Top of the Blogs 2017 (2)

Top of the Blogs 2017 #10

Präsidenten, ihre Wahlen und Social Media sind die Themen in dieser Woche bei Top of the Blogs. In einem Interview beschreibt der kongolesische Präsidentschaftskandidat Moïse Katumbi, wie er die Wahlen gewinnen will – aus dem Exil. Südafrikas Präsident Zuma strebt eine weitere Amtszeit an. Aber nicht nur, um an der Macht zu bleiben, sondern auch um strafrechtlichen Verfolgungen zu entgehen. Blogger Pierre de Vos erklärt, warum Zuma wahrscheinlich niemals verurteilt wird obwohl es keine rechtliche Basis für einen Schulderlass gebe. Derweil erleben die Kenianer ein unerwartetes Hoch an Fake News in ihrem Präsidentschaftswahlkampf. Ghana hat unterdessen aus den Wahlen 2016 gelernt und fördert die sozialen Medien als Plattform zur öffentlichen Debatte.

An interview with Moïse Katumbi, DR Congo’s would-be president
www.africanarguments.org

In diesem Interview erklärt Moïse Katumbi, Präsidentschaftskandidat in der Demokratischen Republik Kongo, was er anders machen würde als der amtierende Präsident Joseph Kabila, wenn er gewählt werden würde. Katumbi ist beliebt unter den Kongolesen. „Wenn es freie und faire Wahlen gäbe, würde er wahrscheinlich Präsident werden“, schreibt Blogger James Wan. Allerdings wurden die für Dezember 2016 terminierten Wahlen noch immer nicht durchgeführt. Noch immer sieht es nicht danach aus und Katumbi musste ins Exil nach Brüssel. Er wisse nicht, wann er zurückkäme, sagt er im Interview. Dennoch bereite er einen demokratischen Wandel im Kongo vor, da Präsident Kabila keine verfassungsrechtliche Grundlage habe, weiter im Amt zu bleiben.

Amnesty for President Zuma? No, it is not legally possible
www.constitutionallyspeaking.co.za

In seinem zuletzt erschienen Post geht der Rechtsgelehrte und Blogger Pierre de Vos die rechtlichen Möglichkeiten durch, die der südafrikanische Präsident Jacob Zuma hat, um einer Anklage für seine mutmaßlich begangenen Straftaten zu entgehen. Präsidentschaftsanwärterin Lindiwe Sisulu hat vor kurzem Möglichkeiten aufgezeigt, die Zuma zu einer Amnestie verhelfen könnten. Obwohl Vos die einzige legale Möglichkeit dafür darin sieht, dass der nächste Präsident ihn begnadigt, nachdem er schuldig gesprochen worden wäre, bleibt der Rechtsgelehrte skeptisch, dass sich Zuma jemals vor Gericht verantworten muss. Er ist nicht davon überzeugt, dass die südafrikanischen Institutionen stark und willens genug sind, um einen solchen Prozess zu führen.

WhatsApp and Facebook are driving Kenya’s fake news cycle
www.qz.com

Sehr viele Fake News verbreiten sich derzeit in Kenia über soziale Netzwerke wie Facebook und WhatsApp – und das kaum zwei Wochen vor den umkämpften Wahlen. Politische Kampagnenleiter, Journalisten und Regierungsmitarbeiter betrachten das Ausmaß und die Verbreitung mit Sorge. Einer Studie von Portland und GeoPoll zufolge haben bereits 90% der Kenianer Fake News in Bezug auf die Wahlen gesehen und gehört. Daraus ließe sich schlussfolgern, dass die willentliche Verbreitung falscher Informationen fester Bestandteil der Nachrichten in Kenia sei. Dennoch gaben die Befragten an, dass sie Nachrichten von Netzweken wie Facebook oder WhatsApp nicht so sehr vertrauen wie den klassischen Medien Fernsehen, Zeitung und Radio.

Ghana's Social Media Scene Opens New Spaces for Public Debate
www.globalvoices.org

Während der ghanaischen Präsidentschaftswahlen 2016 wurden die sozialen Medien und die Online-Präsenz essentiell für alle Kandidaten. Darüber Wähler zu erreichen, wurde genauso wichtig, wie bei öffentlichen Auftritten. Aber nicht nur die Politiker haben die Vorteile der Online-Medien erkannt, sondern auch die Zivilgesellschaft. Sie verlangt über diese einen besseren öffentlichen Dienst, berichtet Blogger Kofi Yeboah. Vor kurzem veranstaltete der Thinktank Imani Africa in Accra das Forum „Governance im Zeitalter der sozialen Medien“ mit einem Fokus auf Ghana und der Schweiz. Die schweizer Präsidentin Doris Leuthard sprach bei dem Forum über Online-Plattformen, die Bürgern die Möglichkeit zur Partizipation geben.

