„Heimat ist ein Gefühl“: Leben wir in einer zerrissenen Gesellschaft?

Eine Bilanz des Gießener Gesprächs 6. September 2018

„Die Globalisierung erzeugt die Frage nach Herkunft und Heimat. Viele sind offenbar zu Hause, aber nicht daheim.“ Der für den Hessischen Rundfunk tätige freie Journalist Christoph Scheld, erlebt vielleicht aus diesem Grund, dass „Verunglimpfungen statt Austausch“ manche öffentliche Debatte prägen, „munter gepöbelt“ wird und Polizisten, Retter wie Journalisten vielen Anfeindungen ausgesetzt sind.

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Dr. Joachim Klose (Foto: Ulrich Schimmelpfennig)

„Sie können Ihre Heimat verlieren, ohne einen Ort zu verlassen.“ (Dr. Joachim Klose, Foto: Ulrich Schimmelpfennig)

Im Mathematikum diskutierte der vor wenigen Wochen aus Berlin in die hessische Heimat zurückgekehrte Scheld mit Dr. Joachim Klose, dem Landesbeauftragten der Konrad-Adenauer-Stiftung für den Freistaat Sachsen, Dr. Manuel Becker, Politikwissenschaftler an der Universität Bonn, und 50 Teilnehmerinnen und Teilnehmern des Gießener Gesprächs der Konrad-Adenauer-Stiftung.

Angesichts der auf allen politischen wie gesellschaftlichen Ebenen spürbaren Folgen der ökonomischen Globalisierung und der „Verunsicherungen“ durch Migration konstatierte Manuel Becker, die bislang dominante „pragmatische Mitte“ sei „zerrieben“ worden. Unsere Gesellschaft sei zu charakterisieren als „polarisiert, aber nicht zerrissen“. Viele Menschen fühlten sich „pudelwohl in der Globalisierung“, während einige ihrer Mitbürger an der Gegenwart schier verzweifelten. Angesichts der über Jahrzehnte bewiesenen Stärke der freiheitlichen Ordnung des Grundgesetzes müsse aber das „Totenglöckchen der Demokratie“ keineswegs geläutet werden.

„Sie können Ihre Heimat verlieren, ohne einen Ort zu verlassen.“ Mit diesem nachdenklichen Hinweis lenkte Joachim Klose die Aufmerksamkeit auf Entwicklungen und Ereignisse in den neuen Bundesländern. Viele Bürger könnten dort die „hohe Geschwindigkeit“ wirtschaftlicher und gesellschaftlicher Entwicklungen nicht bewältigen und hätten die Wahrnehmung, sie profitierten nicht von den Wohlstandsgewinnen, die für die gesamte Bundesrepublik zweifellos zu verzeichnen seien. „Deshalb stellen viele Ostdeutsche grundsätzliche Fragen und beteiligen sich stärker an Wahlen als in der Vergangenheit.“

Autor

Dr. Thomas Ehlen

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Wiesbaden, 20. September 2018

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Landesbeauftragter für Hessen und Leiter des Politischen Bildungsforums Hessen

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