„Wir machen Indien zum Kontinent der Sonne“

Welche Impulse Deutschland in der indischen Energiepolitik geben kann erläuterte Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller

Am 13. Juni fand der 3. Deutsch-Indische Wirtschaftsdialog in der Indischen Botschaft Berlin statt. Organisiert wurde dieser gemeinsam vom Büro des Abgeordneten Mark Hauptmann, der Indischen Botschaft und unter anderem der Konrad-Adenauer-Stiftung.

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Gerd Müller

Gerd Müller, Minister für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung

Die Veranstaltung brachte deutsche und indische Vertreter aus Politik, Wirtschaft und Zivilgesellschaft zusammen und ermöglichte einen Austausch über Möglichkeiten der engeren deutsch-indischen Zusammenarbeit in verschiedensten Wirtschaftsbereichen. Seit 1950 hat sich die Bevölkerungszahl auf dem indischen Kontinent verdreifacht und die Wirtschaftsleistung verfünffacht. „Dabei ist Indie jung, dynamisch und vielfältig“, sagte Entwicklungsminister Dr. Gerd Müller. Im Bereich Biotechnologie und Pharmazie ist Indien Spitzenreiter.

Energiewende in Indien

Doch diese Dynamik des Landes stellt die Regierung auch vor große Herausforderungen. „Der Kontinent hatte zwischenzeitlich den drittgrößten CO2-Ausstoß im weltweiten Vergleich und das ist spürbar in den Großstädten wie Delhi oder Mumbai“, erläuterte Müller, der das Land bereits mehrfach bereiste. Der Entwicklungsminister verwies auf eine langjährige, strategische Partnerschaft zwischen beiden Ländern. „Die Klimaherausforderungen lösen wir nur mit Partnerschaft“, betonte er. Dass Indien sein Wirtschaftswachstum auf Basis der fossilen Brennstoffe aufbaue, sei nicht unproblematisch. „Globaler Klimaschutz ist angesagt und Deutschland kann einen Beitrag zur Energiewende in Indien beitragen“, sagte Müller. „Wir machen Indien zum Kontinent der Sonne“, sagte er. Der Entwicklungsmister wolle konkrete Ziele auf den Weg bringen, zu denen auch eine grüne Urbanisierung, Ausbau der Infrastruktur, Chancengleichheit der Frauen und die Gestaltung der ländlichen Räume gehören.

Wie wichtig die bilateralen Beziehungen sind, betonte auch Christian Hirte, Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium für Wirtschaft und Energie. Mittlerweile haben 1800 deutsche Unternehmen einen dauerhaften Sitz in Indien, die 70.000 Arbeitsplätze bereitstellen. Doch der wirtschaftliche Austausch funktioniere auch umgekehrt: 270 indische Unternehmen sind bereits in Deutschland ansässig. Stabilität, Sicherheit und gemeinsame Werte seien unerlässlich für erfolgreiche Handelsbeziehungen. „Der Dialog ist der Schlüssel zum Erfolg“, sagte Hirte. Er zeigte sich positiv bestärkt, dass die deutsch-indische Partnerschaft auf einem guten Weg ist. Er sprach sich für den Ausbau des Privatsektors aus und nahm die Regierungen in die Pflicht, entsprechende Voraussetzungen zu schaffen.

Deutsch-Indischer Wirtschaftsdialog

Mehr Digitalisierung

In der anschließenden Diskussionsrunde mit Vertretern führender, internationaler Wirtschaftsunternehmen vertieften die Gesprächspartner die Aspekte Digitalisierung, Bildung und Steuerpolitik für eine gelingende Wirtschaftsbeziehung. Mit der umfassenden Steuerreform 2017 wurden die Handelsbeziehungen in Indien für Unternehmen bereits erleichtert, aber dennoch ist der Wunsch nach weniger Bürokratie vorhanden. Um den Menschen die digitalen Mittel verfügbar zu machen, müssten Barriere überwunden und das Bildungssystem angepasst werden. Die Diskutanten waren sich einig, dass die digitale Zukunft nur gemeinsam zu bewältigen sei.