Kraft der Mitte

Fachgespräch mit Carolina Goic, Präsidentschaftskandidatin der PDC in Chile

Carolina Goic, Präsidentschaftskandidatin der Christdemokratischen Partei (PDC) in Chile, läutet mit ihrer Kandidatur für die Wahlen im November 2017 einen Wechsel im Parteiengefüge ein. Mit ihrer Kandidatur verlässt die PDC das seit Jahrzehnten bestehende Mitte-Links-Parteienbündnis, das sich in der Pinochet-Zeit zusammengeschlossen hatte, und geht mit eigenen Politikvorschlägen auf die Wähler zu.

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Goic und Merkel Juni 2017

Am Rande der CDU-Bundesvorstandssitzung in Berlin hatte Goic Gelegenheit zu einem Gedankenaustausch mit der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel und Finanzminister Wolfgang Schäuble.

Es komme Bewegung in die politische Landschaft, so Markus Rosenberger, Leiter des Teams Lateinamerika der Konrad-Adenauer-Stiftung bei seiner Begrüßung zum Fachgespräch mit Senatorin Carolina Goic und dem Bundestagsabgeordneten Dr. Franz Josef Jung.

Senatorin Carolina Goic erläuterte dem Fachpublikum ihre Vorstellungen für die künftige Politik in Chile. Jenseits der linken und rechten Kräfte seien nun noch stärker Konzepte aus der politischen Mitte gefragt, um die aktuellen Herausforderungen anzugehen. Die PDC setze auf Wirtschaftswachstum mit sozialem Ausgleich, wolle über die Rohstoffwirtschaft hinaus vor allem kleine und mittlere Unternehmen unterstützen. Ein weiteres wichtiges Feld sei die Sozialpolitik, hier vor allem die Gesundheitsreform und die Verbesserung der sozialen Absicherung älterer Menschen. Im Rahmen von Bildung und Ausbildung müsse neben der Hochschulbildung auch auf berufliche Bildung gesetzt werden. Fachpersonal für technische Berufe werde benötigt, und in diesem Bereich seien bereits Anregungen aus dem deutschen System der dualen Ausbildung in Chile aufgenommen worden. Eine weitere Herausforderung liege in der Reform des Rentensystems. Carolina Goic wirbt in einem Umfeld, in dem das Interesse an Politik und das Vertrauen in Politiker abnimmt und die Wahlbeteiligung sinkt, mit ihrer Transparenz, ihrem tadellosen Ruf und ihrem ehrlichen Engagement für die Belange der Bürger.

Dr. Franz Josef Jung, stellvertretender Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion für Außen-, Verteidigungs- und Sicherheitspolitik, hob in seiner Einschätzung zunächst die Bedeutung von Chile als Stabilitätsanker in der Region hervor. Angesichts der sich ändernden US-Außenpolitik sei ein zusätzlicher Impuls von Seiten der EU in Richtung Lateinamerika und Chile richtig und wichtig. Die EU und Lateinamerika erwirtschafteten gemeinsam 40 % des Weltsozialprodukts und seien durch gemeinsame Werte miteinander verbunden. Jung wies mit Blick auf die PDC in Chile und die eigene Partei darauf hin, dass Christdemokraten verlässliche Partner in der Welt seien.

In dem von Andreas Klein, Leiter des KAS-Auslandsbüros Chile, moderierten Fachgespräch stellten sich Carolina Goic und Dr. Franz Josef Jung anschließend den Fragen und Kommentaren der Teilnehmer, die die positive Rolle Chiles in Lateinamerika hervorhoben und u.a. nach strategischen Überlegungen der PDC, außenpolitischen Beziehungen Chiles und der derzeitigen Rolle Lateinamerikas in der Wahrnehmung der deutschen Politik fragten.