KAS-Soongsil Universität Workshop

Thema: Veränderungen und Veränderungsprozesse im nordkoreanischen Wirtschaftssystem

Am 5. Dezember 2017 fand in Seoul im Rahmen der gemeinsamen Workshopreihe vom KAS Auslandsbüro Korea und Institute for Peace and Unification (SSIPU) der Soongsil Universität eine Diskussionsveranstaltung statt. Thematisch griff dieser Workshop den Forschungsstand zu den Veränderungen des nordkoreanischen Wirtschaftssystems und dem „Socialist Enterprise Responsibility Management System“ auf.

Nach den Grußworten von Prof. Lee Jeong Chul, Leiter des SSIPU, und Stefan Samse, Leiter des KAS Auslandsbüro Korea, widmete sich die erste Präsentation von Herrn Lee Yeong Hoon, SK Research Institute for SUPEX Management, mit den Veränderungsprozessen des nordkoreanischen Finanzwesens. Dabei wurde deutlich, dass das nordkoreanische Regime aufgrund eines inneren Zusammenbruchs des Finanz- und Banksystems entsprechende Maßnahmen verordnet hat. Als Beispiel fügte Herr Lee die Überführung von einzelnen Filialen der Zentralbank hin zu „kommerziellen“ Banken, die neuerdings Spareinlagen der nordkoreanischen Bürger verwalten und die ein eigenes, nationales Kreditkartensystem etabliert haben.
In der zweiten Präsentation ging Prof. Lee Chang-hee von der Dongguk Universität auf die Schwächen des früheren Planwirtschaftssystems ein, das kein unabhängiges Wirtschaften zuließ. Nach der Umsetzung des staatlich verordneten „Socialist Enterprise Responsibility Management System“ seien laut Prof. Lee Chang-hee nun erste Tendenzen einer Privatwirtschaft und einer Erholung der Wirtschaft sichtbar.
Herr Lim Soo Ho vom Korea Insitute for International Economic Policy (KIEP) bezog im folgenden Vortrag die Auswirkungen der von der internationalen Gemeinschaft verfügten Sanktionspolitik auf die nordkoreanische Wirtschaft mit ein. In diesem Zusammenhang drängte sich die Frage auf, warum die weitreichenden Strafmaßnahmen sich bisher nicht deutlicher auf die Wirtschaftsleistung Nordkoreas ausgewirkt haben. Nach Herrn Lim Soo Ho sei erst damit zu rechnen, wenn die Handelseinschränkungen gegen Nordkorea in vollem Umfang zum Tragen kommen.
Dr. Kim Kihun von der Foundation of Inter-Korea Cooperation fügte in seinem Vortrag an, dass nordkoreanische Unternehmen nach der Umsetzung der Reformen, die eine neue Form des Unternehmensmanagement betreffen, nun teilweise Gewinne frei generieren können. Dementsprechend hat Nordkorea aus wirtschaftlicher Sicht aus den Finanzkrisen der Vergangenheit gelernt und versucht nun, mithilfe einer gesteigerten Autonomie des Finanzmanagementsystems von Unternehmen die Wirtschaft weiter anzukurbeln.
Nach den vier Vorträgen folgte zwischen dem Publikum und den Referenten eine rege Diskussion über den Forschungsstand zu den Wirtschaftsreformen des nordkoreanischen Regimes. Die Referenten hoben in diesem Zusammenhang hervor, dass der Wandel der nordkoreanischen Wirtschaft und die Sanktionswirkungen weiter erforscht werden muss. Weiterführende Forschungsergebnisse werden deshalb im Rahmen der Workshopreihe im Jahr 2018 vorgestellt.

Autor

Stefan Samse

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Korea, 5. Dezember 2017

KAS - Soongsil Universität Workshop 5. Dez 2017