Eine Ausstellung zum europäischen Projekt Adenauers, De Gasperis und Schumans

Auch verfügbar in Italiano

Vom 20. bis 26. August 2017 organisierte die De-Gasperi-Stiftung in Zusammenarbeit mit der Konrad-Adenauer-Stiftung Italien und der Maison de Robert Schuman beim „Meeting“ in Rimini eine Ausstellung zu den politischen Visionen der drei „Väter der Europäischen Union“. Das „Meeting“ ist ein seit 1980 jährlich in der Messe Rimini stattfindendes einwöchiges Event, das eine facettenreiche und breite kulturelle Reflexion bietet. Das diesjährige Thema war das von Goethes Faust formulierte „Was du ererbt von deinen Vätern hast, erwirb es, um es zu besitzen“.

Für Adenauer, De Gasperi und Schuman konnte jene dringende neue Solidarität zwischen denselben Völkern, die durch Nationalismus und zwei Weltkriege verfeindet waren, nur durch die Überwindung der Nationalstaatsidee und die Konstruktion von supernationalen Traktaten und Institutionen verwirklicht werden. Das gegenseitige Vertrauen und der nötige Mut, um diese Schritte zu gehen, wurden möglich aufgrund jener Freundschaft, die sich dank ihrer gemeinsamen christlichen Überzeugungen zwischen den drei Staatsmännern entwickelte. Eben dieser Geburt des neuen Europas ausgehend von den Biographien und den ersten politischen Erfahrungen Adenauers, De Gasperis und Schumans (erster Teil der Ausstellung) über deren Rolle im politischen Neuaufbau (zweiter Teil) bis hin zu den ersten europäischen Institutionen der Montanunion und der nicht ratifizierten Europäischen Verteidigungsgemeinschaft (dritter Teil) ist Thema der Ausstellung. Der erste Teil dieser „Geschichte einer Freundschaft“ betrachtet die drei Staatsmänner, die alle in der Peripherie ihrer Nationen geboren wurden, in derselben Sprache kommunizierten und ihre politischen Visionen bereits in der Zwischenkriegszeit an den Prinzipien der Kirchlichen Soziallehre ausrichteten. Bereits in den 20er Jahren entwickelte Adenauer als Bürgermeister von Köln neue Ideen zu einer konföderativen Zusammenarbeit Frankreichs und Deutschlands in der Ruhrfrage. In denselben Jahren lernten sich auch Adenauer und De Gasperi anlässlich eines Treffens der italienischen und deutschen Christdemokratie kennen. Alle drei mussten sich im Totalitarismus zwangsweise aus der Politik zurückziehen und fanden in kirchlichen Einrichtungen Zuflucht (De Gasperi im Vatikan, Adenauer und Schuman in Klöstern), wo sie über die politische Neuordnung Europas auf der Grundlage des christlichen Personalismus nachdachten. Der zweite Teil der Ausstellung dokumentiert die Übernahme nationaler politischer Ämter Adenauers, De Gasperis und Schumans, in denen sie ihre neue Vision Europas schrittweise realisieren konnten. Der Europäische Rat und der Atlantische Pakt wurden zwar zunächst ohne Beteiligung Deutschlands gebildet, das noch nicht als Nationalstaat konstituiert war, doch wurde die Stimme Adenauers durchaus vernommen. Dieser betonte in der Tat stets die Notwendigkeit, Deutschland in enger Verflechtung mit den Völkern des Westens zu konstituieren, und sah in „Sowjetrussland“ das politische Gegenmodell zu den Grundprinzipien des christlichen Menschenbildes. Im dritten Teil der Ausstellung geht es um die Realisierung dieses Ideals. Adenauer, De Gasperi und Schuman gelang es, die Europäische Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS, Montanunion) zu gründen, die die im sog. „Schumanplan“ ausgesprochenen Leitlinien verwirklichte. Diese wurde zusammen mit den Benelux-Ländern 1951 ratifiziert. Ein zweites Projekt zur Schaffung der neuen politischen Realität Europas als Ausdruck von Friede und Freiheit war die Europäische Verteidigungsgemeinschaft (EVG), die jedoch nach dem Ausscheiden Schumans aus seinem politischen Amt 1953 von Frankreich nicht ratifiziert wurde. Mit dem Tod De Gasperis 1954 musste sich Adenauer zur Realisierung des gemeinsamen Projekts, das „die Prinzipien des Christentums auch für die Beziehungen unter den Völkern verbindlich macht“, neue Partner suchen. Die „Geschichte einer Freundschaft“ sollte sich jedoch nicht wiederholen. Die dreißig von Massimiliano Valente und Markus Krienke erstellten Dokumentartafeln, die kurze Sachtexte, Bilder und sprechende Zitate zu den drei Staatsmännern bieten, wurden ferner durch zwei Bildschirme ergänzt, die laufend historisches Material präsentierten. Weiterhin befand sich am Eingang der Ausstellung eine Bocciabahn – jenes von Adenauer während seiner Italienaufenthalte am Comer See in der „Villa La Collina“ in Cadenabbia geliebte Spiel. Wenn auch die drei es wohl niemals zusammen gespielt haben, ist die Bocciakugel jenes alle Tafeln der Ausstellung verbindende Element: Ihre Freundschaft „stößt“ auf die Geschichte und die historischen Ereignisse und schafft dadurch jene Europäische Union, die nicht das Ergebnis von politischen Traktaten ist, sondern Ausdruck gemeinsamer Werte und Ideale. Die Verträge und Institutionen sind umgekehrt die politischen Realisierung und äußere Form dieser inneren Einheit. Diese wird auf der letzten Tafel beschrieben, die am Anfang der Ausstellung noch weiß war, auf der aber die 2000 Besucher in den acht Ausstellungstagen das Europäische Projekt mit Stichworten beschrieben haben: Zukunft, Einheit, Vertrauen, Kultur, Werte, Freiheit – dies sind nur einige all jener, leider immer noch wenig auf Europa bezogenen, Begriffe, die dank dieser Ausstellung nunmehr mit Europa verbunden sind, und zwar nicht nur mit der Vergangenheit, sondern auch mit Gegenwart und Zukunft der Europäischen Union.

Autor

Prof. Dr. Markus Krienke

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Rom, 29. August 2017

the guide explain to the students the main content of the Exhibition on the founding fathers
young student are visiting the Exhibition on the Founding Fathers at the Meeting´ Rimini
Adenauer, De Gasperi, Schuman
Ausstellung: "Founding Fathers: Adenauer, De Gasperi, Schuman", Meeting, Rimini 2017