Memoria diversa: 12 Reportagen

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Am 8,9 und 10 Juli fand in Bogotá der Workshop “Memoria diversa: 12 historias periodísticas” (Historische Erinnerung aus unterschiedlichen Perspektiven: 12 Reportagen) statt, an dem verschiedene Reporter des Landes teilnahmen. Der Workshop soll dazu beitragen, künftig eine Berichterstattung über den bewaffneten Konflikt in den Regionen und die daraus entstandenen Friedensbewegungen aus einer anderen Perspektive zu ermöglichen. Die Reportagen sollen im November 2017 in einem Buch veröffentlicht werden.

Am 8,9 und 10 Juli fand in Bogotá der Workshop “Memoria diversa: 12 historias periodísticas” (Die andere historische Erinnerung: 12 Reportagen) statt, an dem verschiedene Reporter des Landes teilnahmen. Der Workshop soll dazu beitragen, künftig eine Berichterstattung über den bewaffneten Konflikt in den Regionen und die daraus entstandenen Friedensbewegungen aus einer anderen Perspektive zu ermöglichen. Die Reportagen sollen im November 2017 in einem Buch veröffentlicht werden. Wie bringt man Vergangenes in die Gegenwart? Und wie berichtet man über Versöhnungsprozesse, Vergebung und Friedensbemühungen von Menschen oder Gemeinden, die von der Gewalt im Land direkt betroffen sind? Das waren die zentralen Fragen, die es im Rahmen des Workshops „Memoria diversa: 12 historias periodísticas“, zu klären galt. Der Workshop wurde von der Journalismus-Expertin Patricia Nieto und dem Wissenschaftler und Direktor des Projekts „Verdad Abierta“ Juan Diego Restrepo geleitet und richtete sich an 12 Reporter aus verschiedenen Regionen des Landes.

Der Workshop, der am 8., 9., und 10. Juli stattfand, ist Teil eines journalistischen Ausbildungs- und Produktionsprozesses des Consejo de Redacción (CdR), bei dem Beiträge zum Thema historische Erinnerung publiziert werden sollen. Das Projekt, das auf dem in 2016 erschienenen Buch „Pistas para Narrar la Memoria“ basiert, wird von der Konrad Adenauer Stiftung (KAS) gefördert.

Grundlage der Veranstaltung des vergangenen Wochenendes bildete die im Buch erörterte Methodologie, die von Patricia Nieto und Juan Diego Restrepo wieder aufgegriffen wurde; dabei wurden Fallbeispiele und Reportagen aus verschiedenen Blickwinkeln betrachtet und von den Journalisten diskutiert.

Das historische Gedächtnis

Patricia Nieto, die Doktor der Kommunikationswissenschaften der Universidad de la Plata ist, (Dozentin für Journalistik der Universidad de Antioquia und Leiterin des Projekts Hacemos Memoria) konzentrierte sich in der Sitzung am Samstag den 8. Juli darauf, ausgehend von der Dokumentation La maleta mexicana (2011), über das historische Gedächtnis zu reflektieren. Die Dokumentation handelt vom spanischen Bürgerkrieg, dessen Aufzeichnung durch renommierte Fotografen wie Robert Capa, vom Verschwinden der Fotos und Negative und deren Wiederauffindung in Mexiko. Ein Film, der offen legt, wie eben jene Suche mit den Spaniern in Verbidnung gebracht wird, die den Krieg erlebt haben – die sich der Diktatur Francos widersetzt haben- und nun versuchen die Erinnerungen wiederherzustellen an Geschehnisse, die sie erlitten haben und an den Kampf ihrer Freunde, Väter und Mütter, die zu jener Zeit verschwanden.

Nach Betrachtung der Dokumentation, teilten sich die Reporter in Gruppen auf, um die Bilder und Handlungen des Films Minute für Minute zu rekonstruieren. Das Ergebnis war ein fünf-seitiger Leitfaden, der die Herausforderungen für den Erzähler aufzeigt: zum Beispiel die Intention, die Szenen, oder die Reportage selbst.

Aufgrund der Ergebnisse wurde eine Diskussion in der Gruppe eröffnet, die zeigte wie Lücken in der Erinnerung überwunden werden können, wenn verschiedene Versionen bestehen und ein gemeinsames Erlebnis von verschiedenen Protagonisten erzählt wird.

Alles mit einer Absicht: die Vergangenheit mit Hilfe des Journalismus in die Gegenwart zu holen. Mit anderen Worten: durch das Erzählen schmerzlicher Ereignisse, aus der Perspektive der Betroffenen (Opfer), kann dazu beigetragen werden, die Entwicklung des Konflikts aufzuklären. Es werden die Stimmen derjenigen festgehalten, die laut der öffentlichen Meinung am meisten gelitten haben, ihre Geschichten erzählen vom Schmerz, aber auch von Widerstand und Würde.

