"Der Werkzeugkasten der politischen Kommunikation gleicht sich an."

E-lection Bridge Africa: Interview mit Oliver Röseler

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Oliver Röseler ist ein gefragter Mann: im politischen Berlin genauso wie in Westafrika. Der Bereichsleiter für Marketing und Interne Kommunikation der CDU Deutschlands ist als prominenter Referent für die erste Konferenz der KAS E-lection Bridge Africa nach Ghana gereist – und wird vor Ort umgehend von zu einem improvisierten Fernsehinterview gebeten. Am Rande der Hauptstadt Accra steht der Politprofi nun im Treppenhaus eines Forschungsinstituts, das im Rahmen von Vorwahlen als Wahlstation dient, und beantwortet geduldig die Fragen der Reporterin. Zum Thema „Politische Kommunikation“ hat der gebürtige Niedersachse jede Menge zu sagen – auch im Gespräch für die E-lection Bridge Africa.

KAS MEDIEN AFRIKA: Herr Röseler, die E-lection Bridge Africa begann mit einem Stück politischer Praxis – mit einem Informationsbesuch bei den Vorwahlen der New Patriotic Party (NPP) im Großraum Accra. Wie haben Sie diesen innerparteilichen Prozeß der KAS-Partnerpartei vor Ort erlebt?

OLIVER RÖSELER: Ehrlich gesagt: Ich war sehr angetan! Wir haben drei Wahllokale in unterschiedlichen Teilen der Hauptstadt besucht und überall trafen wir auf engagierte Menschen. Man konnte förmlich ihren Stolz spüren, dass sie an etwas Wichtigem teilnehmen. Diese Wertschätzung für den demokratischen Meinungsbildungsprozeß hat mir imponiert. Bei uns in Deutschland erscheint es ja als selbstverständlich und ist daher manchmal sehr eingefahren.

Biographie
Oliver Röseler wurde 1969 in Gehrden/Niedersachsen geboren. Politik hat er von der Pike auf gelernt: Bereits in seiner Zeit an der Bonner Universität führte der damalige Jura-Student den Ring Christlich-Demokratischer Studenten (RCDS) als Bundesvorsitzender. Seit 2006 wirkt er als Bereichsleiter für Marketing und Interne Kommunikation der CDU Deutschlands im Konrad-Adenauer-Haus in Berlin. Zwischen 1998 und 2009 war Röseler an vier Bundestags-, drei Europa- und etlichen Landtagswahlkämpfen beteiligt. Auf internationaler Bühne repräsentiert der Familienvater die CDU bei der International Democratic Union (IDU) – im Komitee der Wahlkampfmanager.

KAS MEDIEN AFRIKA: Die E-lection Bridge Africa basiert auf der Erkenntnis, dass die Wahlkampfexperten in Deutschland und den Staaten Afrikas vor ähnlichen Fragen und Herausforderungen stehen. Ist das denn wirklich so?

OLIVER RÖSELER: Die zentrale Aufgabe ist tatsächlich dieselbe: Wir wollen alle mithilfe politischer Kommunikation Stimmen gewinnen, möglichst sogar Mehrheiten. Das eint uns. Und wir haben alle in Accra gemerkt, dass sich das Instrumentarium dazu global annähert. Was uns dagegen unterscheidet, das sind die Rahmenbedingungen – rechtlicher, finanzieller und politischer Natur. Lassen Sie es mich so sagen: Der Werkzeugkasten der politischen Kommunikation gleicht sich an, aber wir greifen bisweilen zu unterschiedlichen Instrumenten. Um im Bilde zu bleiben: Der eine benutzt die Feile, der andere gebraucht die Stichsäge.

KAS MEDIEN AFRIKA: Sie haben für die Konrad-Adenauer-Stiftung schon in einigen Teilen der Welt gewirkt. Jetzt waren Sie einer der Referenten dieser Gründungsveranstaltung der E-lection Bridge Africa – ihr Eindruck?

OLIVER RÖSELER: Ich bin mit ungewissen Erwartungen nach Ghana gereist und wurde positiv überrascht. Zunächst hat mich die Vielfalt beeindruckt: Von kleiner, aber mutiger Opposition bis hin zu ehemaligen Regierungsparteien mit einer gut geölten Maschinerie war alles vertreten. Die Professionalität der Teilnehmer war ausgesprochen hoch. Viele von ihnen machen in ihren Ländern unter schwierigen Bedingungen einen phantastischen Job. Das beflügelt meine eigene Arbeit – gerade vor dem Hintergrund von mehr als 60 Jahren Demokratie in der Bundesrepublik, die viele oft gar nicht mehr wirklich zu schätzen wissen. Also: Mir hat die Veranstaltung einen zusätzlichen Motivationsschub gegeben.

KAS MEDIEN AFRIKA: Sie haben 2009 etliche digitale Instrumente, wie z.B. CDU TV, im Bundestagswahlkampf eingesetzt. Wie digital haben Sie Afrika wahrgenommen bzw. die Teilnehmerländer aus der Region?

OLIVER RÖSELER: Einige der Kampagnen im Afrika von heute sind digital auf Augenhöhe mit der Bundesrepublik. Ja, dies ist ein Kontinent im Aufbruch. Fast wirkt es so, als würden die politischen Kommunikatoren hier eine Stufe auslassen und zwei Stufen auf einmal nehmen. Denn: Häufig sind die modernen Instrumente, insbesondere das Mobiltelefon, auf diesem Kontinent der einzige Weg, Menschen über weite Distanzen zu erreichen. Und vergessen Sie nicht: Youtube und Facebook sind zudem kostenfrei, das ist wichtig! Die zunehmende Digitalisierung hat also handfeste Gründe und wird zukünftig eine noch größere Rolle spielen, da bin ich sicher. Zum Vergleich: In Deutschland wächst die Bedeutung dieses Bereichs zwar auch rasant, in Afrika aber ist er existenziell.

KAS MEDIEN AFRIKA: Die letzte Frage der Interviews auf der Website der KAS E-lection Bridge Africa lautet immer…

OLIVER RÖSELER: … was ist „the next big thing“? Das weiß man doch inzwischen schon (lacht). Ich antworte mit einem konkreten Fallbeispiel von der E-lection Bridge Africa in Ghana. Dort hat uns Michelle Fondo aus Kenia mit ihrer erfolgreichen Facebook-Kampagne sehr beeindruckt. Das hat mich angespornt. Schon seit längerer Zeit beschäftigt mich die Frage, wie man Menschen verstärkt für Politik begeistern kann. Es geht dabei nicht um bestimmte Techniken, sondern eher um eine Philosophie, eine Strategie. Die E-lection Bridge Africa hat mir wieder bewusst gemacht, dass dies die entscheidende Herausforderung ist: Wie interessiert man die Bürger dafür, was Politik tut? Wie erreicht man ihre Köpfe und ihre Herzen? Für die Antwort hat mir die Konferenz in Accra wichtige Impulse gegeben.