"Der persönliche Kontakt ist und bleibt entscheidend."

E-lection Bridge Africa: Interview mit Libolly L. Haufiku

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Wer vom KAS-Büro in Windhoek aus dem Fenster schaut, dem liegen einige Sehenswürdigkeiten des politischen Namibias zu Füßen: Der Betrachter sieht unter anderem den Rohbau des Unabhängigkeitsmuseums sowie das Verfassungsgericht. Für unseren Interviewpartner Libolly L. Haufiku sind diese Orte mit Symbolik aufgeladen. Zum einen war er in der Vergangenheit selbst ein Mitglied der Befreiungsbewegung, zum anderen kämpft er nun mit seiner neuen Partei „Rally for Democracy and Progress“ (RDP) vor Gericht engagiert gegen Wahlmanipulationen seiner ehemaligen Mitstreiter. Wir treffen uns zum Gespräch. In Namibias Parteienlandschaft genießt Haufiku einen exzellenten Ruf als brillianter Stratege.

KAS MEDIEN AFRIKA: Willkommen zur E-lection Bridge Africa, Herr Haufiku. Erinnern Sie noch an Ihren ersten Wahlkampf mit der RDP?

LIBOLLY HAUFIKU: Ja, natürlich. Unsere Partei war frisch gegründet und viele unserer prominenten Mitglieder kamen damals von der alles bestimmenden Regierungspartei. Somit gab es auf einmal eine echte politische Alternative in Namibia. Das Programm der RDP zeigte eine völlig neue Perspektive auf und sprach viele Wähler an, die in der Vergangenheit nicht einmal mehr ihre Stimme abgegeben hatten.
Unsere Wahlkampfstrategie bedeutete damals einen Bruch mit der Tradition: Statt der klassischen Massenveranstaltungen gingen wir in die Dörfer und Nachbarschaften, von Haus zu Haus. Diese Basiskampagne war ein riesiger Erfolg: Junge Mitglieder trugen die Botschaft direkt zu den Menschen. Das kam in der Bevölkerung gut an – und überraschte unsere politischen Gegner. Es hat wirklich funktioniert!

KAS MEDIEN AFRIKA: Ich bin sicher, dass sich seitdem viel getan hat. Was hat die RDP inzwischen auf den Weg gebracht?

LIBOLLY HAUFIKU: Sie haben Recht – seit den letzten Wahlen hat sich etliches verändert. Unsere Partei hat einen monatlichen Newsletter ins Leben gerufen – mit dem Titel „Voice of Change“. Und die neue Website hat uns die Möglichkeit eröffnet, junge Leute unmittelbar an unseren Kommunikationsprozessen zu beteiligen – dank der sozialen Netzwerke.

Biographie
Libolly L. Haufiku zeichnet in der RDP zuständig für Auswärtige Beziehungen und Strategie. Er besitzt einen Masters-Abschluß in Soziologie von der Universität Helsinki. Vor der Unabhängigkeit Namibias unterrichtete er Englisch und Geschichte für seine Landsleute in Angola und Kuba. Das frühere SWAPO-Mitglied verließ die Regierungspartei 2007 und schloß sich der frischgegründeten RDP an.

KAS MEDIEN AFRIKA: Sie erwähnten die junge Zielgruppe. Wie digital sind Sie selbst?

LIBOLLY HAUFIKU: Wissen Sie, ich muss zugeben, dass ich ein Fan der neuesten Spielereien auf dem Markt bin, zum Beispiel habe ich mein iPhone immer dabei. Ich bin fasziniert von Facebook, aber bei Twitter bin ich noch außen vor.

KAS MEDIEN AFRIKA: Man hat den Eindruck, als würden die Wahlkampfexperten überall auf der Welt versuchen, die „digitale Revolution“ für sich zu nutzen. Was sind in dieser Hinsicht ganz konkret die Herausforderungen für Politische Kommunikatoren in Namibia?

LIBOLLY HAUFIKU: Die Mehrheit der Namibier auf dem Land hat kaum Zugang zu den digitalen sozialen Netzwerken und kann deshalb nicht – wie gewünscht – am politischen Transformationsprozess teilhaben. Das, würde ich sagen, ist im Moment die zentrale Herausforderung für uns.

KAS MEDIEN AFRIKA: Überall in Afrika explodieren geradezu die Nutzerzahlen der Mobiltelefonie. Spielt das Handy eine signifikante Rolle in ihrer Kommunikationsstrategie?

LIBOLLY HAUFIKU: Ja, denn die meisten Namibier besitzen ein Mobiltelefon, Großmütter und Schulkinder eingeschlossen. Als politische Partei erreichen wir auf diese Weise eine stolze Zahl unserer Landsleute. Ich möchte Ihnen ein Beispiel geben: Einladungen zu Meetings oder Parteiveranstaltungen werden fast nur noch über das Mobiltelefon verschickt. Die Partei hat eine Datenbank ihrer Mitglieder – das hilft natürlich erheblich, sie einzelnen zu erreichen und einzubinden.

KAS MEDIEN AFRIKA: Was denken Sie über die sozialen Plattformen wie Facebook und Twitter im namibischen Kontext?

LIBOLLY HAUFIKU: Sie sind nützlich, aber sie erreichen nur einen begrenzten Nutzerkreis in Namibia. Sie sind für die meisten unserer Wähler schlicht nicht verfügbar. Und vergessen Sie nicht: Radio und Fernsehen spielen immer noch eine wichtige Rolle. Die sozialen Medien können sich in Afrika noch längst nicht mit der Reichweite und der Wirkung von Rundfunk messen.

Über RDP
Die „Rally for Democracy and Progress“ (RDP) ist eine Oppositionspartei in Namibia. Sie wurde von zwei ehemaligen Ministern der Regierungspartei SWAPO, Hidipo Hamutenya und Jesaya Nyamu, im Jahr 2007 ins Leben gerufen. Die Gründung der RDP bedeutet die bisher größte Herausforderung für die politische Dominanz der SWAPO seit der Unabhängigkeit des Landes 1990.

KAS MEDIEN AFRIKA: Die E-lection Bridge will Afrika und Deutschland stärker miteinander verbinden. Was können die deutschen Beobachter von der Politischen Kommunikation in Namibia mitnehmen?

LIBOLLY HAUFIKU: Der persönliche Kontakt ist und bleibt entscheidend. Unsere Traditionen sind auf diesen Kontakt ausgerichtet – sie werden nach wie vor praktiziert. Zum Beispiel: Ein traditioneller Stammesführer wird immer ein persönliches Treffen mit Ihnen bevorzugen – statt einem Telefonat am Handy. Es ist wichtig, dass man das weiß!

KAS MEDIEN AFRIKA: Die letzte Frage, wie immer, in diesem Interviewformat: Was ist „the next big thing“?

LIBOLLY HAUFIKU: Wir müssen die Menschen über die Wahlmanipulationen in Namibia aufklären. Wie Sie vielleicht wissen, kämpfen wir vor Gericht gegen den Ausgang der Wahlen von 2009, die massiv manipuliert waren. Wir konzentrieren uns derzeit darauf, die Methoden offen zu legen, die Verantwortlichen dafür zu benennen – und unsere Parteimitglieder für die Wahlen 2014 auszubilden, damit so etwas nicht wieder passiert.