Top of the Blogs 2017 #9

In dieser Woche dreht sich bei Top of the Blogs alles um die Ermächtigung der Bürger. Die ersten drei Blogposts beschäftigen sich mit den Hürden die (angeblich) demokratische Staaten angehen müssen. Sei es die Durchführung fairer und freier Wahlen, das Akzeptieren vermeintlich unbeliebter Wahlentscheidungen oder das Erziehen von Kindern zu engagierten Bürgern. Die vierte Geschichte erzählt uns von einer Frau, die durch eigene Kraft zur ersten Minenbesitzerin im westlichen Afrika geworden ist.

Rwanda’s election outcome is already decided
www.africanarguments.org

„Mehr eine Krönung als sein echter Wettbewerb”, zitiert Autor Filip Reyntjens die kenianische Tageszeitung „The Standard” in seinem Blogpost über die Präsidentschaftswahlen in Ruanda am 4. August. 2015 wurde über einen Verfassungszusatz entscheiden, der die Amtszeiten des Präsidenten betrifft. Die Änderung macht es möglich, dass der derzeit amtierende Präsident Paul Kagame bis 2034 regieren kann – das wären bis dahin insgesamt 40 Jahre. Die undemokratische Entwicklung wird ebenfalls von internationalen Statistiken belegt. Laut dem Transformationsindex (BTI) der Bertelsmann Stiftung erhält Ruanda zwei von zehn Punkten in den Kategorien „freie und faire Wahlen“ und „effektive Regierungsgewalt“ sowie drei in den Kategorien „Vereinigungs- und Versammlungsfreiheit“ und „Presse- und Meinungsfreiheit“.

Democracy – the worst form of government…
www.africablogging.org

Auf den Punkt gebracht: Jacques Rousseau von der Universität in Kapstadt legt dar, warum man Demokratie nicht nur dann mögen könne, wenn man mit getroffenen Wahlentscheidungen übereinstimmt. Anhand des Brexit macht er deutlich, dass das Parlament ohne Wählermandat handeln würde, wenn sie die Wahlentscheidung missachten würden. Auch wenn viele Stimmen laut wurden, dass die Kampagnenführung, Entscheidung durch einfache Mehrheit und uninformierte Wähler zu dem Ergebnis geführt hätten, das nun keiner mehr vertrete. Laut Rousseau müsse man den Willen der Wähler aber in jedem Fall akzeptieren.

Malawi set out to give students skills to support democracy. But it’s not been easy
www.theconversation.com

Kinder zu demokratiefähigen Bürgern zu erziehen ist keine leichte Aufgabe, besonders nicht in einer patriarchischen Gesellschaft wie der Malawis. Autor Peter Ngwinjo W. Namphande von der Universität Malawi beschreibt eine große Lücke zwischen dem, was Schüler über Demokratie lernen und dem, was sie im Alltag erleben. Malawische Kinder werden dazu erzogen, den Anweisungen Erwachsener Folge zu leisten, ohne diese zu hinterfragen. Namphande vermutet, dass dies dazu führen könne, dass die Kinder auch später autoritäre Praktiken einfach hinnehmen ohne Widerstand zu leisten. Um das Problem anzugehen, schlägt er vor, die Lehrer dafür zu sensibilisieren, welchen Spannungen die Schüler zwischen den Rollen als Kinder und junge Bürger ausgesetzt sind.

West Africa’s first Woman to own a Mine
www.africa-ontherise.com

Vom Model zur Minenbesitzerin: Die Guineerin Tiguidanke Camara hat einen krassen Branchenwechsel vollzogen und ist die erste Frau aus Westafrika, die eine Mine besitzt. Die Unternehmerin, die vom französischen Magazin Jeune Afrique unter die 50 einflussreichsten Unternehmerinnen im frankophonen Afrika gewählt wurde, ist zudem ein Vorbild für Mädchen geworden. In der Region, in der ihre Mine ist, sind 80 Prozent von ihnen Analphabetinnen . Außerdem unterstützt sie Kooperativen und Wirtschaftsvereinigungen von Frauen

