Klimareport 2017: Südafrika

Privatsektor und Klimafinanzierung in den G20-Staaten

Auch verfügbar in English

Südafrika ist abhängig von fossilen Brennstoffen – etwa 90 Prozent des Energie­bedarfs des Landes wird durch Kohle gedeckt. Pro Kopf gerechnet gehört es zu den 15 größten CO2-Emittenten der Welt. Die Strategie Südafrikas zur Bekämpfung des Klimawandels beinhaltet die Verpflichtung, die ­Treibhausgasemissionen des Landes gegenüber dem aktuellen Stand bis zum Jahr 2020 um 34 und bis zum Jahr 2025 um 42 Prozent zu ­reduzieren. Um diese Verpflichtungen zu erfüllen, sind zusätzliche ­Finanzinvestitionen erforderlich, sowohl aus ­öffentlichen als auch aus privaten Quellen.

KLIMAFINANZIERUNG ALS GRUNDLAGE VON SÜDAFRIKAS KLIMASCHUTZBEITRAG

Südafrika gibt innerhalb seines national festgelegten Beitrags (NDC) an, dass die Erfüllung seiner Pflichten von finanziellen Aspekten, Technologieaustausch und dem Aufbau von Kapazitäten aus inländischen, privaten und internationalen Quellen abhängt und sich nach diesen richtet, insbesondere in Bezug auf seinen nationalen Green Fund, dem im Zeitraum 2011 bis 2013 110 Millionen US-Dollar zugeteilt wurden. Der NDC führt zudem seine bisherigen klimabedingten Ausgaben auf und präsentiert einen Plan vorgeschlagener Aktivitäten sowie die Größenordnung der Geldmittel, die für die Durchführung dieser Maßnahmen benötigt werden. Die für die Investition identifizierten Programme umfassen die Erweiterung bestehender öffentlicher Programme (Working for Water, Fire, Wetlands), Wasserschutz- und Nachfragemanagement, die Erweiterung des südafrikanischen Renewable Energy Independent Power Producer Procurement Programme (REI4P) und die Einführung von Elektrofahrzeugen.

Der NDC von Südafrika betont eindeutig den Bedarf an Klimafinanzierung zur Unterstützung von Anpassungsmaßnahmen mit Priorität gegenüber Abschwächungsmaßnahmen und bestätigt die Darstellung, wonach Investitionen in die Anpassung an den Klimawandel Chancen für die Bekämpfung der Armut und der Ungleichheit bieten, während dabei gleichzeitig andere sozioökonomische Entwicklungsherausforderungen wie die Schaffung von Arbeitsplätzen angegangen werden.

DIE KLIMAFINANZIERUNGSLANDSCHAFT DES PRIVATSEKTORS IN SÜDAFRIKA

Südafrika verfügt über einen entwickelten und geregelten Finanzsektor. Seine Finanzwelt, darunter Banken, Versicherer, Vermögensverwalter, Risikokapital, privates Eigenkapital und Hedgefonds, ist aktiv an der Entwicklung kohlenstoffarmer Projekte beteiligt. Die Ausbreitung neuer klimaverwandter Technologien, die mit positiven Risiko-/Ertragsprofilen assoziiert werden, gepaart mit der Einführung von Anreizen und staatlicher Unterstützung, hat den Weg zu neuen kommerziellen Investitionsmöglichkeiten geebnet. Privatbanken, darunter die Standard Bank, ABSA und Nedbank, haben allesamt auf Projektbasis den Unternehmen, die gemäß dem REI4P den Status Preferred Bidder (bevorzugter Bieter) erhalten haben, Gelder zur Verfügung gestellt. Eine finanzielle Unterstützung durch diese renommierten Banken signalisiert Anwendern und kommerziellen Investoren Vertrauenswürdigkeit, was zu finanzieller Sicherheit für Unternehmen und deren Partner führt.

