Politische Kommunikation, Gen-Sequenzierung und Software-Zukunft

Was Jugendliche über Gegenwart und Zukunft denken - die Workshop-Ergebnisse vom Frankfurter Jugendkongress

In fünf Workshops sprachen 140 Jugendliche über verschiedene Zukunftsthemen. Was dabei herauskam? In manchen Punkten machen sie sich Sorgen, in vielen sind sie hoffnungsvoll. Doch lesen sie selbst.

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Abenteuer Zukunft: Was bleibt? Was kommt? Jugendkongress der Konrad-Adenauer-Stiftung in Frankfurt am Main

Workshop 1 - Neue Dialoge mit dem skeptischen Bürger: Trends in der politischen Kommunikation aus Amerika und Europa

Unter fachkundiger Leitung von Prof. Dr. Andrea Römmele von der Berliner Hertie School of Governance untersuchte eine Gruppe Jugendlicher das Phänomen „Wutbürger“ und die zunehmende Entfremdung von Politikern und Wählern. Die momentanen Krisen vermitteln eine große Unsicherheit, stellten die Gymnasiasten fest – und viele Bürger wünschen sich einfache Antworten. Doch Politik auf der Bundesebene sei zu komplex für Vereinfachungen. Zudem reiche es nicht, dass es immer mehr Kommunikationskanäle gebe. Der technologische Wandel habe zwar einen großen Einfluss auf die Gesellschaft, doch er verlaufe rasant und mache die Wirklichkeit noch komplexer. Drei Thesen arbeiteten die Jugendlichen mit Prof. Römmele aus:

  1. Das Problem ist nicht das Medium, sondern die Botschaft – sie sei nicht zufriedenstellend.
  2. Potenzial für mehr Bürgerbeteiligung ist vorhanden, die Menschen müssen aber abgeholt werden.
  3. Unsicherheit und Überforderung sorgen für eine Abkopplung von Teilen der Gesellschaft.

Workshop 2 - Der Blick in die Gene: Faszination und Chancen

Die zweite Gruppe diskutierte mit den Professoren Dr. Manfred Schubert-Zsilavecz und Dr. Theodor Dingermann von der Goethe Universität die Vor- und Nachteile der Gen-Sequenzierung. Als pro werteten sie den relativ günstigen Preis von 150 Euro und die Möglichkeit, durch die Analyse der eigenen DNA, Krankheiten wie Diabetes frühzeitig erkennen – und behandeln – zu können. Zudem ließe sich dadurch eine Medikamenten-Unverträglichkeit herausfinden. Doch die Contra-Argumente schienen zu überwiegen: So könne ein entsprechendes Ergebnis Angst vor hypothetischen Krankheiten schüren, mangelnde fachkompetente Beratung würde diese Furcht noch verstärken. Denn: Was bedeutet es, wenn man ein 30-prozentiges Risiko für eine spezielle Erkrankung bescheinigt bekommt? Große Sorgen machten sich die Schüler auch um die Datensicherheit: Viele Tests können Deutsche nur in den Vereinigten Staaten durchführen – doch was mit den Ergebnissen und gewonnen Daten geschehe, sei aufgrund anderer Datenschutz-Gesetze unklar. Ein weiteres Gegenargument war, dass Krankenkassen die Kosten für solche Tests nicht übernähmen.

Workshop 3 - Gehört die Zukunft den Geeks? Wie Software und ihre Entwickler unseren Alltag prägen werden

Zu Beginn des Jugendkongresses hatte Zukunftsmanager Martin Ruesch skizziert, wie die Digitalisierung die Berufswelt auf den Kopf stellen wird. Anhand konkreter Beispiele diskutierten das nun auch Jugendliche im dritten Workshop. Wenn Tesla, Google und BMW autonome Autos entwickeln, brauchen wir dann keine Taxifahrer mehr? Wenn Otto und Daimler einen selbstfahrenden LKW bauen, ersetzt die Künstliche Intelligenz dann die LKW-Fahrer? Stirbt der Beruf des Anwaltsgehilfen durch IBMs KI-Anwalt Kira aus? Und was passiert mit den Journalisten, wenn heute schon AP oder Fox Finanz- und Sportnachrichten durch Software schreiben lassen?