Top of the Blogs 2017 #8

The morning after
blogs.cfr.org

Blogger John Campbell gibt einen Überblick über die Ereignisse in Südafrika, die auf die komplett-Umformung des Regierungskabinetts durch Präsident Jacob Zuma und die daraus resultierenden Demonstrationen folgten. Er gibt außerdem einen Ausblick darüber, wie die Regierungs- und die Oppositionspartei nun handeln könnte. Vor allem für die Regierungspartei ANC scheint das Misstrauensvotum ein Dilemma zu sein, bei dem sie nur verlieren können

The girl child is not weak or less smart
shawnmubiru.wordpress.com

Mädchen und Frauen in afrikanischen Ländern wie Kenia und Uganda haben im Alltag mit vielen Problemen zu kämpfen. Die Schulabbrecherquote ist unter Schülerinnen beispielsweise deutlich höher, da Mädchen dem Unterricht während ihrer Regelblutung, aufgrund von fehlendem Zugang zu Hygieneartikeln, oft fernbleiben. Erfolgreiche und emanzipierte Afrikanerinnen wie Julia Sebutinde und Margaret Mungherera verdeutlichen jedoch, dass das weibliche Geschlecht dem männlichen keineswegs unterlegen ist. Eine wichtige Aufgabe für die Zukunft muss also sein, Frauen und Mädchen in Afrika denselben Stellenwert zuzuordnen, wie der männlichen Bevölkerung.

Uganda: Stella Nyanzi charged for calling President Museveni a “pair of buttocks”
africanarguments.com

Die Debatte zwischen Akademikerin Stella Nyanzi und Janet Museveni, Ugandas Bildungsminsterin und Präsidenten-Gattin, entfachte, nachdem die Ministerin sich weigerte, kostenlose Hygieneartikel für menstruierende Schulmädchen bereitzustellen. Daraufhin rief Stella Nyanzi zur Demonstration auf und bezeichnete die Museveni auf Facebook als „ein paar Arschbacken." Es folgten eine Anklage und ein Ausreiseverbot für Nyanzi. Von der Universität, in der sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin beschäftigt war, wurde Nyanzi entlassen. Auch ihre Familie wurde in Folge dessen bedroht. Autorin des Artikels Bwesigye Bwa Mwesigire hält das Vorgehen gegen die Professoren für eine Menschenrechtsverletzung.

African migrants are being sold as slaves in open markets in Libya
qz.com

Flüchtlinge aus Sub-Sahara Afrika, die sich auf den Weg nach Europa machen, werden in Libyen reihenweise festgenommen und auf dem sogenannten „Sklaven-Märkten“ verkauft. Die International Organization for Migration (IOM) berichtet, dass die Flüchtlinge, je nach Wert, der sich aus ihren Qualifikationen ergebe, auf öffentlichen Plätzen, Garagen und Parkplätzen versteigert werden. Die meisten Flüchtenden hätten keine Ahnung von den Qualen, denen sie in Libyen auf ihrem Weg nach Europa ausgesetzt könnten, so der Sprecher des IOM.

All our faves are problematic
africasacountry.com

Bloggerin Sisonke Msimang stellt das Buch "Purple Hibiscus" vor, geschrieben von Chimamanda Ngozie Adichie, einer nigerianischen Schriftstellerin, die ihren Lebensmittelpunkt teilweise in die USA verlegt hat. Die Autorin schreibt unter anderem über Feminismus und ihr Heimatland Nigeria und überzeugt Msimang damit auf ganzer Linie. Die Bloggerin nimmt Autorin Adichie und deren Bücher jedoch als Beispiel dafür, dass bei der #Blackgirlsmagic Bewegung, welche sich an schwarze Frauen richtet und diese in ihrem Tun unterstützen und ermutigen soll, fast ausschließlich erfolgreiche, berühmte Frauen wie Michelle Obama als Beispiel genommen werden. Bloggerin Sisonke Msimang appelliert dazu, dass sich diese Bewegung nicht auf glamouröse Vorzeigefrauen beschränken sollte.

Top of the Blogs 2017 #7

Nationwide anti-Zuma marches
enca.com
In Südafrika überschlagen sich seit der Entlassung von Finanzminister Pravin Gordhan durch Präsident Jacob Zuma die Ereignisse. Heute finden im ganzen Land Proteste gegen den Präsidenten statt. Diejenigen, die nicht selbst teilnehmen, können die Ereignisse über diverse Live-Blogs verfolgen: Live-Blogs

Want To Get Rich? – Join Politics
africablogging.org
Das Ungleichgewicht vom Reichtum der Bevölkerung eines Landes und der Bezahlung seiner Politiker ist in vielen afrikanischen Ländern deutlich spürbar. Die Entscheidung von Sambias Regierungs- und Oppositionspartei, eine zusätzliche monatliche Vergütung einzuführen, um politische Räte zu bezahlen und der Boykott von Parlaments-Mitgliedern der Opposition bezüglich der „State of the Nation“- Rede von Präsident Edgar Lung geben #Africanblogger Bruce Chooma Anlass, diese Problematik neu zu thematisieren. Afrikanische Politiker wie Jacob Zuma und Edgar Lung verdienen - in Proportion zum Durschnittseinkommen der Bevölkerung und auch im internationalen Vergleich mit anderen Politikern - übermäßig viel. Chooma vermutet, dass viele den Beruf des Politikers anstreben, um sich selbst zu bereichern, statt dem Land zu dienen.

