Die Welt in der Krise - Welche Zukunft hat die soziale Marktwirtschaft?
Rednertour
Am 09. Juni sprach Herr Ost im Rahmen der Rednertour „Soziale Marktwirtschaft - Zukunft eines Gesellschaftsmodells" über Vergangenheit und Zukunft der sozialen Marktwirtschaft.
Zu Beginn der Veranstaltung begrüßte Dr. Dümmel die Teilnehmer und gab eine allgemeine Einführung zur sozialen Marktwirtschaft ein. Anschließend stellte er den Referenten Friedhelm Ost kurz vor.
Herr Ost begann seinen Vortrag mit einem Hinweis auf die aktuelle Situation in der Wirtschaft und nahm die Insolvenz der Arcandor AG als Beispiel. Außerdem wies er auf die Jubiläen in diesem Jahr, die des Grundgesetzbuches, der Fall der Mauer und 2008 das 60- jährige Bestehen der sozialen Marktwirtschaft. Daraufhin ging er auf die Schöpfer der sozialen Marktwirtschaft Ludwig Erhardt und Alfred Müller-Armack ein. Zugleich verglich er die heutige Finanzmarktkrise mit der Weltwirtschaftskrise 1929 bzw. 1931 und stellte fest, dass die momentane Krise tief, aber nicht so schlimm wie die „große Depression“ sei.
Anschließend wies er auf weitere internationale Krisen hin. Hierzu zählte er u.a. die Probleme mit Terrorismus, die Bedrohung durch nukleare Waffen, die sogenannten „Failing States“ und nannte in diesem Zusammenhang das Beispiel der Piraterie, die Klimakrise, den Kampf um Ressourcen, die soziologische Migration und das stetig sinkende Bevölkerungswachstum der Bundesrepublik Deutschland auf. Er machte deutlich, dass diese Krisen globale Auswirkungen haben und die Wirtschaftskrise zusätzlich verstärken.
Als Gründe für die Wirtschaftskrise nannte er die sogenannte “Bereichert-Euch“-Mentalität und das auffallende Fehlverhalten der Finanzfachmänner und Geschäftsleute. Er machte deutlich, dass Betrug und Täuschung die Wirtschaftswelt beherrschten und das Vertrauen zwischen den einzelnen Unternehmen, z.B. den Banken, geschwächt habe. Dabei wies er auch auf die fehlende Kontrollierung der Gesetze im Finanzsektor.
Daraufhin ging er auf die staatliche Verschuldung ein. Dabei machte er deutlich, dass bis 2010 allein die Neuverschuldung schon sehr hoch sein würde. Im Hinblick auf die Wahlen wies er darauf hin, dass die Bundesrepublik Deutschland sich immer mehr in Richtung einer Gefälligkeits-Demokratie bewege. Zudem warnte er davor, dass die ökonomische Krise in eine soziale umschlagen könnte und dies zu einem Vertrauensverlust der Bürger dem Staat gegenüber führen könnte, wie es schon 1931 der Fall war.
Laut Ost ist ein gemäßigtes Gewinnbestreben wichtig um eine Besserung der sozialen Marktwirtschaft zu erreichen, denn die Ethik ist ihr zentraler Anker. Ebenso wichtig ist das Prinzip der Solidarität. Er wies daraufhin, dass Deutschlands eigentliches Kapital die Humanressource sei und man diese mehr stärken müsse. Weiter ging er auf das Steuersystem ein, welches seiner Meinung nach reformiert werden müsse und dann transparenter und gerechter werden würde. Er wies aber gleichzeitig darauf hin, dass es momentan keinen Spielraum für Veränderungen gibt.
Am Ende seines Vortrags rief er dazu auf in eine soziale Marktwirtschaft aufzubrechen, welche die richtigen Prinzipien und Werte beinhaltet.
Im Anschluss an den Vortrag hatten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer die Gelegenheit Fragen zu stellen. Dabei wurde das Thema der Schwarzarbeit angesprochen und nach der Abgrenzung zwischen freier und sozialer Marktwirtschaft gefragt. In diesem Zusammenhang sprach sich Ost für eine Reduzierung der Mehrwertsteuer für Gastronomie und Handwerker und die der Lohn- und Einkommenssteuer aus, um mittelständische Unternehmen und Meisterbetriebe zu entlasten. Er kündigte aber auch eine Zunahme der Schwarzarbeit an. Zusätzlich wies er darauf hin, dass bessere Menschen in die Politik gebracht werden müssen. Zum Ende der Veranstaltung erinnerte er daran, dass die Demokratie jeder sei und jeder sich einbringen müsse.
Serie
Veranstaltungsbeiträge
erschienen
Hamburg, 15. Juni 2009