerksamkeit gebührt

In Kooperation mit der Gesellschaft für Sicherheitspolitik lud die Konrad-Adenauer-Stiftung am 25.11.2017 zum 3. Bremer Symposium zur Sicherheit in das Haus Schütting der Handelskammer Bremen ein, auf welchem aus den Blickwinkeln der Sicherheits-, Wirtschafts- und Entwicklungspolitik Analysen zum afrikanischen Kontinent vorgestellt und mit den 120 Teilnehmern diskutiert wurden.

Bild 1 von 7
Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate referierte über Chancen und Herausforderungen der afrikanisch-europäischen Beziehungen

Dr. Prinz Asfa-Wossen Asserate referierte über Chancen und Herausforderungen der afrikanisch-europäischen Beziehungen

Von Boris Lettau

2017 ist das Afrikajahr in Deutschland und der Europäischen Union. Grund genug für rund 120 Teilnehmer der Einladung der Konrad-Adenauer-Stiftung zum 3. Bremer Symposium zur Sicherheit zu folgen, welches sich in diesem Jahr dem Thema „Afrika – Migration oder Aufbruch?“ widmete. Als Referenten trugen Vertreter des Afrika-Vereins der Deutschen Wirtschaft, der Stiftung Wissenschaft und Politik sowie der Manatee Global Advisors GmbH ihre Analysen vor. Darüber hinaus stellten Gudrun Kopp, Parlamentarische Staatssekretärin a. D. des BMZ und Vorstand von ENoP sowie HELP, und Dr. phil. Prinz Asfa-Wossen Asserate, Bestsellerautor und Unternehmensberater für Afrika und den Mittleren Osten, ihre Perspektiven zu den afrikanisch-deutsch/europäischen Beziehungen vor.

Im Mittelpunkt des Symposiums stand die Botschaft, dass Afrika auch weiterhin aufgrund der europäischen und zunehmend chinesischen neokolonistischen Einflussnahme vor großen Herausforderungen steht, jedoch für Europa aufgrund der erheblichen Ressourcen sowie der jungen und schnell anwachsenden Bevölkerung große wirtschaftliche Chancen darstellt – „sofern diese Wirtschaftsbeziehungen auf Augenhöhe betrieben werden“, so Felix Kufferath-Sieberin vom Afrika-Verein der deutschen Wirtschaft.

Die Referenten waren sich darin einig, dass faire Wirtschaftsbeziehungen zwischen Afrika und Europa die beste Entwicklungsstrategie für den afrikanischen Kontinent darstellt. Im Vergleich mit anderen europäischen Wirtschaftsinvestitionen attestierten die vorgetragenen Analysen der deutschen Wirtschaft ein erhebliches Investitionsdefizit. Dabei sei auf dem afrikanischen Kontinent gerade die deutsche duale Ausbildung ein gefragtes Instrument, um die Jugend für die afrikanischen Wirtschaftsmärkte auszubilden. Kopp stellte hierzu ergänzend fest: „Der Kontinent verfügt über eine ansteigende, junge, stolze, selbstbewusste, motivierte und kulturreiche Bevölkerung, die ihre afrikanischen Erzeugnisse auf den globalen wirtschaftsmärkten repräsentieren möchte“. Als Beispiel der sich auch technologisch entwickelnden Infrastruktur auf dem afrikanischen Kontinent gelte das Mobiltelefonnetz, welches mit dem deutschen Mobiltelefonnetz mindestens mithalten könne. Hier seien neben dem Abbau von afrikanisch-europäischen Handelsbarrieren ausländische Investitionen und Ausbildungsmaßnahmen dringend nötig, um die afrikanischen Wirtschaftsmärkte zur fairen Teilnahme am globalen Handel zu qualifizieren.

Um Investitionen deutscher Unternehmen auf dem afrikanischen Kontinent zu fördern, müsse auch mit den vielen Klischees zum afrikanischen Kontinent aufgeräumt werden. Diktatorische Staatsführungen, Korruption, mangelnde staatliche Sicherheitsstrukturen und bewaffnete Konflikte als Auslöser humanitärer Katastrophen fänden sich leider auch heute in einzelnen afrikanischen Regionen wieder. Allerdings wäre es ein großer Fehler, diese negativen Entwicklungen auf den gesamten Kontinent zu übertragen.

Zudem forderten die Referenten eine vertiefte, untereinander abgestimmte Kooperation der Entwicklungsmaßnahmen der Europäischen Union. Deutschland habe mit dem „Marshallplan“ der Bundesregierung sowie den weiteren Initiativen einzelner Bundesministerien eine gute und nachhaltige Richtung eingeschlagen. Allerdings blieben die Ergebnisse einzelner nationalstaatlicher Maßnahmen gegenüber einer zusammengefassten europäischen Strategie wirkungsschwach.

Wolf Kinzel von der Stiftung Wissenschaft und Politik attestierte als weiteres Indiz einer selbstbewussten afrikanischen Identität die zunehmende Übernahme von Verantwortung bei internationalen militärischen Friedensmissionen der Afrikanischen Union, welche in den letzten Jahren in afrikanischen Ländern erfolgreich umgesetzt wurden. In diesen haben sich die in der Afrikanischen Union organisierten afrikanischen Staaten als qualifizierte und vertrauenswürdige Partner einer global vernetzten Sicherheitsstruktur ausgezeichnet.

In der abschließenden Plenumsdiskussion einigten sich alle Referenten darauf, dass aufgrund der politischen Krise innerhalb der Europäischen Union sowie der politisch sowie wirtschaftlich geschwächten USA China versucht, seine globale Dominanz auch auf dem afrikanischen Kontinent auszuweiten. Dieses wäre für Europa sowohl aus sicherheitspolitischer als auch aus wirtschaftlicher Sicht verheerend, weshalb die Europäische Union diesem unbedingt zuvorkommen und die afrikanischen Staaten mit ihren Wirtschaftsmärkten stärker und auf Augenhöhe an Europa binden müsse.

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Bremen, 1. Dezember 2017

Gütesiegel

Kontakt

Dr. Ralf Altenhof

Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen

Dr. Ralf Altenhof
Tel. +49 421 163009-0
Fax +49 421 163009-9