Geschichte eines „Horrorlagers“

Exkursion in die Gedenkstätte Bergen-Belsen

Gemeinsam mit zwei Schulklassen sowie Lehrkräften des Gymnasiums an der Hamburger Straße und des Schulzentrums Walle besuchte die Konrad-Adenauer-Stiftung Bremen am 29. November 2017 die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Bergen-Belsen. Im Rahmen einer Führung besichtigten die Schülerinnen und Schüler das ehemalige Lagergelände sowie das Dokumentationszentrum, in dem die dunkle Vergangenheit der Gedenkstätte mit Filmen Bildern und Texten aufgearbeitet wird.

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Mit zwei Schulklassen des Gymnasiums an der Hamburger Straße und des Schulzentrums Walle besuchte die Konrad-Adenauer-Stiftung die Gedenkstätte Bergen-Belsen

Mit zwei Schulklassen des Gymnasiums an der Hamburger Straße und des Schulzentrums Walle besuchte die Konrad-Adenauer-Stiftung die Gedenkstätte Bergen-Belsen

Als der Bus die Autobahn erreichte und es etwas ruhiger wurde, begrüßte Marcus Oberstedt, Tagungsleiter der Konrad-Adenauer-Stiftung und ehemaliger Stipendiat, die Schülerinnen und Schüler, Lehrkräfte und die Presse offiziell. Er erläuterte hierbei auch den Ablauf der Veranstaltung.

Nachdem die Gruppe an der Gedenkstätte ankam, stellten sich die beiden Betreuer der Gedenkstätte Bergen-Belsen, Dr. Jana Grabowsky und Jakob Rühe, vor. Während die Schülerinnen und Schüler des Gymnasiums an der Hamburger Straße zusammen mit Jana Grabowsky gleich zu Anfang einen Teil des ehemaligen Lagergeländes untersuchten, erörterte Jakob Rühe der Schülerschaft des SZ Walle zuerst einmal den Aufbau und die Historie des Lagers anhand eines Modells im Dokumentationszentrum.

Hierbei ging er auf die erstmalige Nutzung des Geländes als Kriegsgefangenenlager ab 1940 und insbesondere nach Beginn des Russland-Feldzuges 1941 ein und erläuterte dann den Übergang zum Konzentrationslager, welcher 1943 begann. Das Lager wurde jedoch noch für einige Zeit auch als Kriegsgefangenenlager genutzt, wodurch es in Bergen-Belsen neben den Häftlingen und den „Lagerinsassen“, welchen es im Vergleich mit den KZ-Häftlingen nicht ganz so schlecht ging, auch noch die Kriegsgefangenen gab. Allgemein wurden die Menschen, die in Bergen-Belsen gefangen gehalten wurden, in viele verschiedene Kategorien eingeteilt, je nach Grund der Inhaftierung und „Nutzen“, den sie noch für das Dritte Reich hatten. Rühe stellte hierbei aber klar, dass es allen Menschen im KZ so schlecht ging, wie man es sich heute kaum vorstellen könnte.

Als die Briten mit der Leitung des Lagers in der Nacht vom 12. auf den 13. April 1945 einen Waffenstillstand aushandeln konnten, bot sich Ihnen auf dem Gelände des nun ehemaligen KZs ein grauenvoller Anblick, über 10.000 Leichen lagen unbegraben im Lager herum, zudem überlebten sehr viele der zu diesem Zeitpunkt 60.000 Häftlinge die kommenden Tage und Wochen aufgrund ihrer Krankheiten und Entkräftungen nicht. So erhielt das Gelände, das nun von den Briten für die Unterbringung und Versorgung der ehemaligen Häftlinge genutzt wurde, neben seinem neuen offiziellen Namen „Camp 1“ auch noch den Beinamen „Horrorlager“.

Einige der von den Briten nach der Befreiung aufgenommenen Filme konnten sich die Schülerinnen und Schüler im Filmturm der Gedenkstätte ansehen, den Jakob Rühe mit seiner Gruppe nach dem Überblick über die Geschichte des Lagers besuchte.

Nach einer kurzen Pause besuchte Jana Grabowsky mit Ihrer Gruppe das Dokumentationszentrum. Die Schülerinnen und Schüler bekamen hier einen kleinen Fragebogen, welchen sie mit Informationen aus den verschiedenen Medien füllen konnten, um ihn anschließend gemeinsam auszuwerten.

Währenddessen führte Jakob Rühe seine Gruppe über das Lagergelände und zeigte ihr dabei nicht nur die Denkmäler und Massengräber, in denen zum Teil über 5.000 Leichen verscharrt wurden, sondern klärte sie auf, über das letzte Kapitel von Bergen-Belsen als Displaced-Persons-Camp, das Lager in dem viele ehemalige Insassen noch für einige Jahre lebten, weil sie nicht wussten wohin sie jetzt noch gehen sollten.

Bevor die Rückfahrt anstand, nutzten viele Schülerinnen und Schüler sowie einige Lehrkräfte noch einmal die Gelegenheit, um sich in ihrer freien Zeit selbst noch einmal das Dokumentationszentrum anzusehen und sich tiefergehend mit dem Thema zu befassen.

Marcus Oberstedt und die Lehrkräfte bedankten sich bei Jana Grabowsky und Jakob Rühe für die sehr aufschlussreichen Führungen, dann trat die Gruppe gemeinsam den Rückweg an und Oberstedt richtete noch ein paar Worte an die Gruppe, in denen er sich für das große Interesse an der Veranstaltung bedankte, welches durch die vielen Fragen, die während der Führungen gestellt wurden, bestätigt wurde.

Autor

Jan Middelberg

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Bremen, 7. Dezember 2017

Gütesiegel

Kontakt

Dr. Ralf Altenhof

Landesbeauftragter für Bremen und Leiter des Politischen Bildungsforums Bremen

Dr. Ralf Altenhof
Tel. +49 421 163009-0
Fax +49 421 163009-9