"Du darfst nicht weinen, du darfst nicht lachen, du darfst nicht sprechen. Du musst ganz still sein."

Diskussion im Rahmen des DenkTages 2018

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Goldschmidt

Flucht, Vertreibung, Angst und Hunger prägten die frühe Kindheit von Aviva Goldschmidt.

"Sorgen Sie dafür, dass Deutschland weiterhin lebenswert bleibt. Der heute unverhohlen und schamlos geäußerte Antisemitismus beunruhigt mich." Aviva Goldschmidt, die als Kind Flucht und Vertreibung durch das nationalsozialistische Terrorregime erleiden musste, appellierte im Rahmen des DenkTages 2018 an ihre jugendlichen Zuhörer: "Ich vertraue auf Euch, dass Ihr Antisemitismus und Rassismus nicht zulassen werdet. Sie sind ein Krankheitssyndrom einer ganzen Gesellschaft".

Du darfst nicht weinen, du darfst nicht lachen, du darfst nicht sprechen. Du musst ganz still sein“. Über Jahre hinweg beschwor die Mutter mit diesen Worten die kleine Tochter. Es war notwendig, um nicht entdeckt zu werden. Aviva Goldschmidt hat als Kind den Holocaust überlebt. Lange Zeit lebte sie versteckt mit ihrer Mutter im Wald. Ihr Vater und ihre vier Geschwister wurden ermordet. Das Schicksal jüdischer Kinder, der sogenannten Child Survivors, die den Holocaust überlebten, ist ein Thema, das erst in den letzten Jahren Beachtung fand. Aviva Goldschmidt diskutierte in Gießen mit 120 Jugendlichen des Landgraf-Ludwigs Gymnasiums. Wie sie es empfunden habe, als einzige aus der Familie den Holocaust überlebt zu haben, wurde sie gefragt und welche Lebensweisheiten sie jungen Menschen heute vermitteln möchte. Goldschmidt ermunterte ihre Zuhörer, wachsam zu sein, sich zu interessieren und sich einzumischen. "Fragen Sie sich, wie eine Gesellschaft mit Minderheiten umgeht. Das sagt viel über ihren Zustand aus." Den Gedenktag für die Opfer des Nationalsozialismus versteht Goldschmidt als Mahnung, dass so etwas nie wieder passieren dürfe.

Autor

Christine Leuchtenmüller

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Wiesbaden, 29. Januar 2018

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