Die Archive

In der Sitzung am Sonntag den 9. Juli erklärte Juan Diego Restrepo, Journalist und Direktor des Projekts Verdad Abierta (Internetportal, das auf Reportagen über den bewaffneten Konflikt in Kolumbien spezialisiert ist), die Bedeutung von Archiven sowohl für die journalistische Recherche, als auch für die Aufklärung von Gewalttaten, um die Verantwortlichen zu stellen und somit eine politische Verantwortung zu schaffen.

Ein konkreter Fall dieser Übung ist die Systematisierung, die das Internetportal Verdad Abierta mit über 7000 vom kolumbianischen Geheimdienst freigegebenen Archiven durchführt. Die Archive geben Hinweise darauf wie im Falle von einigen Menschenrechtsaktivisten in den 60er und 70er Jahre Spionage und Stigmatisierung letztendlich zu deren Ermordung geführt haben.

Bei dieser Übung muss man sich, laut Juan Diego, im Klaren darüber sein, dass die Archive Spuren der Vergangenheit sind, die nachfolgende Ereignisse erklären können. Außerdem, wird der Wert der Archive zum einen durch den Kontext, in dem sie erstellt wurden, und zum anderen durch die Fähigkeiten des Journalisten bestimmt, der sie rekonstruiert hat. Deshalb muss man herausfinden, ob die Dokumente für eine Reportage über die historische Erinnerung in den Händen des Staates (Geheimdienste, staatliche Einrichtungen für Sicherheit, Kontrolle, Registrierung und Justiz) und in den Händen von Privatpersonen sind und ob der Zugriff durch offene oder geschlossene Datenbanken erfolgen kann.

Juan Diego äußerte zudem die wichtige Überlegung, dass “der Zugang zu den Daten eine Notwendigkeit ist, um die Prozesse der Übergangsjustiz voranzubringen und somit zur Beachtung des „derecho a la verdad“ (Recht auf Wahrheit) der Opfer im Rahmen des Postkonflikts beigetragen wird. Dadurch soll gleichzeitig das Recht auf Justiz, Reparation und Nichtwiederholung garantiert werden. Aus diesem Grund, stehen sind Archive und Dateien im Zentrum aller Pflichten des Staates, um die Rechte der Opfer zu gewährleisten (Auro Fraser, 2015)“.

Hinweise für die Berichterstattung über Historische Erinnerung

Olga Behar, Journalismus Expertin, Kevin Garcia, Journalist und Wissenschaftler der Universidad del Valle und Ginna Morelo, Präsidentin des CdR und Editorin der Einheit für Investigativen Journalismus der Zeitung El Tiempo, sind Autoren des Buches „Pistas para Narrar la Memoria“. Sind autoren des Buches „Pistas para narrar la historias“ In der Sitzung vom 9.Juli erklärten sie die Methodologie für Reportagen über Historische Erinnerung, wie sie in der Publikation beschrieben ist. An dieser Stelle kam noch einmal zum Ausdruck, dass die Erzählungen der Opfer, sowie die Rekonstruktion der Umstände und die Abfrage und Systematisierung von Archiven essentielle Elemente für eine klare und konsequente journalistische Arbeit sind.

Behar, García und Morelo werden gemeinsam mit Gloria Castrillón (Editorin der Zeitung El Espectador) die 4 Editoren der 12 Geschichten sein, die von den Teilnehmern des Workshops zwischen dem 10. Juli und dem 10. August geschrieben und berichtet werden sollen. Die Themen und Schwerpunkte dieser Geschichten wurden von einem Redaktionsbeirat, der am 10. Juli getagt hatte, definiert.

Die Journalisten werden in verschiedene Teile des Landes reisen, um die Geschichten und Erlebnisse festzuhalten, wie sie tatsächlich von verschiedenen Bevölkerungsgruppen erlitten und erlebt wurden. Sie werden über die Erfahrungen verschiedener indigener und afroamerikanischer Bevölkerungsgruppen berichten, aber auch die Geschichten der Bauern, der Frauen, der behinderten Menschen, der Menschen aus dem sozialen Sektor LGTBI, sowie von Jungen, Mädchen und Erwachsenen schildern. Geschichten, die über ein Land mit großer Vielfalt berichten werden, geschildert von Reportern, deren große Aufgabe darin besteht, zu forschen.

Die Geschichten, werden abschließend von Patricia Nieto überprüft und bearbeitet. Sie wird dadurch dem Buch, das im November dieses Jahres veröffentlich wird, den letzten Schliff geben. Ohne Zweifel wird die Publikation zur Wahrheitsfindung und Aufklärung von Gewalttaten in Zeiten der Umsetzung des Friedensabkommens zwischen der Regierung und der FARC-Guerilla beitragen.

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Kolumbien, 14. Juli 2017

Memoria diversa: 12 Reportagen