Zwanzig Jahre Wiederherstellung der Unabhängigkeit Litauens

Im Beisein der Staatsoberhäupter Estlands, Lettlands, Finnlands, Sloweniens und Polens hat Litauen am 11. März feierlich der Wiederherstellung seiner Unabhängigkeit vor zwanzig Jahren gedacht.

Am 11. März 1990 erklärte Litauen als erste der Sowjetrepubliken seine Unabhängigkeit von Moskau. Der Oberste Rat Litauens unter dem Vorsitz des Musikwissenschaftlers und heutigem Europaabgeordneten Vytautas Landsbergis stimmte für die „Erklärung über die Wiederherstellung der Unabhängigkeit des litauischen Staates“. Nach deren Verkündung wandte sich das Land an die Völker der Welt und erbat Unterstützung sowie Solidarität. Trotz anfänglichen Drucks aus Moskau erkannte die Weltgemeinschaft nach dem gescheiterten Putsch gegen Gorbatschow im August 1991 endgültig die wiederhergestellte Unabhängigkeit Litauens an.

Die Feierlichkeiten am 11. März 2010 wurden in der Seimas vor geladenen Gästen mit den historischen Filmaufnahmen des konstituierenden Obersten Rates vor zwanzig Jahren begonnen. Im Plenum, wo sonst die Abgeordneten des litauischen Parlaments tagen, hatten noch mal all jene Platz genommen, die am 11. März 1990 für die Loslösung Litauens aus der Sowjetunion stimmten.

In ihrer Begrüßungsansprache rief Staatspräsidentin Dalia Grybauskaite ihre Landsleute angesichts der Wirtschaftskrise Litauens zu Geschlossenheit und Zuversicht auf. Der unstillbare Wunsch nach Freiheit und Unabhängigkeit habe die Menschen, so unterschiedlich sie auch gewesen seien, vor zwanzig Jahren zusammengeführt und an diesem einen Ziel auch im Anblick der sowjetischen Panzer festhalten lassen.

An die sich gleichzeitig etablierenden Freiheitsbewegungen im benachbarten Lettland und Estland erinnerten Vytautas Landsbergis und der ehemalige estnische Staatspräsident Arnold Ruutel in ihren Ansprachen. Ebenso würdigten die Staatspräsidenten Polens (Lech Kaczyński), Sloweniens (Danilo Türk) und Finnlands (Tarja Halonen) die Leistung des litauischen Volkes während der Wiederherstellung der Unabhängigkeit Litauens sowie während des nachfolgenden Transformationsprozesses.

In einer bewegenden Ansprache bat der ehemalige Duma-Abgeordnete und heutige Vorsitzende der Stiftung Memorial Sergei Kovalev um Vergebung für die fast 50jährige sowjetische Besatzungszeit in den Baltischen Ländern. Kovalev selbst saß in den Jahren 1974/75 als politischer Gefangener im Gefängnis des sowjetischen Geheimdienstes KGB in Vilnius ein.

Im Anschluss an den Festakt im Parlament wurden auf dem Unabhängigkeitsplatz die Flaggen der drei Baltischen Länder gehisst. Zehntausende Menschen feierten den 20. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit auf den Straßen von Vilnius ausgelassen mit Konzerten und Militärparade und ließen tatsächlich für einen Augenblick die gegenwärtigen Schwierigkeiten des Landes in den Hintergrund treten.

Autoren

Andreas Michael Klein, Rita Lapinienė

Serie

Länderberichte

erschienen

Litauen, 16. März 2010