Erfahrungsbericht Verena Löffler

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Die Enden der Welt faszinieren mich schon seit meiner Schulzeit. Osten und Westen hatte ich mit Australien und Kalifornien schon abgehakt, nach meinem Abitur stand mit Südafrika der südliche Zipfel ganz oben auf meiner Reiseliste. Ein Jahr wollte ich mit einer Freundin in einem Waisenheim in Kapstadt verbringen, aber unsere Bewerbung ging verloren (ach Afrika) und ich legte meine Pläne vorerst auf Eis. Als Stipendiatin der Journalistischen Nachwuchsförderung der Konrad-Adenauer-Stiftung traf ich zwei Jahre später den ehemaligen Leiter des Medienprogramms Subsahara-Afrika. Meine Neugier entflammte erneut. Die Lektüre des Buchs von Zeit-Korrespondent Bartholomäus Grill „Ach, Afrika!“ tat sein Übriges und ich bewarb mich für eine Forschungsassistenz in der sagenumwobenen Stadt Johannesburg, angeblich eine der gefährlichsten der Welt. Alles andere als ein Elterntraum, aber die Erfahrung ist diese Auseinandersetzung auf jeden Fall wert!

Ich entschied mich für das Medienprogramm, da ich dort die besten Chancen sah, meine praktischen Erfahrungen als Journalistin mit meinem theoretischen Wissen als Politikstudentin zu verknüpfen. Leiter Christian Echle ermöglichte mir die Umsetzung meines ersten eigenen Forschungsprojekts abseits vom Studium. Im April des Jahres 2015 hatte es in Südafrika eine Serie von fremdenfeindlichen Attacken gegeben, bei denen sieben Menschen getötet wurden. Die Situation erinnerte stark an die verheerenden Ausschreitungen 2008, als 62 Menschen starben und über 100 000 vertrieben wurden. Die Berichterstattung der südafrikanischen Medien vor und während 2008 wurde in der Folge harsch kritisiert. Meine Frage lautete also: Wie berichten die Medien mittlerweile über Fremdenfeindlichkeit und Migration? Mit Unterstützung von Kollegen innerhalb und außerhalb der Konrad-Adenauer-Stiftung konnte ich einen Forschungsbericht zusammenstellen, der das Phänomen Fremdenfeindlichkeit in Südafrika von einer neuen Seite beleuchtet. Doch das war noch lange nicht alles. Das kleine aber feine Team des Medienprogramms verschaffte mir einen detaillierten Einblick in den Alltag der Entwicklungszusammenarbeit. Ich half vor allem bei der Vor- und Aufbereitung von Konferenzen und Events, recherchierte Lebensläufe von Teilnehmern und kümmerte mich um die anschließende Berichterstattung und Übersetzungen. Eine große wöchentliche Aufgabe war die Recherche der Tops of the Blogs, einer Zusammenstellung der besten Blog-Artikel aus ganz Afrika zu derzeitig heiß diskutierten sowie latent-aktuellen Themen.

Insgesamt habe ich in Südafrika eine aufregende und inspirierende Zeit verbracht, wahrscheinlich war es sogar mein schönster Auslandsaufenthalt. Johannesburg ist eine lebendige Stadt voller Widersprüche, die nur darauf warten entdeckt zu werden. Die fragile und junge Demokratie Südafrikas birgt Risiken, aber umso größere Chancen. Die Menschen, die ich hier getroffen habe, stecken voller Potenzial und ich bin optimistisch und gespannt, was die Zukunft bringt. Eins ist sicher: Wenn ich wiederkomme – und das werde ich – wird sich einiges verändert haben.

Researcher Verena Löffler

Ansprechpartner

Christian Echle

Leiter des Regionalprogramms Politikdialog Asien/Singapur

Christian Echle
Tel. +65 6603 6160
Fax +65 6227 8343
Sprachen: Deutsch,‎ English