Deutschlandseminar für junge Politiker aus Mittelamerika

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Zwölf junge politische Führungskräfte aus den Ländern Mexiko, Guatemala, Honduras, Costa Rica und Panama nahmen auf Einladung der KAS vom 17. – 24. Juni 2017 an dem einwöchigen Seminar in Berlin und Düsseldorf teil.

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Konrad Adenauer Haus (CDU), Connect 2017

Konrad Adenauer Haus (CDU), Connect 2017

Zielsetzung war es, die Teilnehmer mit dem politischen System Deutschlands vertraut zu machen und spezifisch das Parteiensystem und die Mechanismen zur Bildung von Koalitionen und Allianzen im Parlament kennenzulernen. Da das intensive Programm in einem Wahljahr mit drei Landtagswahlen und der Wahl zum Deutschen Bundestag stattfand, bildeten die Themen Kommunikation, Kampagnenführung und politische Strategie einen weiteren Schwerpunkt. Eine besondere Bedeutung lag zusätzlich auf der Netzwerkbildung zwischen den Teilnehmern untereinander, aber auch mit den überwiegend jungen Gesprächspartnern in den beiden politischen Zentren, Berlin als Hauptstadt der Bundesrepublik Deutschland und Düsseldorf als Regierungssitz des bevölkerungsreichsten Bundeslandes.

Die Gespräche in der Zentrale der KAS wurden insbesondere für einen Erfahrungsaustausch zu internationalen Themen genutzt, wobei der Schwerpunkt auf den Beziehungen zwischen Lateinamerika und spezifisch Mittelamerika und Deutschland bzw. Europa lag. Als Gesprächspartner standen der stv. Leiter der HA EIZ der KAS Frank Pries und das Regionalteam Lateinamerika unter Leitung von Markus Rosenberger zur Verfügung. Vertiefend wurde mit Dr. Christina Krause das Thema Flucht und Migration erörtert. Wenig bekannt ist in Deutschland, dass Migration nicht nur in Europa eine Herausforderung darstellt. Migrationsströme aus Kuba über die mittelamerikanischen Länder in Richtung USA und sich verstärkende Fluchtbewegungen aus Venezuela in diese Region stellen insbesondere die kleinen zentralamerikanischen Länder finanziell und strukturell vor enorme Probleme. Bemerkenswert sind die humanitären Bemühungen dieser Länder, wobei Costa Rica hier eine Vorreiterrolle spielt.

Kampagnenführung und Kommunikation waren zentrale Themenstellungen sowohl im Konrad Adenauer Haus der CDU als auch im Verlauf des Gesprächs mit dem Vorsitzenden der internationalen Kommission der Jungen Union Ruben Schuster. Die Arbeit der Jungen Gruppe der CDU/CSU Bundestagsfraktion unter Leitung von MdB Steffen Bilger und die Arbeit eines Abgeordnetenbüros lernten die Teilnehmer im Deutschen Bundestag kennen, während bei dem Besuch von MdA Danny Freimark im Berliner Stadtteil Neu-Hohenschönhausen die konkrete Wahlkreisarbeit und eine aktive Bürgerkommunikation sowie die konkrete Problemlösung im Interesse der Bürger anhand konkreter Beispiele vorgestellt und diskutiert wurden.

In Düsseldorf gab es mehrere Highlights. Nach einer Einführung in die historisch-politische Bedeutung des Bundeslandes in der CDU-Geschäftsstelle in Verbindung mit einem Erfahrungsbericht der gerade stattgefundenen und mit einem Regierungswechsel geendeten Landtagswahlen durch den Leiter des Bereichs Politik & Strategie Guido Hintze, empfing der neue Präsident des Düsseldorfer Landtags André Kuper die Delegation, deren Teilnehmer er einlud, sich in das Gästebuch des Landtags einzutragen. Die noch frischen Erfahrungen des Wahlkampfes und der Übergang als Fraktion des Landtages in die Regierungsverantwortung waren Gegenstand der Gespräche mit MdL Marco Voge. Nach einer Einführung in die Bildungsarbeit der KAS in den Landeshauptstädten der Bundesländer und spezifisch der Bundesstadt Bonn durch Dr. Ulrike Hospes, gab es einen informellen Abend mit dem ebenfalls in der Landtag gewählten Vorsitzenden der Jungen Union NRW Florian Braun, den die Teilnehmer gleichwohl bis in die späten Abendstunden zu einem Austausch von politischen Erfahrungen nutzten.

In der Stadt Essen gab es neben der Führung „Kohle und Kumpel“ in der Zeche Zollverein ein Treffen mit MdL Fabian Schrumpf und dem Kreisvorsitzenden der Jungen Union Nils Sotmann. Abschließend lud der Oberbürgermeister der Stadt Essen Thomas Kufen zu einem politischen Empfang ein. In seiner Rede erläuterte der OB die Transformation der ehemaligen von Kohle und Stahl geprägten Wirtschaft in eine Dienstleistungsgesellschaft und stellte das Konzept einer modernen, am Bürger orientierten, Stadtpolitik dar. Nach Essen gelangten die Teilnehmer aus Mittelamerika mit dem Fahrrad auf dem ersten Radschnellweg Deutschlands (RS1). Dabei gab es bei Zwischenstationen sachkundige Erklärungen durch Christian Weirich vom Team Mobilität beim Regionalverband Ruhr. Dieser Programmteil wurde von den Teilnehmern nicht nur als willkommene und spaßige Auflockerung i.R. des dichten politischen Programms, sondern auch zur Erörterung konkreter Fragen und der Eruierung von Übertragungsmöglichkeiten auf Verdichtungsräume in den eigenen Ländern wahrgenommen.

Eine aktive und dynamische Teilnehmergruppe nutzte dieses Deutschlandseminar zu einem bereichernden Erfahrungsaustausch mit den Gesprächspartnern. Ein Netzwerk unter den Teilnehmern ist entstanden, das es nun vor Ort durch die Auslandsbüros weiterzuentwickeln gilt. Aber auch der Spaß und die Kneipenkultur in der Düsseldorfer Altstadt kamen bei der jungen Gruppe nicht zu kurz.

Autor

Dr. Werner Böhler

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Costa Rica, 28. Juni 2017