„Das Leben der Anderen“
Macht und Ohnmacht in der DDR.
September 16 Mittwoch
Datum/Uhrzeit
16. September 2009, 19.00 - 22.00
Ort
Deutsches Kulturinstitut Tartu, Kastaani 1, Tartu
mit
Dr. Karsten Dümmel (Autor und Zeitzeuge)
Typ
Event
Das Deutsche Kulturinstitut Tartu und die Konrad-Adenauer-Stiftung laden zur Vorführung des oscarprämierten Films "Das Leben der Anderen" mit anschließender Diskussion ein.
"Das Leben der Anderen" ist das Langfilmdebüt des deutschen Regisseurs von Florian Henckel von Donnersmarck aus dem Jahr 2006. Das Drama beleuchtet am Beispiel des Schicksals eines Künstlerpaares die von Stasi-Spitzeln durchsetzte Kulturszene Ost-Berlins und setzt sich zudem mit Bespitzelungs- und Überwachungsapparat der DDR auseinander.
Der Film wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Deutsche Filmpreis 2006 (in sieben Kategorien bei elf Nominierungen), der Bayerische Filmpreis 2006 (in vier Kategorien) und der Europäische Filmpreis (in drei Kategorien). Bei der Oscarverleihung 2007 erhielt der Film zudem als insgesamt dritter deutscher Beitrag den Preis für den besten fremdsprachigen Film.
In den Film führt der Autor und Zeitzeuge Dr. Karsten Dümmel ein. Karsten Dümmel, geb. 1960 in Zwickau/DDR, war mit 15 Jahren Mitglied des Arbeitskreises „Junge Talente“ Gera. Zwischen 1976 und 1978 absolvierte er eine Berufsausbildung zum Elektromonteur in Schlema/Aue. Im Jahr 1977 war Dümmel Gründungsmitglied des Arbeitskreises „Kunst und Kirche“, der bereits zwölf Monate später durch die Staatssicherheit aufgelöst und verboten wurde. Nach dem Besuch des Abendgymnasiums bestand Karsten Dümmel 1980 erfolgreich das Abitur über den zweiten Bildungsweg. Dümmel bewarb sich mehrfach zum Studium der Literaturwissenschaften in Leipzig und Berlin, wurde jedoch trotz bestandener Aufnahmeprüfungen aus politischen Gründen abgelehnt. In den Jahren 1983 bis 1988 engagierte sich Dümmel als Leiter von Literatur- und Menschenrechtsarbeitskreisen der Ev. Kirche in Gera-Lusan. Nach der letzten Studienablehnung stellte er einen 'Antrag auf ständige Ausreise aus der DDR' (mit 56 abgelehnten Folgeanträgen). Am 18. Juli 1985 wurde er kurzzeitig durch das Ministerium für Staatssicherheit wegen fortgesetzter Arbeit in den Arbeitskreisen aufgrund der „Androhung staatsfeindlicher Handlungen“ verhaftet; anschließend folgten verschärfte „Disziplinierungs- und Zersetzungsmaßnahmen“ wie Arbeitsplatzbindung, Reisesperre, Kontaktaufnahmesperre, Postkontrolle, ununterbrochener Stadtarrest, teilweise Hausarrest. Im Frühjahr 1988 wurde Karsten Dümmel durch die Bundesregierung der BR Deutschland aus der DDR frei gekauft.
In West-Deutschland absolvierte Dümmel zwischen 1988 und 1992 ein Studium der Rhetorik und der Germanistik in Tübingen. Nach der Wiedervereinigung Deutschlands arbeitete er seit 1993 an verschiedenen Forschungsprojekte beim Bundesbeauftragten für die Unterlagen der Staatssicherheit sowie als Lehrbeauftragter an der Universität Tübingen. Im Jahr 1996 folgte die Promotion in Rhetorik sowie im Jahr 2002 eine Gastprofessor in den USA/Michigan Ann Arbor.
Seit 1988 veröffentlichte Dümmel zahlreiche Aufsätze und Beiträge im In- und Ausland; zuletzt „Was war die Stasi? Einblicke in das Ministerium für Staatssicherheit“ (2002), „Nachtstaub und Klopfzeichen oder Die Akte Robert.“ (2007). Dümmel leitet das Bildungswerk der Konrad-Adenauer-Stiftung in Hamburg und ist Mitglied des „Autorenkreis der Bundesrepublik Deutschland“.
Ansprechpartner
Andreas Michael Klein
Leiter des Auslandsbüros Baltische Länder / Ostseekooperation
Partner
| Deutsches Kulturinstitut Tartu |