In Rural Mozambique, Bank-Funded Irrigation Systems Bring Back Life and Hope to Small Farmers
africa-ontherise.com

Dürre-Perioden, fehlende Bewässerungssysteme, Bodensalzung und steigende Produktionskosten haben viele Bauern in Mosambik in den Ruin getrieben. Nun unterstützt die Weltbank die Regierung jedoch mit einem Entwicklungs-Projekt für nachhaltige Bewässerung (PROIRRI) im Wert von 70 Millionen US-Dollar. Durch neu errichtete Kanäle kann die Schwerkraft dazu genutzt werden, eine 20-mal so große Fläche Wasser zu bewässern. Das Projekt betrifft die Provinzen Sofala, Manica und Zambezia und gibt den Bauern in Mosambik Hoffnung auf eine bessere Zukunft. In der ländlichen Gegend von Vanduzi konnten mit verbesserten Bewässerungssystemen bereits Erfolge erzielt werden.

Inhumane Oddities to Zimbabwean Life. Thanks to State and Private Capitalism.
africanblogging.org

Takura Zhangazha, #Africanblogging Autor, verdächtigt die Simbabwische Ambulanz, Geld über das Leben von Patienten zu stellen. Er verdeutlicht dies mit dem Beispiel eines Freundes, der den Notdienst aufsuchen musste, nachdem er als Fußgänger in einen Autounfall verwickelt wurde. Statt medizinisch relevante Fragen zu stellen, waren die Sanitäter in erster Linie an seinem Versicherungsstatus interessiert. Zhangazha ruft dazu auf, diesen Zwischenfall als Anlass zu nehmen, seinen Mitmenschen - anders als die besagten Notfallmediziner - den gebührenden Respekt und Wertschätzung zu zeigen

Top of the Blogs 2017 #6

U.S. Shoots Itself in the Foot over Visas for Africans
blogs.cfr.org

Der afrikanische globale Wirtschafts- und Entwicklungsgipfel, welcher jährlich von der University of Southern California organisiert wird, verfolgt das Ziel, den Handel zwischen den Vereinigten Staaten und dem afrikanischen Kontinent zu stärken. Tatsächlicher Austausch über Wirtschafts- und Regierungsangelegenheiten konnte in diesem Jahr jedoch nicht stattfinden, weil laut des Auslandssenders The Voice of America (VOA) die Visa-Anträge aller afrikanischen Teilnehmer ausnahmslos abgelehnt wurden. Dies betraf sowohl afrikanische Gastredner, als auch Regierungsvertreter offizieller U.S-Partnerstaaten.

Surviving the Water
voiceofyouth.org

Fluten und Überschwemmungen stellen in Nigeria ein zerstörerisches Problem dar. Im September letzten Jahres hinterließ eine Flutkatastrophe zuletzt den Staat Anambra in Verwüstung. Allein die Fluten im Jahr 2012 forderten über 100 Todesopfer und zerstörten Unterkünfte und Besitztümer etlicher Menschen. Bloggerin Adaora Okoye glaubt, dass Hilfe zur Selbsthilfe die beste Maßnahme ist, um die Menschen auf verheerende Naturkatastrophen vorzubereiten. Sie schlägt vor, die Bevölkerung durch Vorbereitungskurse über entsprechende Vorkehrungen aufzuklären, was im Zweifelsfall Menschenleben retten könnte.

Anger, Ideology and Political Activism in Zimbabwe
africanblogging.org

Die verschiedenen Realitäten des Aktivismus in Zimbabwe, sowie dessen Vergangenheit und Zukunft wird von #Africanblogger Takura Zhangazha diskutiert. Anstatt sich von der Wut und dem Zorn der Akteure leiten zu lassen, sollte der Aktivismus laut Zhangazha auf einer klaren Grundlage fußen, welche Richtung und Rahmen des Aktivismus steuert. Auch die Politisierung des Aktivismus stellt ein Problem dar. Laut Zhangazha besteht die Lösung dieser Probleme jedoch aus kleinen Schritten, statt großen Veränderungen.