Die Finanzgemeinschaft hat sowohl etablierte als auch neue Primärkapitalmarktprodukte mobilisiert, um kohlenstoffarme und klimafreundliche Investitionen zu tätigen. Diese umfassen Projektfinanzierungen, Unternehmens- und Projektanleihen, Geschäftskredite, Eigenkapitalfinanzierungen und Verbraucherfinanzierungen. Sie wurden ferner durch neue Produkte ergänzt, etwa durch den Einsatz von „grünen Anleihen”, die Erstellung von Klimabilanzen und interne Kohlenstoffpreise. Außerhalb des Bankensektors stellen öffentlich-private Partnerschaften eine Methode für institutionelle Investitionen in erneuerbare Energien dar.

Zudem ist eine steigende Anzahl von Banken und Anlegern zunehmend besorgt über die Verantwortung für den Klimaschutz, die mit Unternehmensaktivitäten und Investitionen im Zusammenhang steht. Die bekannteste Initiative in diesem Zusammenhang ist das von Investoren geleitete Carbon Disclosure Project (CDP). Das südafrikanische CDP, von der National Business Initiative (NBI) geleitet, fördert verantwortungsvolle Investitionen in Minderungs- und Anpassungsprojekte. Im Jahr 2014 haben über 80 Prozent der 100 größten südafrikanischen Unternehmen Berichte zu ihren Treibhausgasemissionen offengelegt.

Der öffentliche Sektor unterstützt derzeit die Entwicklung nachhaltiger Projekte durch die öffentlichen Beschaffungs- und Förderprojekte, wobei die Regierung und internationale Finanzinstitute als öffentliche Geldgeber fungieren und Start-up-Eigenkapital zur Verfügung stellen, um höhere Beträge an Privatkapital zu mobilisieren. Südafrikanische Development Finance Institutions (DFI), z. B. die Industrial Development Corporation (IDC) und die Entwicklungsbank von Südafrika (DBSA), spielen derzeit eine aktive Rolle als Entwicklungspartner und Kapitalgeber (Gewährung von Kreditrahmen) im REI4P. Südafrika nutzt öffentliche Fonds, um Investitionen des Privatsektors zu mobilisieren und private Kapitalinvestoren gegen Zahlungsausfallrisiken abzusichern. In diesem Zusammenhang werden zahlreiche Finanzwerkzeuge verwendet, mit denen Schulden oder Eigenkapital über direkte öffentliche Finanzierung oder die Gewährung öffentlicher Bürgschaften eingesetzt werden. Darlehensbürgschaften und Versicherungen gegen Risiken im Zusammenhang mit Richtlinien sind die wichtigsten Werkzeuge. Schließlich sind internationale Unternehmenszuschüsse für die Konsolidierung von Finanzpaketen für Klimaprojekte in Südafrika von wesentlicher Bedeutung.

PRIVATINVESTITIONEN FÜR MINDERUNGS- UND ANPASSUNGSMASSNAHMEN

Die Beteiligung des Privatsektors, insbesondere an der Energieerzeugung, war in der Vergangenheit aufgrund der Dominanz des staatlichen Versorgungsunternehmens Eskom beschränkt. Im Rahmen der Anstrengungen, die Energieversorgung sicherzustellen und die Emissionen zu reduzieren, hat die Regierung einen National Energy Regulator of South Africa (NERSA) eingerichtet und einen Einspeisetarif für erneuerbare Energien (Renewable Energy-Feed-in Tariff, REFIT) freigegeben, im Rahmen dessen ein einzelner Käufer zu festen Preisen von Energieherstellern gedeckelte Kapazitätsmengen an erneuerbarer Energie kaufen kann. Des Weiteren wurde im August 2011 das REI4P gestartet. Dies entspricht dem Integrated Resource Plan (IRP) 2010–2030

Südafrikas und betont den Bedarf an einer Kapazitätssteigerung für die Herstellung erneuerbarer Energien im Energiemix des Landes. Der südafrikanische Sektor für erneuerbare Energien im Versorgungsbereich ist der am weitesten entwickelte in der Region und bietet daher eine nützliche Plattform für Investoren, die in den rapide wachsenden regionalen Markt einsteigen möchten.

