Jubilee vs. NASA: Kenia vier Wochen vor den Wahlen

Der Wahlkampf in Kenia steuert auf seinen Höhepunkt zu. Die Spitzenkandidaten Präsident Uhuru Kenyatta und Oppositionsführer Raila Odinga absolvierten im Juni je rund 200 Wahlkampfveranstaltungen. Hierbei werfen sich beide Seiten Gesetzesverstöße vor. Ob dies Substanz hat oder eher als Wahlkampfgetöse einzuordnen ist, haben die kenianischen Behörden zu bewerten. Diese sind - bei allen Unzulänglichkeiten in Detailfragen – auf die Wahlen relativ gut vorbereitet.

Am 8. August haben die knapp 20 Millionen registrierten Wahlberechtigten je sechs Stimmen:

  • Eine Stimme zur Präsidentschaft und Vizepräsidentschaft (auf einem gemeinsamen Ticket nach US-amerikanischem Vorbild)
  • Eine Stimme zur Nationalversammlung (290 Abgeordnete per Mehrheitswahl in 290 Wahlkreisen)
  • Eine Stimme für eine Frauen-Repräsentantin als Mitglieder der Nationalversammlung (je eine Frau in jedem der 47 Counties)
  • Eine Stimme zum Senat (je eine Person in jedem der 47 Counties)
  • Eine Stimme für den County-Gouverneur
  • Eine Stimme für die County-Parlamente (1 Vertreter pro Ward nach Mehrheitswahl, insgesamt etwa 1.450 Mitglieder in allen 47 County-Parlamenten)

Alle Wahlen werden nach britischem Vorbild in reiner Mehrheitswahl durchgeführt, wobei je Wahlkreis die relative Mehrheit genügt. Die einzige Ausnahme stellt die Präsidentenwahl dar: Hier ist die absolute Mehrheit der abgegebenen Stimmen sowie zusätzlich mindestens 25 Prozent der Stimmen in mindestens 24 der 47 Counties erforderlich. Erreicht kein Kandidat diese Mehrheit im ersten Wahlgang, muss innerhalb von 30 Tagen eine Stichwahl der beiden bestplatzierten Kandidaten durchgeführt werden.

Am Wahltag müssen sich die Wähler an elektronischen Wähleridentifikationsgeräten identifizieren, welche in jedem Wahllokal durch biometrische Technologie sicher stellen sollen, dass wirklich nur die registrierten Wähler an der Wahl teilnehmen. Erst nach erfolgreicher Identifikation werden die sechs verschiedenen Wahlzettel ausgehändigt, welche, so wie auch in Deutschland üblich, hinter einem Sichtschutz manuell mit Kreuzen versehen und dann in die verschiedenen Wahlurnen eingeworfen werden.

Den gesamten Länderbericht zu Kenia vier Wochen vor den Wahlen können Sie als PDF herunterladen.

Autor

Dr. Jan Cernicky

Serie

Länderberichte

erschienen

Kenia, 10. Juli 2017

Frauen vom Stamm der Massai in Kenia. | © Dylan Walters / Flickr / CC BY 2.0

Frauen vom Stamm der Massai in Kenia. Wahlen im Land entscheiden sich immer noch entlang ethnischer Grenzen. | © Dylan Walters / Flickr / CC BY 2.0

Kontakt

Dr. Jan Cernicky

Leiter des Auslandsbüros Kenia

Dr. Jan Cernicky
Tel. + 254 20 2610021/2
Fax + 254 20 2610023
Sprachen: Deutsch,‎ English,‎ Français