Seerecht und marokkanische Interessen

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Gemeinsam mit der juristischen Faculté Agdal der Université Mohammed V hat das Länderbüro Marokko am 2. März 2017 eine Internationale Konferenz zu aktuellen Fragen des Seerechts durchgeführt.

Dem internationalen Seerecht kommt im Kontext sehr vieler politischer und staatsrechtlicher Probleme Marokkos eine zentrale Bedeutung zu. Zum einen zählen rund 3.500 Kilometer Meeresküste zum nationalen Territorium; zweitens betrifft dies sowohl das Mittelmeer als auch den Atlantik; und drittens zählt der Umschlaghafen "Tanger Med" bereits seit langem zu einem der größten der Welt. Durch seine zentrale Lage am "Nadelöhr" von Gibraltar kommt ihm eine globale, strategische Bedeutung zu. Und sollten die bereits in Angriff genommenen Umbau-Maßnahmen in einigen Jahren abgeschlossen sein, wird sich seine Größe noch einmal verdoppelt haben.

Vor diesem Hintergrund kommt dem internationalen Seerecht für Marokko nicht nur eine juristische Bedeutung zu, sondern auch eine zentrale wirtschaftliche, außenpolitische und nicht zuletzt sicherheitspolitische. Es hat für die Beziehungen insbesondere zu Spanien, aber auch zu Frankreich und der Europäischen Union insgesamt zentrale Bedeutung. Zu den Teilnehmern der Konferenz zählten deshalb nicht nur Juristen, sondern Ökonomen, Politologen und eine 12-köpfige Delegation der marokkanischen Marine-Akademie. Viele Themen, die als begrenzte Fachdiskussion begannen, entwickelten sich vor diesem Hintergrund zu interdisziplinären Debatten.

Autor

Dr. Helmut Reifeld

erschienen

Marokko, 1. Mai 2018