Seit seiner Gründung hat das REI4P in fünf Angebotsrunden über 6.300 Megawatt gekauft und Investitionen in privates Eigenkapital und Darlehen angezogen. Es wurden etwa 192 Milliarden Rand (14,4 Milliarden US-Dollar) in die 92 Projekte des Programms investiert. Der Löwenanteil der Kreditfinanzierung stammt von Geschäftsbanken, Renten- sowie Versicherungsfonds und der Rest von den DFI. Für die ersten drei Angebote wurden 86 Prozent der Kredite intern aufgenommen; dabei hat der südafrikanische Rentenfonds Old Mutual sich verpflichtet, 16 Projekte zu finanzieren. Die geläufigste Finanzierungsstruktur ist die Projektfinanzierung, obwohl etwa ein Drittel der Projekte Finanzierungsarrangements mit Unternehmen genutzt haben.

Da der Angebotsmechanismus REI4P die Möglichkeit zur Anpassung an sich schnell verändernde Technologie- und Entwicklungskosten hat, sind die Preise gesunken. Dieses System hatte zudem beträchtliche sozialökonomische Vorteile, darunter eine Linderung des nationalen Stromversorgungsengpasses. Der Klimanutzen der Kapazität zur Herstellung von betrieblichen erneuerbaren Energien entspricht seit dem Jahr 2012 einer Reduktion von 4,4 Millionen Tonnen CO2. Steigende Anforderungen haben zudem mehr Gelegenheiten für Investitionen in lokale Fertigungs- und Montageanlagen geschaffen. Bezüglich der wirtschaftlichen Tragfähigkeit liefert das REI4P wertvolle Erkenntnisse für die Gestaltung der wettbewerbsfördernden Struktur des rollierenden Ausschreibungsverfahrens; durch dieses Konzept war das Marktvertrauen bereits zu Beginn gegeben, weshalb das Interesse von lokalen sowie internationalen Investoren sehr ausgeprägt war. Durch klare Zeitpläne bei der Projektumsetzung hat das Programm außerdem ein förderliches Investitionsumfeld geschaffen.

Die Fortführung des Vorzeigeprogramms für erneuerbare Energien wird jedoch auch Herausforderungen umfassen, insbesondere mit dem Bedarf nach einer besseren Abstimmung bezüglich Planung und Umsetzung der Erzeugung und Übertragung sowie in Bezug auf ungenügende Geldmittel, die für Investitionen in die Übertragungs- und Verteilungsinfrastruktur zur Verfügung stehen.

Quelle: UNEP, Bloomberg New Energy Finance
Quelle: UNEP, Bloomberg New Energy Finance

ANREIZE FÜR UMWELTFREUNDLICHE WIRTSCHAFT, PREISGESTALTUNGSREFORM UND STRAFEN

Während einige G20-Staaten, darunter Indien und Indonesien, Reformprozesse der Energiesubventionen eingeleitet haben, umfassen die nationalen Verpflichtungen von Südafrika eine Kohlenstoffsteuer, sektorspezifische Emissionsreduktionsziele, Kohlenstoffbudgets auf Unternehmensebene sowie regulatorische Standards für spezifisch identifizierte Treibhausgase. Die Kohlenstoffsteuer in Südafrika, die ursprünglich am 1. Januar 2017 in Kraft treten sollte, wird bei einem Grenzsteuersatz von 120 Rand (etwa neun US-Dollar) pro Tonne CO2 festgelegt. Die Steuer wird mit zusätzlichen Maßnahmen umgesetzt, die eine Senkung der Elektrizitätsabgabe umfassen. Die Berichte zu Emissionen werden vorgeschriebenen Berichterstattungsanforderungen für Treibhausgasemissionen entsprechen.

Neben der vorgeschlagenen Kohlenstoffsteuer umfasst das südafrikanische Rahmenwerk für eine grüne Wirtschaft zusätzliche Steuer- und Finanzanreize, Nachlässe und Standards in zahlreichen Sektoren. Gemäß dem KPMG Green Tax Index ist Südafrika auf Platz 13 von 21 Ländern in Bezug auf die Nutzung von Steuern als Anreiz, eine grüne Wachstumsagenda zu fördern (vor Australien, Singapur und Finnland).