Africa’s teeming unemployed youth are making risky bets on their future
qz.org

TwinKas ist ein neuer „Investment-Plan“, der in Nigeria gerade an Popularität gewinnt. Dieser verspricht den Mitgliedern schnellen Reichtum und Wohlstand. Obwohl solche Schneeballsysteme in der Vergangenheit schon etlichen Nigerianern ihr Geld gekostet haben, finden neu ins Leben gerufene Pyramidensysteme noch immer großen Anklang in der Gesellschaft. Während in Kenia das Geschäft mit den Online-Wetten via Smartphone boomt, sind in Uganda vor allem Fußballwetten und lokale Wettstuben populär. Die hohe Arbeitslosenrate trägt in vielen afrikanischen Ländern dazu bei, dass Wetten, Glücksspiel und Pyramidensysteme für rentable Geschäftsmodelle gehalten werden.

Gender dysphoria and gender reassignment
africanblogging.org

Kann ein Kind schon selbstständig die Entscheidung für eine Geschlechtsumwandlung treffen? Dieses Thema diskutiert #Africanblogging Autor Jacques Rousseau in seinem Artikel und macht damit deutlich, wie schwierig es ist, die Entscheidungen und die Autorität von Kindern zu respektieren, ohne deren Reife und Weitsichtigkeit zu überschätzen. Laut Rousseau ist der einzige sinnvolle Lösungsansatz, nach gründlicher psychologischer Untersuchung jeden Einzelfall individuell zu entscheiden und irreversible Veränderungen so minimal wie möglich zu halten.

Top of the Blogs 2017 #5

Responding to Trump’s ‘discoarse’? An African humanist philosophy may be the way
theconversation.com

Wann kann man noch von freier Rede sprechen und wann handelt es sich bereits um die Verbreitung von ungeprüften, beleidigenden Informationen? Autorin Leyla Tavernaro-Haidarian macht am Beispiel des US-Präsidenten Donald Trump und Südafrikas Präsidenten Jacob Zuma deutlich, wie vage die Grenze zwischen beidem verläuft und wie sehr es dabei auf die Auslegung des Einzelnen ankommt. Laut der Autorin könnte der Humanist Prof Thad Metz eine Lösung für dieses Dilemma haben. Dieser argumentiert, dass verletzende Darstellungen gegen Personen des öffentlichen Interesses immer dann zu rechtfertigen sind, wenn diese dazu dienen, auf Missstände aufmerksam zu machen.

Helen Zille and 'valuable aspects of colonial heritage'
synapses.co.za

Helen Zille, Premierministerin des Westkaps, forderte über die Online-Plattform Twitter dazu auf, die vermeintlich positiven Seiten des Kolonialismus - beispielsweise unabhängige Justiz und Infrastruktur - nicht außer Acht zu lassen. Blogger Jacques Rousseau kritisiert diese und ähnliche Aussagen der Politikerin als einen, wenn auch unbewussten, Rechtfertigungsversuch der Kolonialherrschaft und den damit verbundenen Folgen für Südafrika. Er macht deutlich, dass man nicht abschätzen könne, in welcher Situation sich das Land ohne den Einfluss der Kolonialmächte heute befände. Es sei daher nicht akzeptabel den Fortschritt und die positiven Entwicklungen des Landes auf den Kolonialismus zurückzuführen.

The Politics of Good Cops and Bad Cops in Tanzania
udadisi.blogspot.co.za

Autor Chambi Chachage vermutet, dass die Diskrepanzen zwischen Tansanias Präsident John Magufuli und dem Minister für Justiz und konstitutionelle Angelegenheiten des Landes ein abgekartetes Spiel sein könnten. Nachdem die Aussage des Ministers, dass es keine amtliche Eheschließung mehr ohne gültige Geburtsurkunde gäbe, für Empörung in der Bevölkerung gesorgt hatte, sprach sich der Präsident gegen diese Pläne aus und behauptete nichts von jenen gewusst zu haben. Blogger Chambi Chachage zweifelt dies an und befürchtet, dass John Magufuli die Gunst der Stunde genutzt haben könnte, um sich auf Kosten seines Ministers beim Volk beliebt zu machen.

