PoliTalk
Herausforderungen und Realität des Menschenhandels in Kolumbien
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Am Mittwoch, den 2.September 2009, wurde der PoliTalk der Konrad Adenauer Stiftung zum Thema „Herausforderungen und Wirklichkeiten des Menschenhandels in Kolumbien“ (Retos y realidades de la trata de personas en Colombia) in den Räumlichkeiten des Büros der Vereinten Nationen gegen Drogen und Verbrechen (UNODC) veranstaltet. Eingeladen waren Vertreter der Nationalpolizei, der UNODC, der Militäruniversität Neu Granada, der Stiftung Esperanza und des Zentrums für Weiterführende Studien in Amerika.
Jeder Teilnehmer präsentierte eine andere Perspektive des schwerwiegenden Problems des Menschenhandels in Kolumbien. Trotzdem gab es viele Gemeinsamkeiten. Einig war man sich vor allem darin, dass es in Kolumbien grosse Fortschritte in diesem Bereich gegeben habe, die aber lange noch nicht zufriedenstellend sind. Es wurden zwar schon Gesetzesänderungen vorgenommen und die nationale und internationale Kooperation zwischen den nationalen Institutionen und ausländischen NGOs wurde besser koordiniert, aber auch in diesen Bereichen muss noch einiges verändert werden.
Eine Tatsache, die der Erklärung bedarf, sind die fehlenden Verurteilungen in Delikten des Menschenhandels. Hierfür lassen sich viele Gründe benennen, die sich im Individuum (Täter wie Opfer), aber auch in sozialen und juristischen Strukturen finden, die in Kolumbien weiterhin bestehen.
Die kolumbianische Polizei fasst unter Menschenhandel inzwischen einen weitgehenden Rahmen an Delikten wie z.B. sexuelle Ausbeutung, Zwangsbettelei und Zwangsarbeit zusammen. Die typischen Profile der Opfer und der Täter gleichen sich in einigen Merkmalen wie z.B. das Umfeld der Gewalt, andererseits zeichnen sich die Opfer auch durch niedriges Bildungs- und sozialökonomisches Niveau und das Interesse an der Überwindung ihrer Situation aus, während die Täter den Menschenhandel als Einkommensquelle sehen und die Umstände der absoluten Armut der Opfer ausnutzen, um sich selbst zu bereichern. Bemerkenswert ist, dass die Täter meistens Verwandte oder nahe Bekannte der Opfer sind.
Man muss zwischen inländischem und ausländischem Menschenhandel unterscheiden, da im zweiten Fall die internationale Kooperation gefragt ist und die Probleme sich deutlich unterscheiden, da sich die Personen im Ausland meist illegal – oder wie einige der Teilnehmer es bezeichneten „irregulär“ – aufhalten und dort auch keine familiären Bindungen haben. Diesen Kolumbianern im Ausland muss geholfen werden, weil sie weiterhin kolumbianischer Nationalität sind und der Staat sich um alle seine Bürger kümmern sollte (insgesamt handelt es sich um vier Millionen Kolumbianer im Ausland).
Zur Verbesserung der internen Situation hat der Anerkennungsprozess der Menschenrechte der Vereinten Nationen und der internationalen Gemeinschaft insgesamt beigetragen. Trotzdem ist dies sehr kompliziert, da jedes Land seine eigenen Normen und Gesetze in Bezug auf die Menschenrechte hat. Somit sprechen die Staaten oft von unterschiedlichen Dingen, und ein Staat deutet ein Delikt als Menschenhandel während ein anderer es als gewöhnliches Verbrechen bewertet.
Der Kampf gegen den Menschenhandel muss bei der Veränderung der strukturellen Ursachen anfangen und sich nicht nur auf die Bekämpfung der Folgen beschränken. Um mit den Problemen fertig zu werden, müssen also diese strukturellen Missstände behoben werden. Letztlich steht fest, dass es nicht ausreicht, die Probleme nur zu verwalten und festzustellen, es muss etwas gegen den Menschenhandel unternommen werden, der Staat muss die Opfer schützen und die Menschenhändler verurteilen.
Serie
Veranstaltungsbeiträge
erschienen
Kolumbien, 2. September 2009