Public Viewing "TV-Duell Merkel - Steinbrück"

Bei dem Wort „Duell“ denken die meisten Menschen zuerst an Westernfilme. Doch auch im Bundestagswahlkampf wird scharf geschossen, wenn auch nur mit Worten. Seit 2002 gehört das TV-Duell, bei dem die Spitzenkandidaten von CDU/CSU und SPD gegeneinander antreten, zum Höhepunkt des Wahljahres. Auch die diesjährige Auflage lockte wieder 17,6 Millionen Bürger vor den Fernseher. Ganz dicht dran war auch die Abteilung „Politische Kommunikation“ im Bildungszentrum Schloss Eichholz, die zum „Public Viewing“ eingeladen hatte.

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TV-Duell

Public-Viewing des TV-Duells...

Über 100 Gäste aller Altersschichten verfolgten auf Schloss Eichholz gemeinsam die neunzigminütige Debatte zwischen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Herausforderer Peer Steinbrück. Fachkundige Unterstützung bekamen sie dabei von Kommunikationstrainer Dr. Werner Dieball sowie der PR-Beraterin und Journalistin Katharina Müller-Stromberg. In ihrem Eingangsstatement zeichnete Müller-Stromberg die Geschichte des TV-Duells nach und analysierte die Chancen der beiden Kontrahenten. Demnach sei das Duell für den SPD-Kandidaten Peer Steinbrück die letzte Möglichkeit, sein Gesicht zu retten und seiner von vielen Pannen geprägten Kampagne eine Kehrtwende zu verleihen. Entsprechend angriffslustig erwarte sie den Kandidaten, habe dieser doch „nichts zu verlieren“. Dr. Dieball, Fachmann für TV-Duelle und Autor des Buches „Körpersprache und Kommunikation im Bundestagswahlkampf. Gerhard Schröder versus Edmund Stoiber“, ging in seinem Beitrag vor allem auf die nonverbalen Aspekte des Duells ein. So erfuhr das Publikum, dass die berühmte „Merkel-Geste“ der Nervositätsbekämpfung dient und welche Rolle Augenkontakt und Körpersprache für ein glaubwürdiges Auftreten spielen.

Das eigentliche Duell verfolgten die Zuschauer gebannt auf der Großleinwand. Wie von den Experten vorausgesagt, ging Herausforderer Steinbrück forsch zu Werke, während die Bundeskanzlerin sich um ein staatsmännisches Verhalten bemühte und die Attacken ihres Gegners kühl konterte. Pointierte Aussagen der beiden Kandidaten wurden vom Publikum lautstark kommentiert. Auf einer so genannten „Twitter-Wall“ konnten die Zuschauer außerdem parallel zur TV-Übertragung die Reaktionen der Internetnutzer zu den Darbietungen der Kontrahenten mitverfolgen.

Im Anschluss an die Übertragung blieb noch die Frage nach dem Sieger des Duells zu klären. Hier optierten die meisten für Angela Merkel, auch wenn einige Zuschauer anmerkten, die Bundeskanzlerin habe „zu zurückhaltend“ argumentiert. Auch die beiden Experten stimmten in ihrer Bewertung nicht überein. So erklärte Dr. Dieball Angela Merkel zur Gewinnerin, während Müller-Stromberg eher Peer Steinbrück vorne sah. Die vier Moderatoren des Duells bekamen ebenfalls ihr Fett weg. Viel Lob gab es dabei für die originellen Fragen des Entertainers Stefan Raab, wohingegen sich vor allem RTL-Journalist Peter Kloeppel Kritik für seine blasse Darbietung gefallen lassen musste.

Autor

Matthias Bunk

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Wesseling/Eichholz, 2. September 2013

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