Sensitivity in the age of the internet meme
africablogging.org

In einer Zeit, in der sich soziale Medien zu einem täglichen Bestandteil unseres Alltags entwickelt haben, sind auch sogenannte „Memen“ kein unbekanntes Phänomen mehr. Es handelt sich hierbei um mehr oder weniger skurrile Fotos, die gepaart mit passenden Untertiteln und Kommentaren zu Unterhaltungszwecken online verbreitet werden. Autorin Koketso Moeti möchte die Ersteller und Verbreiter dieser Internetbilder dazu auffordern, die Hintergründe solcher Fotos zu hinterfragen. Man müsse sicherstellen, dass die Bilder nicht missbräuchlich verwendet wurden. Viele dieser Fotos seien in anderen Kontexten entstanden und würden die dargestellten Personen durch vermeintlich lustige Untertitel verletzen oder erniedrigen.

Top of the Blogs 2017 #4

Kenya’s protracted health crisis is an indictment on the country’s leadership
africablogging.org

Der nationale Streik in Kenias Gesundheitssektor scheint kein Ende zu nehmen. Ärzte kämpfen schon seit über 90 Tagen um die Realisierung des 2013 geschlossenen Tarifvertrags. Weder Präsident Uhuru Kenyatta oder Gesundheitsminister Dr. Cleopa Mailu, noch Vizepräsident William Ruto sahen die Notwendigkeit an den Verhandlungen mit der Ärzte-Union teilzunehmen. Statt sich der Konfliktlösung zu widmen, überwachte Dr. Cleopa Mailudass die parallel stattfindende Massenwählerregistrierung und verstieß damit gegen ein Gesetz, das die politische Neutralität der Staatsbeamten sicherstellt.

Rashida Mulenga: Kalulushi Mayor with an ambitious plan
paulshalala.blogspot.co.za

Letztes Jahr wurde Rashida Mulenga zur Bürgermeisterin von Kalulushi - einer Stadt in Sambias Copperbelt Provinz - gewählt. Mit ihren 33 Jahren ist sie nicht nur eine der jüngsten Stadtoberhäupter in Sambia, sondern als Frau auch in der absoluten Unterzahl im Stadtrat. Die Bürgermeistern, welche Mutter von sieben Kindern ist und Business Administration in Südafrika studiert hat, will den industriellen Ausbau in Kalulushi fördern. Dazu plant sie das zentrale Geschäftsviertel in den Osten der Stadt zu verlegen und damit auch sämtliche Regierungseinrichtungen. Außerdem will sie dort Hotels und Einkaufszentren bauen lassen. Fake News is about Journalism, not Social Media
africablogging.org

Wird der Journalismus in Afrika durch Falschmeldung bedroht? Ende letzten Jahres kursierten Falschmeldungen über den Tod von Malawis Präsident Peter Mutharika in sozialen Netzwerken und einigen dubiosen Online-Portalen. Die Falschmeldungen entstanden, nachdem Informationen über den Verbleib des Präsidenten nach der US- Generalversammlung ausblieben. #AfricanBlogging Autor Jimmy Kainja betont, dass sogenannte „fake news“ weitaus bedrohlichere Auswirkungen haben, wenn sie von offiziellen Medien verbreitet werden. Das pauschale Verurteilen der sozialen Medien als zwielichtige Quelle von Falschmeldung führe letztendlich nur zur Unterdrückung der Pressefreiheit durch autokratische Regierungen.

Youth Accountability in the East African Community
udadisi.blogspot.co.za

Integration als eine Zukunftsvision liegt laut Autor Kamal Dickson in den Händen der Jugend, welche mehr als 63% der gesamten Ost-afrikanischen Gemeinschaft (EAC) ausmacht. Kamal Dickson selbst ist Tansanias Jugend-Botschafter und findet, dass die Jugend in Ostafrika nicht genug in politische Entscheidungen und Entwicklungen eingebunden wird. Er appelliert an Job Ndugai, den aktuellen Parlamentssprecher Tansanias, bei der kommenden Wahl der Mitglieder für die Ostafrikanischen Legislativ-Versammlung sicherzustellen, dass die Jugend mit einem geeigneten Repräsentanten vertreten wird.

Top of the Blog 2017 #3

The struggle to end female genital mutilation in Africa
globalvoices.org

200 Millionen Frauen sind beschnitten – die Mehrheit davon lebt in Afrika. Autor Rakotomalala erklärt in seinem Artikel die grausame, jahrhundertealte Tradition der weiblichen Genitalverstümmelung. Die Anhänger des Rituals glauben, sie könnten die Sexualität einer Frau kontrollieren und sie zu einer guten Ehefrau machen, indem sie Teile ihrer Genitalien entfernen. Die gesundheitlichen Konsequenzen dieser Praktik werden als Verbrechen gegen die Menschheit eingestuft. Der Kern des Problems liegt darin, dass die Gefahren einer Beschneidung nicht ausreichend bekannt sind.

