Seminar zum Thema Deradikalisierung und Terrorismusbekämpfung

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Seminar zur Rolle der Pancasila für die Bekämpfung von Radikalismus und Terrorismus durch gezielte Maßnahmen der Deradikalisierung. An der in enger Zusammenarbeit mit dem Trainingszentrum des indonesischen Innenministerium KEMENDAGRI entwickelten Veranstaltung nahmen mehr als 350 leitende Angestellte der Satpol-PP Einheiten (Ordnungspolizei) und des Innenministeriums aus verschiedenen Provinzen teil.

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Auf Einladung der KAS hielt Prof. Thomas Grumke, Politikprofessor, Polizeiausbilder und Radikalismusexperte an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW ein Vortrag zum Thema „Politischer Extremismus in Deutschland und Möglichkeiten des Staates zu deren Bekämpfung".

Auf Einladung der KAS hielt Prof. Thomas Grumke, Politikprofessor, Polizeiausbilder und Radikalismusexperte an der Fachhochschule für öffentliche Verwaltung NRW ein Vortrag zum Thema „Politischer Extremismus in Deutschland und Möglichkeiten des Staates bei deren Bekämpfung".

Im Rahmen des zweitägigen Seminars referierten indonesische Experten und der deutsche Experte Dr. Thomas Grumke zum Thema Terrorismusbekämpfung und Deradikalisierung. Die Gefahren durch politischen Extremismus und religiös motivierten Terror sind sowohl in Europa, als auch in Indonesien präsent und von großer Brisanz.

Anders als Deutschland ist Indonesien von einer enormen lokalen und kulturellen Diversität geprägt. Indonesien besteht aus 33 Provinzen, hat nahezu 260 Millionen Einwohner und seine Landmasse ist auf 17.000 Inseln verteilt. Aus diesem Grund verfolgt die indonesische Regierung eine Dezentralisierungspolitik. In den lokalen, politischen und kulturellen Gegebenheiten Indonesiens kommt die entscheidende Rolle der Lokalregierungen und der nationalen Leitlinien der Pancasila für die Terrorismusbekämpfung zum Tragen.

Die gezielte Schulung von Mitarbeitern der Lokalregierungen sei der Schlüssel zu einem dezentralen Ansatz in der Terrorismusbekämpfung, so Herr Setyabudi. Professor Dr. Thomas Grumke machte in seiner Rede hinzukommend deutlich, dass die Angestellten im Staatsdienst als Instrument des Zusammenhaltes – als „Kleber“ – funktionieren müssen. In der nationalen Einheit liegen die Stärken und Kompetenzen für Deradikalisierung und Prävention.

Vor allem anderen aber sei die Befolgung der Pancasila das wichtigste Instrument zur Homogenisierung der Handlungsgrundsätze und gelte somit als oberstes Ideal für die Bekämpfung von Extremismus und Terror. Die Pancasila ist in der Präambel der indonesischen Verfassung verankert und repräsentiert die fünf Grundsätze der nationalen Ideologie. Indra Kramadipa vom Kabinettsekretariat betonte in seinem Vortrag, dass die Provinzen mit ihren vielen verschiedenen Identitäten durch die Grundsätze der Pancasila vereint werden.

Damit die Lokalregierungen mit gezielten Früherkennungs- und Präventivmaßnahmen aktiv werden können, müssen Personen von Interesse erst einmal ausfindig gemacht werden. Faizal Thayeb, Direktor der Abteilung Terrorismusbekämpfung des staatlichen Geheimdienstes, wies darauf hin, dass sich besonders viele Menschen über das Internet radikalisieren. Dabei komme es zum „lone wolf phenomenon“. Einzelgänger, „einsame Wölfe“, radikalisieren sich zurückgezogen über das Internet. Diese einsamen Wölfe müsse man identifizieren, bevor sie sich in größeren Gruppen zusammenfinden.

Nicht nur durch das Internet, auch in Moscheen, Schulen, Universitäten und in Gefängnissen radikalisieren sich besonders viele Menschen, so Herr Ir Hamli von der Nationalen Behörde zur Terrorismusbekämpfung. Gezieltes „Monitoring“ auf ziviler und staatlicher Ebene soll helfen, sowohl bereits Radikalisierte, als auch die, die es (noch) nicht sind, ausfindig zu machen. Das wiederum erfordert eine exzellente Zusammenarbeit von Regierung, Autoritäten und der Gesellschaft.

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Indonesien, 2. November 2017