4. Deutsch-Chinesisches Symposium zur Urbanisierung

Zusammen mit der Gesellschaft des chinesischen Volkes für Freundschaft mit dem Ausland und der Forschungsakademie des chinesischen Verkehrsministeriums organisierte die KAS Peking ein deutsch-chinesisches Symposium zum Thema „Nachhaltige Verkehrsentwicklung als Teil des chinesischen Urbanisierungsprozesses“. Vertreter aus Politik und Praxis diskutierten in Chengdu, Provinz Sichuan, Chancen und Herausforderungen, die sich aus der zunehmenden Infrastruktur- und Umweltbelastung in Städten und Metropolräumen ergeben.

Im Zuge eines rasanten Urbanisierungsprozesses sehen sich Entscheidungsträger in Deutschland und China drängenden Herausforderungen gegenüber. Mit dem Ziel, eine pluralistische Debatte über nachhaltige Formen der Verkehrsentwicklung als Teil des chinesischen Urbanisierungsprozesses anzuregen und deutsche Erfahrungen auf dem Feld in ihrer Relevanz für China zu analysieren, wurde auch in diesem Jahr an die 2013 etablierte KAS-Veranstaltungsreihe zu Chinas neuer Urbanisierung angeknüpft.

In seiner Eröffnungsrede betonte Lü Hongwei, Vize-Abteilungsleiter für Europa der Gesellschaft des chinesischen Volkes für Freundschaft mit dem Ausland, dass der neue Urbanisierungsprozess menschenorientiert sein müsse. Durch 90 Städte- und Provinzpartnerschaften trügen China und Deutschland dahingehend bereits wirksam zu einem gegenseitigen Austausch und Voneinander-Lernen bei. Tim Wenniges, Büroleiter der KAS Shanghai und kommissarischer Leiter des Pekinger KAS-Büros, unterstrich zustimmend die Wichtigkeit eines direkten Austausches beider Länder in diesem, wie auch in anderen Bereichen. Der deutsche Generalkonsul in Chengdu, Dr. Klaus Schmidt, verwies anschließend auf die wachsende Produktion von Elektroautos durch deutsche Automobilhersteller in China und mahnte zu mehr Ressourcen- und Umweltschutz.

Daniel Bongardt, Senior Advisor for Transport und Climate Change der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit, stellte im ersten Panel des Symposiums zum Thema „Nachhaltige Infrastrukturentwicklung“ am Beispiel der Stadt Berlin Methoden für eine nachhaltige Stadtentwicklung und Verkehrsplanung vor. Eine erhöhte Verknüpfung des Straßennetzwerks und die verbesserte Erreichbarkeit des öffentlichen Transportsystems könnten auch in chinesischen Städten Nachhaltigkeit fördern. Dafür seien Fußgängerfreundlichkeit, beispielweise durch interessante Straßengestaltung, und enge Einzugsbereiche notwendig, die den Nahverkehr unterstützten, hob William Sugrue von der Deutschen Bahn Engineering und Consulting GmbH hervor.

Oliver Harms, Director New Business China der Deutschen Investitions- und Entwicklungsgesellschaft GmbH, gab unter Berücksichtigung der rasanten Mobilisierung Pekings seit den 1990er Jahren Einsichten in Finanzierungsmöglichkeiten von U-Bahnen durch die KfW. Der Managing Director der Hamburg Consult GmbH, Tilo Franz, ging daraufhin auf neueste Erkenntnisse in Bezug auf das an die deutsche S-Bahn angelehnte Konzept der Chongqing-Tongliang-Testlinie ein. Vorteil dieser sei die Zweisystemtechnik, durch welche sowohl Nahverkehr als auch Langstrecken von denselben Zügen auf gleicher Strecke bedient werden können.

Dr. Hanno Ehrbeck, Leiter der Abteilung für Städtebauliche Planung der Stadt Mannheim veranschaulichte im zweiten Panel zu „Städtischer Mobilität“ die Entwicklung von einer autogerechten Stadt hin zu einer „Stadt für alle“ anhand von Erfahrungen in der Bundesrepublik. Für die Infrastrukturentwicklung bestünde insbesondere die Gefahr der „rationalen Planung“ von Ingenieuren und Stadtplanern, welche der Integration von Straßen in das urbane Leben entgegenstünde. Die Verkehrsreferentin der Deutschen Botschaft in Peking, Petra Weindorf, stellte anschließend das deutsche Konzept vor, nachdem die Stadt- und Verkehrsplanung in der Verantwortung von Ländern und Kommunen liege, da dies im Gegensatz zu einer Zentralplanung die Anpassung an vorherrschende Lokalitäten ermögliche.

Professor Maximilian Mayer von der Tongji-Universität in Shanghai verdeutlichte den Paradigmenwechsel bei Mobilitätssystemen. Eigentumsansprüche auf ein Auto oder Fahrrad nehmen ab, während die Beliebtheit von „multi-share“ Systemen wachse. Des Weiteren veränderten digitale Systeme und Applikationen Mobilitätsmärkte und –services. Dies würde die Verbindung von „smart“ mit „green“ – intelligenter Mobilität ohne Verschmutzung – vorantreiben, hob er hervor.

In der anschließenden Podiumsdiskussion sprach sich Professor Dr. Tang Yong, Vize-Direktor der Fachhochschule für Verkehr der Provinz Sichuan, für eine stärkere Beteiligung der Bevölkerung an der Gestaltung des Verkehrssystems und bessere Angebote von Verkehrsunternehmen aus. Guo Zheng, COO von Car2Go, fügte hinzu, dass es großen Nachholbedarf im Bereich nachhaltiger Verkehrsentwicklung in China gebe. Der frühere Fokus der Volksrepublik auf schneller Entwicklung klinge noch immer nach, wodurch Anreize für Privatunternehmen fehlten. Abschließend waren sich die Experten einig, dass eine nachhaltige Stadt- und Verkehrsentwicklung nur durch eine enge Kooperation zwischen China und Deutschland vorangetrieben werden könne.

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Veranstaltungsberichte

erschienen

China, 28. November 2016

4. Deutsch-Chinesisches Symposium zur Urbanisierung in Chengdu, Provinz Sichuan

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