What the rest of Africa really thinks about South Africa
qz.com

Südafrika gilt als Eingangstür zum afrikanischen Kontinent und hat in den letzten Jahren zwischen dem Norden und dem globalen Süden verhandelt. Überraschenderweise hat eine Studie der Universität Pretoria herausgefunden, dass andere afrikanische Länder Südafrika als Sprachrohr des Kontinents nicht immer wertschätzen. Sie kritisieren, dass Südafrika sich oft abschottet und sich nicht wie ein Teil des Kontinents verhält und in internationalen Verhandlungen nur eigene wirtschaftliche Interessen verfolgt.

Get Rich or Die Trying: The Chinese multinational scamming millions from Ugandans
africanarguments.org

Autor James Wan mit einer detaillierten und anschaulichen Reportage über TIENS in Uganda – ein chinesischer Konzern, der behauptet Krankheiten diagnostizieren zu können und pflanzliche Medizin aus China verkauft. TIENS ist seit 2003 auf dem ugandischen Markt und erwirtschaftet einen jährlichen Umsatz von sechs Millionen Dollar. Das Unternehmen erfüllt viele Bedürfnisse des ugandischen Gesundheitssystems. Täglich wird es von hunderten Patienten aufgesucht, die teure Produkte kaufen und den Diagnosen von Doktoren ohne Ausbildung vertrauen. Manche von ihnen werden sogar selbst Mitglieder, verkaufen Medizin von TIENS und machen viel Geld damit.

Mobile Phones offer a new way for Africa’s students to learn programming
iafrikan.com
Zugang zu Computern ist in vielen afrikanischen Universitäten in Afrika schwierig. Das wird besonders dann zum Problem, wenn IT-Studierende das Programmieren in der Praxis ausprobieren möchten. IT ist ein immer grösser werdendes Arbeitsfeld, weshalb afrikanische Studenten gut ausgebildet werden sollten. Chao Mbogo is eine kenianische Informatik-Dozentin und setzt sich dafür ein, das Studenten das Programmieren auch mit Smartphones lernen können.

Top of the Blogs 2017 #2

Gambia’s Yahya Jammeh emptied the state’s coffers on his way out
qz.com
Es gibt gute und schlechte Nachrichten für die Einwohner Gambias. Die gute Nachricht ist, dass der ehemalige Staatspräsident Yahya Jammeh endlich auf dem Weg ist ins Exil nach Äquatorialguinea. Der Zusammenschluss westafrikanischer Führungsmächte ECOWAS hat ihn gedrängt, sein Amt niederzulegen. Lynsel Chutel berichtet allerdings auch über schlechte Nachrichten für das kleine Land: Jammeh verlässt Gambia mit geschätzten 11 Millionen Dollar aus der Staatskasse. Nachfolger Adam Barrows Amtszeit beginnt nun mit finanziellen Schwierigkeiten.

Cameroon, the Way forward: Unity in Diversity
africablogging.org

Kaum ein Land ist kulturell so vielseitig wie Kamerun: mit über 200 verschiedenen Volksstämmen und 150 Dialekten ist es neben Kanada außerdem das einzige Land, indem Englisch und Französisch offizielle Amtssprachen sind. Anne Marie Befoune erklärt, warum genau das zu einer Spaltung in der Gesellschaft führt. Im öffentlichen Dienst und bei offiziellen Ansprachen des Präsidenten wird ausschließlich Französisch gesprochen. Das politische Geschehen findet nur in den frankophonen Provinzen des Landes statt. Die englischsprachige Bevölkerung fühlt sich ausgeschlossen, wird oft belächelt und als „Anglos“ bezeichnet. Befoune kritisiert die Regierung, die die Spaltung der Gesellschaft trotz Protestbewegungen ignoriert und diskutiert Lösungen für das Problem.

Three lessons about Burundi’s crisis from speaking to those who fled it
africanarguments.org
300.000 Menschen haben ihr Heimatland Burundi verlassen und Unterschlupf in den Nachbarländern Tansania, Uganda oder Ruanda gesucht. Die Regierung Burundis behauptet, das Land sei politisch stabil und Oppositionelle hätten nichts zu befürchten. Und das wird von internationalen Behörden nur zu gerne geglaubt. Aber wie denken betroffene Flüchtlinge darüber? Richard Moncrieff stellt die Ergebnisse einer Studie vor, für die Exil-Burundier interviewt wurden. Viele der Flüchtlinge wurden von Polizei oder von Milizen der regierenden Partei bedroht, weil sie nicht einer Meinung mit der Regierung waren. Sie halten Burundi für politisch instabil und eine Rückkehr für zu gefährlich.

