Streit um sowjetisches Ehrenmal

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Die Geister in Bulgarien haben sich in letzter Zeit an einem sowjetischen Ehrenmal in Sofia entzündet. Es wurde in der Nacht zum 21. Juni von Unbekannten mit Grafiti besprüht. Das mehrere Meter große Relief zeigt lebensgroße sowjetische Soldaten, die durch die Sprayaktion in amerikanische Comic-Helden und solche der Pop-Art-Kultur verwandelt wurden. In der Nacht darauf wurde es von Aktivisten eines dubiosen bulgarisch-russischen Forums gereinigt.

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Im Stadtpark von Sofia steht ein monumentales Ehrenmal zum Gedenken an die „Befreiung Bulgariens vom Faschismus durch die Rote Armee“. In Stil, Größe und Ausdruck entspricht es den auch aus anderen Mittel- und Osteuropäischen Staaten bekannten Denkmälern der Sowjetarmee. Eine Figurengruppe am Sockel des Denkmals wurde nun in der Nacht zum 20. Juni 2011 von Unbekannten mit Grafiti besprüht. Das mehrere Meter große Relief zeigt lebensgroße sowjetische Soldaten, die durch die Sprayaktion in amerikanische Comic-Helden und solche der Pop-Art-Kultur verwandelt wurden. Zu sehen sind nicht nur Superman, sondern auch Robin und der Joker aus den bekannten Batman-Filmen. Auch der Nikolaus und der McDonalds-Clown, obwohl keine Superhelden, fehlten nicht.

Vor Ort versammelten sich tags darauf eine Menge Schaulustiger, die sich über die Aktion amüsiert zeigten. Nicht amüsiert hingegen waren die, die meinten, damit würde das Ansehen der Roten Armee und die Leiden ihrer Soldaten verspottet. So wurde diese Sprayaktion schnell zu einem Politikum, das selbst in Moskau entsprechende Reaktionen auslöste. Die Empfindlichkeiten und politischen Drohungen der Russen sind seit der Umsetzung eines Denkmals für die Rote Armee in Estland ja bestens bekannt. Besonders aktiv waren die Vertreter des Forums „Bulgarien-Russland“, die eine sofortige Reinigung des Denkmals verlangten. Die Aktion erregte in den internationalen Medien Aufsehen. Auch CNN widmete der Geschichte und ihrer Wirkung einen eigenen Beitrag (http://aig-humanus.blogspot.com/).

Die alte Diskussion um eine Umsetzung oder Demontage des Denkmals ist jedenfalls durch die Aktion erneut in Gang gekommen. Viele Jüngere meinen, dass das Monument den Kommunismus verherrliche und nicht der historischen Wahrheit entspreche, da die Rote Armee Bulgarien nicht befreit, sondern kampflos besetzt habe.

Mittlerweile haben die Soldaten wieder ihre ursprüngliche Gestalt angenommen. Aktivisten des besagten bulgarisch-russischen Forums waren ihnen keine 24 Stunden nach der Tat ebenfalls in einer Nacht-Nebel-Aktion zuleibe gerückt und hatten die Farbe entfernt. Die Staatanwaltschaft ermittelt gegen die unbekannten Künstler. Ob sie sich über diese Wirkung ihres „Spaßes“ wohl zuvor im klaren gewesen sind?

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Bulgarien, 21. Juni 2011