Das „innere Gehirn"

Think Tanks in der VR China

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Seit der Reform- und Öffnungspolitik unter Deng Xiaoping ist es in der Volksrepublik China zur Gründung einer Vielzahl von staatlichen, in jüngster Zeit auch privaten Denkfabriken (Think Tanks) gekommen. Welche Rolle spielen diese Institutionen in den Entscheidungsprozessen von Partei und Staat? Wie ist deren internationale Vernetzung? Wo liegen Stärken, aber auch Schwächen des gegenwärtigen Beratungssystems? Und was gilt es zu reformieren?

Seit der Reform- und Öffnungspolitik unter Deng Xiaoping ist es in der Volksrepublik China zur Gründung einer Vielzahl von staatlichen, in jüngster Zeit auch privaten Denkfabriken (Think Tanks) gekommen. In den letzten Jahren hat jedoch eine kritische Debatte über die Qualität der Beratungsleistungen von chinesischen Think Tanks eingesetzt. Dies hat auch zu einer intensiveren Beschäftigung mit verschiedenen ausländischen Think Tank-Modellen, u.a. auch den deutschen politischen Stiftungen, geführt. Dennoch wird man gegenwärtig Think tanks in China (noch) nicht als eigenständige, partei- und staatsunabhängige Organisationen bezeichnen können. Nicht zufällig spricht man deshalb im Land von einem „internen Gehirn“ nei nao 内脑 (der Regierung etc.), während ihre westlichen Pendants gerne als „äußere Gehirne“ bezeichnet werden.
Der Aufsatz geht den Fragen nach, welche Rolle diese Institutionen in den politischen Entscheidungsprozessen von Partei und Staat spielen; wie stark diese international vernetzt sind; und wo Stärken, aber auch Schwächen des gegenwärtigen Beratungssystems liegen.
Aus der Analyse werden einige Schlussfolgerungen gezogen, die bei einer ernsthaften Reform zur Steigerung der Qualität und internationalen Anschlussfähigkeit beachtet werden müssen. Die innere Unabhängigkeit und professionelle Kompetenz chinesischer Think tanks muss dringend erhöht werden, um sich rascher auf die sich verändernden politischen und gesellschaftlichen Rahmenbedingungen einstellen zu können. Hierzu gehört auch die Notwendigkeit eines landesweiten Evaluationssystems, mit dem die Arbeit von Think Tanks anhand von qualitativ orientierten Kriterien bewertet werden kann. Beratungsinstitutionen müssen stärker und transparenter in politische Entscheidungsprozesse einbezogen werden. Formen der Kommunikation und des Wissensmanagements müssen modernisiert werden, um sowohl bei politischen Entscheidungsträgern als auch in der sich wandelnden Öffentlichkeit Gehör zu finden. Wesentliche Reformimpulse könnten hier aus einem stärkeren Austausch mit internationalen Akteuren in der Think Tank-Szene gewonnen werden.

Autoren

Dr. Peter Hefele, Ying Kou

Serie

Länderberichte

erschienen

China, 18. November 2014

Coverbild Länderbericht