How Kenya can ensure adequate health care for its older people
theconversation.com

Weltweit beschäftigen sich Experten mit dem Phänomen alternder Gesellschaften. In einem Interview mit Gesundheitsredakteurin Joy Wanja Muraya hakt Lucy Maina nach: Welche Konsequenzen hat diese demographische Entwicklung für Kenia? Dank verbesserter medizinischer Versorgung und vielseitigerer Ernährung steigt die Lebenserwartung, doch der afrikanische Kontinent ist dafür nicht hinreichend aufgestellt. Risiken ergeben sich für die älteren Generationen vor allem daraus, nicht finanziell abgesichert zu sein. Außerdem fehlt es an gesundheitlicher Versorgung. Muraya betont, dass auch Kenia bessere medizinische Ausrüstung und gesetzliche Absicherung braucht. Bisher ist die Versorgung alter Menschen hauptsächlich Angelegenheit der Familien – das ist langfristig aber keine Lösung.

Top of the Blogs 2017 #1

South Africa’s next president might be a woman, but that isn’t the only change we need
qz.com

Vielleicht möchte Südafrika mit zwei weiblichen Spitzenkandidatinnen in der nächsten Präsidentschaftswahl Geschichte schreiben: Lynsey Chutel stellt die Kandidatinnen vor, die innerhalb Südafrikas schon durch wichtige Ämter innerhalb der ANC bekannt sind. Nkosana Dlamini-Zuma ist nicht nur die Exfrau des derzeitigen Präsidenten Jacob Zuma, sie war auch Außenministerin und Innenministerin und ist aktuell Vorsitzende der African Union Commission. Ihre Konkurrentin Baleka Mbete ist Parlamentspräsidentin und blickt ebenfalls auf eine langjährige Politikkarriere zurück. Trotzdem stellt die Autorin die Eignung der in Korruptionsskandale verwickelten Kandidatinnen in Frage. Für sie sollte Persönlichkeit und nicht das Geschlecht die anstehenden Wahlen entscheiden.

Dear EPL, UEFA and global media, for us Africans, AFCON is not a backwater tournament
africablogging.org

Mit einer bunten und vielseitigen Eröffnungszeremonie hat die afrikanische Fußballmeisterschaft (AFCON) am 14. Januar in Gabun begonnen. Der Bürgerrechtler Takura Zhangazha aus Simbabwe betont in seinem Artikel den Stolz und die Freude der Afrikaner über das Event – auch wenn der Rest der Welt afrikanischen Fußball oft unterschätzt. Wenig erstaunlich also, dass die Berichterstattung internationaler Medien der AFCON nicht immer gerecht wird. Oft bewerten ausländische Kommentatoren die sportlichen Leistungen des Kontinents, ohne die Hintergründe zu kennen. Im Vergleich zu europäischen Fußballklubs verfügen afrikanische Teams nämlich nur über wenig finanzielle Mittel und müssen zur AFCON auf ihre besten Nationalspieler verzichten. Die stehen nämlich meistens bei ausländischen Vereinen unter Vertrag.

Mozambique’s unexpected truce still hangs in the balance
theconversation.com

Die angespannte Atmosphäre in Mosambik scheint sich ein bisschen zu lockern, seitdem Präsident Felipe Nyusi und Oppositionsführer Afonso Dhlakama sich Ende 2016 auf einen Waffenstillstand geeinigt haben. Justin Pearce, wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Cambridge Universität, schaut sich den Konflikt zwischen der Frelimo Regierung und der Oppositionsbewegung Renamo genauer an. Internationale Vermittler haben das Land erst vor kurzem ohne jeden Fortschritt wieder verlassen. Offen bleibt, ob der derzeitige Frieden hält oder bald der Konflikt wieder aufflammt, denn die Ursachen des Problems bestehen nach wie vor.

Kenyans fear a possible internet shutdown during 2017 presidential elections
globalvoices.org

Am Beispiel von Tweets öffentlicher Personen und kenyanischer Bürger untermauert die Journalistin Njieri Wangari die aktuell kursierenden Gerüchte mit Hintergrundinformationen zu neuen Gesetzesentwürfen, die die Online-Kommunikation in Kenia regulieren sollen. Die Debatte ist widersprüchlich und wird zunehmend ernster, da in den vergangenen Jahren schon 60 Journalisten wegen ihrer Aktivitäten im Netz festgenommen wurden.