"Authentizität spielt eine wichtige Rolle"

E-lection Bridge Africa: Interview mit Michelle Fondo

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Michelle Fondo sitzt beim Seminar von KAS Medien Afrika in Nairobi in der ersten Reihe. Es könnte keine bessere Metapher für das Wirken der Kommunikationsspezialistin geben. Die Kenianerin gehört zu den führenden Mitgliedern von Team Martha Karua 2012. Mit einer Gruppe junger und leidenschaftlicher Anhänger arbeitet Fondo Tag und Nacht dafür, dass die ehemalige Justizministerin Karua die Präsidentschaftskandidatur ihrer Partei „NARC-Kenya“ erringt und bei den Wahlen in Kenia im Jahr 2012 „einen Unterschied“ macht. Insbesondere auf dem Feld der sozialen Medien gilt die Kampagne bei Politikexperten als Vorbild – ein guter Grund, Michelle Fondo zum KAS E-lection Bridge Interview zu bitten.

KAS MEDIEN AFRIKA: Michelle, welche Auswirkungen hat es auf Ihre Kommunikationsstrategie, dass Frau Karua noch nicht offiziell zur Präsidenschaftskandidatin gekürt wurde?

MICHELLE FONDO: Das spielt eigentlich eine untergeordnete Rolle. Martha genießt auch so einen ausgezeichneten Ruf als engagierte Streiterin für gute Regierungsführung, Rechtsstaatlichkeit und Gerechtigkeit. Weitere Schwerpunkte ihrer Arbeit sind Lebensmittelversorgung, die Einbindung der Jugend sowie Gesundheitsfragen. Diese Themen treffen allesamt den Nerv der Wähler – und Martha weist stets auf die überragende Bedeutung einer verantwortungsbewussten Regierungsführung hin. Das ist für sie der Schlüssel, um die Zukunft unseres Landes zu sichern.

Biographie Michelle Fondo und Martha Karua
Michelle Fondo hat als Mitglied des Teams „Martha Karua 2012“ ihre Partei NARC- Kenya in vielen KAS E-lection Bridge-Veranstaltungen vertreten (u.a. beim regionalen Gipfeltreffen im Frühjahr 2011 in Accra).

Martha Karua ist nationale Vorsitzende von NARC-Kenya und strebt die Präsidentschaftskandidatur ihrer Partei an. Momentan ist sie Mitglied des Parlaments und Anwältin am Obersten Gerichtshof von Kenia. Bis 2009 war sie Justizministerin. Auf dem Kontinent wird ihre Kampagne bei der Nutzung von sozialen Medien weit beachtet. So kürte sie der führende Webanalyse-Dienst „Memeburn“ zu den führenden digitalen Politikern in der Region.

KAS MEDIEN AFRIKA: Was sind denn in Ihren Augen die größten Herausforderungen für die Zukunft Kenias – besonders im digitalen Zeitalter von heute?

MICHELLE FONDO: Kenia hat bei der Nutzung von Informationstechnologien einen großen Sprung gemacht. Weil das Surfen im Internet über Festnetz aber immer noch relativ teuer ist, gehen die meisten Menschen mit ihrem Mobiltelefon ins Netz. Allerdings: Von geschätzten 15 Millionen Handynutzern besitzen nur etwa zehn Prozent ein internetfähiges Handy. Folglich haben viele Bürger in unserem Land lediglich einen eingeschränkten Internetzugang – oder überhaupt gar keinen.

KAS MEDIEN AFRIKA: Wie groß ist dann der Einfluss von sozialen Medien wie Facebook oder Twitter auf die politische Kommunikation und Kampagnenfähigkeit?

MICHELLE FONDO: Die Sozialen Medien sind wichtig! Doch die Wirkung bei Wahlkämpfen bleibt vorerst hauptsächlich auf die jungen Leute beschränkt. Warum? Weil sie die sozialen Medien bereits ganz natürlich für ihre Kommunikationsprozesse nutzen.

KAS MEDIEN AFRIKA: Auch wenn da noch viel in Bewegung ist - schon jetzt gehört Kenia zu den führenden Ländern in der Region, wenn wir vom Internet reden. Ihre Kampagne liegt da vorne: Besonders die Facebook-Präsenz von Martha Karua ist ein Erfolg. Haben die sozialen Medien Ihr Leben als politische Kommunikatorin einfacher gemacht – oder schwerer?

MICHELLE FONDO: Sagen wir so: Mithilfe der sozialen Medien können wir unsere Zielgruppe schneller und günstiger erreichen als über traditionelle Medien. Das ermöglicht uns jederzeit, Informationen über Martha, die Partei und unseren Wahlkampf rasch zu kommunizieren. So stehen wir mit dem Teil der Bevölkerung, der „online“ ist, quasi in ständigem Kontakt.

