Historischer Ueberblick ueber die Geschichte Zaires und der Demokratischen Republik Kongo

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1885 Gründung des „Freistaates Kongo“ unter der Souveränität des belgischen Königs Leopold II. De facto erklärt König Leopold auf der Berliner Kongo-Konferenz den Kongo und seine Bewohner zu seinem Privatbesitz.

1908 Der Kongo wird belgische Kolonie. Auf internationalen Druck hin muss König Leopold II den Kongo an den belgischen Staat übergeben.

1960 Unabhängigkeit unter Präsident Joseph Kasavubu und Premierminister Patrice Lumumba (30.6.) nach ersten bürgerkriegsähnlichen Auseinandersetzungen. Lumumba wird bereits im September wieder abgesetzt.

1961 Ermordung von Premierminister Patrice Lumumba

Ab 1960 Sezessionsbestrebungen der rohstoffreichen Provinz Katanga bringen die noch junge Republik an den Rand des Zerfalls.

Erster UN-Einsatz im Kongo zur Wiederherstellung der Staatlichkeit.

1965 Mobutu putscht sich an die Macht und Präsident Kasavubu wird abgesetzt.

1967 Verstaatlichung der Bergbauindustrie und Einführung eines Einparteiensystems.

1971 Umbenennung des Kongo in Zaire.

1990 Einführung eines Mehrparteiensystems durch Mobutu aufgrund des stärker werdenden Druckes der Demokratisierungsbewegungen in Nachbarländern und dem Bestreben der internationalen Gemeinschaft nach dem Ende des Kalten Krieges autoritäre Regime nicht weiter zu unterstützen.

1991-1992 Nationalkonferenz unter de Führung Mgr Monsengwos beschliesst die Demokratisierung Zaires

1992-1993 Plünderungen durch die Armee und Unruhen setzen dem Demokratisierungsprozess ein vorläufiges Ende

1993 Beginn ethnischer Vertreibungen in Katanga und Kivu (gegen die Tutsi-Minderheit der Banyamulenge)

1994 Hutu-Milizen und Teile der Hutu-Armee, verantwortlich für den Genozid in Ruanda, etablieren sich in den Flüchtlingslagern in Kivu.

1996 Aufstand der Banyamulenge im Osten Zaires führt zur AFDL Rebellion Laurent Desirée Kabilas, der sich mit Hilfe der Nachbarstaaten Uganda und Ruanda vom Osten nach Kinshasa vorarbeitete und 1997 Einzug in Kinshasa hält.

1997 Sturz und Flucht Mobutus ins marokkanische Exil; LD Kabila wird Präsident der Demokratischen Republik Kongo

1998 Neue Rebellion im Osten des Kongo, nachdem LD Kabila sein Bündnis mit den Allianzpartnern Uganda und Ruanda aufkündigte. Diese stellen sich nun gegen das Kabila-Regime. Der nun beginnende Bürgerkrieg dehnt sich vor allem im Norden und Osten aus. Auf Seiten der zahlreichen und kaum noch zu kontrollierenden Rebellengruppierungen sichern sich Ruanda und Uganda Einflusszonen und Zugang zu Rohstoffen. Auf Seiten des Kabila-Regimes greifen Angola, Zimbabwe, Namibia und Tschad aktiv in die militärischen Auseinandersetzungen ein. Der Kongo unterteilt sich ab 1998 in vier Herrschaftszentren.

1999 Friedensabkommen von Lusaka wird unterzeichnet. Dieses scheitert jedoch schon bald, da weder die Akteure den Willen zur Einstellung der Kampfhandlungen mitbringen, noch die internationale Gemeinschaft weitreichenden Druck ausübten. Im Kontext des Lusaka-Abkommens setzte der UN-Sicherheitsrat MONUC ein und gab dieser Mission ein umfassendes Mandat. Zentrale Aufgabe MONUCs ist die Unterstützung der kongolesischen Armee beim Vorgehen gegen bewaffnete Rebellen im Osten des Landes. Dort ist der Hauptteil der etwa 17.500 MONUC Soldaten und Polizisten stationiert. MONUC leistete darüber hinaus in der Vorbereitung und Begleitung der Wahlen einen wichtigen logistischen Beitrag und stellt die grösste Lufttransportflotte und Infrastruktur in der DR Kongo.

2001 Präsident LD Kabila wird von einem Leibwächter ermordet. Hintergründe und Akteure sind bis heute nicht bekannt und zahlreiche Gerüchte umranken das Attentat. Das von ihm ernannte Parlament ernennt seinen Sohn zum Nachfolger. Unter Joseph Kabila gewinnt der Friedensprozess erstmals Dynamik. Der innerkongolesische Dialog beginnt unter Vermittlung Südafrikas in Sun-City.

2002 Abschluss des alle Parteien umfassenden Friedensabkommens und Beginn einer Übergangsregierung, an dessen Spitze Präsident Kabila steht. Ihm werden jeweils die Führer der grössten Rebellengruppierungen und der Zivilgesellschaft als Vizepräsidenten beigestellt.

2003 UN-Militärintervention gegen ethnische Milizen in Ituri im Ostkongo (Kampf der Hema gegen Lendu). Der von Frankreich geführten Operation gelingt die Stabilisierung des Distriktes. Milizen etablieren sich jedoch schon bald in von ihnen selbst verwalteten Enklaven.

2005 Verfassungsreferendum

2006 Präsidentschafts-, Parlaments- und Provinzwahlen. Zum ersten Mal ist die kongolesische Bevölkerung in der Lage, in einem Mehrparteienkontext ihr Votum abzugeben. Präsident Kabila gewinnt im zweiten Wahlgang mit 58% der Stimmen gegen seinen Herausforderer Vize-Präsident Jean-Pierre Bemba. Zuvor war es bereits zu militärischen Auseinandersetzungen in Kinshasa zwischen den bewaffneten Leibgarden und der Präsidentengarde gekommen. Jean-Pierre Bemba, der zunächst die Ergebnisse der Wahlen anzweifelte, entschloss sich dann dennoch in die Opposition zugehen und wurde zum Senator gewählt. Der ehemalige Vize-Präsident beharrte jedoch auf die Beibehaltung seiner bewaffneten Leibgarde und verweigerte deren Entwaffnung. Dies führte im März 2007 zu Kämpfen zwischen den kongolesischen Streitkräften (FARDC) und den Bemba-Milizen. Jean-Pierre Bemba selbst floh währenddessen in die südafrikanische Botschaft und ging kurze Zeit später nach Portugal ins Exil.

2007 Amtseinführung der Regierung von Premierminister Antoine Gizenga

2008 Goma-Friedenskonferenz. Die kongolesische Regierung und die diversen Rebellengruppierungen Nord- und Süd-Kivus verhandelten zu Beginn des Jahres 2008 unter der Ägide der Vereinten Nationen, der Europäischen Union, der Vereinigten Staaten, der Konferenz der Grossen Seen sowie der Afrikanischen Union über eine Wiederherstellung des Friedens in den beiden Provinzen. Das am 23. Januar 2008 erzielte Übereinkommen weckte kurzfristig die Hoffnung auf Beendigung des seit zehn Jahre währenden Konflikts, dem überwiegend Zivilisten zum Opfer gefallen sind und bei dem von allen Konfliktparteien schwere Verstöße gegen Menschenrechte begangen wurden.