Viele Berufe wird es nach wie vor geben, auch wenn sie sich durch den Einsatz von Software stark verändern. Es wird verstärkt interdisziplinäre Teams geben – und jeder wird in seinem Job Software einsetzen, waren sich die Jugendlichen sicher: Es wird in Zukunft Fachthemenexperten, im Maschinenbau, der Biologie, der Umwelt oder dem Bauwesen, geben, die eine Software-Ausbildung haben. Die Thesen der Geek-Gruppe:

  1. Software kann jeder
  2. Software ist global
  3. Software verändert Berufe

Das Gruppenfazit lautete schließlich: „Wir müssen alle ein bisschen Software können. Die Zukunft gehört den Halb-Geeks.“

Workshop 4 – Umgang mit Zukunftsannahmen

Die vierte Gruppe Jugendlicher befasste sich mit verschiedenen Annahmen für die Zukunft. In Beobachtungsfeldern wie „Erde und Umwelt“, „Weltpolitik“, „Gesellschaft“ oder „Menschen in Europa“ versuchten sie einzuschätzen, wie es im Jahr 2030 aussehen könnte. Europa werten sie als eine attraktive Wirtschaftsregion, und „trotz kleinerer Probleme leben die Menschen sehr gerne in Europa“. Der Umweltschutz hingegen trete auf der Stelle, meinten sie. Dafür vermuteten sie in der Zukunft ein besseres Bildungsangebot, eine starke technologische Entwicklung der Schulen oder den verstärkten Einsatz erneuerbarer Energien. Beim Datenschutz befürchten sie im Jahr 2030 strengere Regeln, was zwar mit mehr Schutz einhergeht, aber auch mehr Einschränkungen mit sich bringt.

Aufgrund dieser Zukunftsannahmen versuchten die Jugendlichen nun, eine eigene Vision zu entwickeln. Hier ergab sich ein differenzierteres Bild. Während einige auf dem Land leben wollten, zog es andere in eine große, pulsierende Metropole. Sie sahen sich als naturwissenschaftliche Experten oder Allrounder – nicht jedoch als High-Tech-Freaks. Alle hatten eine harmonische Partnerschaft mit Kindern zum Ziel. Und die Schüler wollten intensiv leben, auch wenn das ungesund oder gefährlich sei und sie dadurch nicht über 100 Jahre alt würden. Helfen wollten sie vor allem im Alltag, weniger in Organisationen, Vorsorge hat nicht die höchste Priorität, Arbeit und Alltag wollen sie trennen. Viele konnten sich vorstellen, Verantwortung in einem Verein zu übernehmen. Besonders ihr Ansehen bei Freunden und Familie ist wichtig und auf eine Aussage konnten sie sich einigen, als sie ihren Erfolg im Beruf und ihr Familienleben betrachteten: „Familie ist das einzig wichtige für mich; nur dafür lebe ich.“

Workshop 5 – Begeistert – beseelt – verkörpert: Inspiration durch Literatur und Theater

Im letzten Workshop überlegten die Jugendlichen, was sie politisch bewegt. Unter der Leitung von Dr. Karl Guttzeit brachten sie diese Gedanken mittels Theaterkunst zum Ausdruck: visuell dargestellt und dramatisch zugespitzt. Zwei der wichtigsten Themen waren das britische EU-Referendum und Europas Flüchtlingskrise. Ihre Aufführungen ließen sich gut in Worte fassen, doch wir wollen die Bilder für sich sprechen lassen. Werfen Sie dazu einfach einen Blick in die Bilderstrecke.

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Wiesbaden, 12. Juli 2016

Jugendkongress

Kontakt

Dr. Thomas Ehlen

Landesbeauftragter für Hessen und Leiter des Politischen Bildungsforums Hessen

Dr. Thomas Ehlen
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