Und da reden wir dann auch wieder von der Jugend. Laut einer Umfrage vom letzten Jahr wird diese Bevölkerungsgruppe die Diskussionen um die nächste Präsidentschaftswahl entscheidend prägen. Die Jungen nutzen jetzt schon soziale Netzwerke, um mit ihren Freunden zu kommunizieren. Deshalb ist unser Facebook-Engagement die Antwort auf zwei relevante Fragen: Wo treffen wir diese Menschen? Wie kommen wir mit ihnen in Kontakt?

Lassen sich mich aber auch sagen: Trotz unserer in Subsahara-Afrika vergleichsweise hohen Quote von Internetznutzern darf man die Realität nicht aus den Augen verlieren. Die Mehrheit unserer Wähler hat weiterhin keinen Internetzugang. Deswegen können wir es uns nicht erlauben, ausschließlich auf soziale Medien zu setzen. Bei uns kommt ein Mix aus traditionellen und modernen Kanälen zum Einsatz.

Über NARC-Kenya
Die Partei NARC-Kenya wurde 2006 als Reaktion auf die starke Polarisierung der kenianischen Gesellschaft während des Verfassungsreferendums 2005 gegründet. Mit ihrer Vision „One Kenya, One Nation, One People” strebt NARC-Kenya eine Gesellschaft ohne Tribalismus an, der oft für Probleme Kenias verantwortlich gemacht wird. Ziel der Partei ist es, einen stabilen, prosperierenden, demokratischen, zivilisierten und modernen Staat zu schaffen. Dieser Staat soll sich innerhalb der Grenzen von Rechtsstaatlichkeit und pluralistischer Demokratie bewegen und ethnische, regionale und genderspezifische Gruppen integrieren. Die Verwaltung wird an den Grundprinzipien der verantwortungsbewussten Regierungsführung, Transparenz und Verantwortlichkeit ausgerichtet.

KAS MEDIEN AFRIKA: Die von Ihnen angesprochene Umfrage der Zeitung „Daily Nation“ zeigt, dass Kenias Jugendliche Martha Karua in bemerkenswertem Maße unterstützen. Einer der Gründe dafür sei ihre „aggressive Nutzung“ von sozialen Internetseiten. Was können Sie in dieser Hinsicht noch tun, um Frau Karuas Ansehen bei der kenianischen Jugend weiter zu verbessern?

MICHELLE FONDO: Martha möchte sich mit den Jugendlichen vernetzen und „tweetet“ dabei persönlich. Sie ist dabei einfach sie selbst! Ihre Authentizität spielt eine wichtige Rolle bei unserem Erfolg in den sozialen Netzwerken. Die Menschen haben dafür ein feines Gespür. Die Anzahl unserer Anhänger bei Twitter wächst ständig. Wir sprechen gezielt Meinungsmacher und Multiplikatoren an und tragen somit die Gespräche in andere soziale Internetforen. Das wollen wir fortführen. Die bereits erwähnten Meinungsmacher nehmen wir auch deshalb ins Visier, damit sie die Diskussionen „offline“ weiterführen. Insgesamt wollen wir dafür sorgen, dass mehr Jugendliche an der Basis politisch aktiv sind.

KAS MEDIEN AFRIKA: Ihre Kandidatin Martha Karua hat mehr Anhänger auf Facebook als die Bundeskanzlerin. Also: Was können die Deutschen von der Politischen Kommunikation aus Kenia lernen?

MICHELLE FONDO: Ich kann nur für uns sprechen. Martha setzt auf Verantwortung und Erreichbarkeit. Sie nutzt die angesprochenen Kanäle selbst und lässt sich fortlaufend über das entsprechende Feedback informieren. Diese Interaktivität ist außerordentlich wichtig, denn so haben die Bürger die Möglichkeit, mit ihr direkt und ungefiltert in Verbindung zu treten. Wir lassen in dieser Hinsicht viel zu - solange dies in angemessener Wortwahl stattfindet.

Wissen Sie, für Kenia bzw. die Wähler hier ist das alles noch weitgehend neu. Sie konnten bisher nicht einfach so mit einer möglichen Präsidentschaftskandidatin reden. Die Politik verfolgte fast ausschließlich einen exklusiven Ansatz - unser Konzept kann dagegen als eher integrativer Ansatz gesehen werden; als ein Versuch, die Beteiligung der normalen „mwananchi“ (Bürger) an der Politik zu erhöhen. Das zeigt auch unser Motto: „Jitokeze”, was soviel bedeutet wie: Steh auf – für ein besseres Kenia!

KAS MEDIEN AFRIKA: Vielen Dank für das Interview! Die letzte Frage wie immer bei der KAS E-lection Bridge Africa: Was ist „next big thing“?

MICHELLE FONDO: Ohne Zweifel: Die Sozialen Medien und der Mobilfunk.