BESEITIGUNG VON HÜRDEN FÜR INVESTITIONEN DES PRIVATSEKTORS

Trotz beachtlicher Fortschritte ist Südafrika nach wie vor am Anfang der erwarteten Umstellung und es werden deutlich mehr Gelder für Anpassungs- und Abmilderungsmaßnahmen benötigt, um die nationalen Verpflichtungen des Landes zu erfüllen. Der Klimawandel wird langsam aber sicher, zumindest bei führenden Finanzinstituten, zu einem wichtigen Leitmotiv der Investitionsstrategie. Obwohl Südafrika ein in der Entstehung befindlicher Markt ist, existieren komplexe Werkzeuge für das Verständnis von Risiken und Verwundbarkeit (einschließlich der südafrikanischen Wetterdienste) und es werden Produkte wie Länderrisiko-Pooling, Mikroversicherungen, Katastrophenanleihen und indexbasierte Versicherungen entwickelt.

Neben Investitionen in erneuerbare Energien kommen Investitionen in andere kohlenstoffarme Technologien erst langsam in Gang und es besteht ein nachgewiesener Bedarf an erhöhten Investitionen in die Energieeffizienz, erneuerbare Wärme, intelligente Netze, Transport und Forstwirtschaft.

Auf Politikebene verpflichtet ein förderliches Investitionsumfeld Regierungen dazu, Richtlinien zu gestalten und umzusetzen, um die preisliche Wettbewerbsfähigkeit zu fördern. Die Beseitigung von Preisverzerrungen wird zu einer höheren Wettbewerbsgleichheit führen und weitere private Investitionen anziehen. Maßnahmen für die Unterstützung von Richtlinien können nur dann zur Markttransformation beitragen, wenn der regulatorische Rahmen streng ist. Diese Anforderungen sind in Entwicklungsmärkten enorm wichtig, in denen die Risiken nach wie vor hoch sind. Beim südafrikanischen REI4P ist von höchster politischer Ebene mehr Sicherheit erforderlich, um Investoren zuversichtlich zu stimmen. Verantwortungsbewusste Führung und Transparenz sind die Voraussetzungen, ebenso wie politische und wirtschaftliche Stabilität. Vor diesem Hintergrund ist es lobenswert, dass das südafrikanische Kabinett kürzlich dem International Arbitration Bill (Gesetzesentwurf zu internationaler Schiedsgerichtsbarkeit) zugestimmt hat. Das Gesetz soll unter den Investoren für Vertrauen in Fällen sorgen, bei denen Streitigkeiten gemäß internationaler Best Practice beigelegt werden.

Die südafrikanische Finanzgemeinschaft muss ihre Erfahrungen bei der Anpassungsfinanzierung und Projektumsetzung erweitern. Dies umfasst bessere Kenntnisse neuer Services und Technologien und ein besseres Verständnis der Zusammenhänge zwischen den Risiken und Erträgen von betroffenen Vermögenswerten. Alle, die eine Kapital- und Risikoabsicherung anstreben, müssen die Marktchancen korrekt deuten und ihre Finanzierungs- und Investitionsstrategien effizient strukturieren.

Das Ziel, den globalen Temperaturanstieg unter zwei Grad Celsius zu halten, wird eine Erhöhung der Klimainvestitionen des Privatsektors für ein verbessertes inklusives Wachstum in Südafrika erfordern. Als einzige afrikanische Nation mit einem G20-Sitz kann Südafrika auch als Kanal für Klimainvestitionen des Privatsektors in Afrika fungieren.


ÜBER DIE AUTOREN

Romy Chevallier ist leitende Wissenschaftlerin am Institut für Internationale Beziehungen der Republik Südafrika in Johannesburg.

Prof. Dr. Oliver C. Ruppel ist Leiter des Regionalprogramms Klimapolitik und Energiesicherheit in Subsahara Afrika der Konrad Adenauer Stiftung in Yaoundé, Kamerun.

Tilmann Feltes ist Trainee im Auslandsbüros Südafrika der Konrad Adenauer Stiftung in Johannesburg.

Autoren

Romy Chevallier, Prof. Dr. Oliver C. Ruppel, Tilmann Feltes

erschienen

Berlin, 6. Juli 2017

Ein Solarpark in Karoo.

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