"Weg von der Top-Down-Kommunikation, hin zu echtem Dialog."

E-lection Bridge Africa: Interview mit Dr. Klaus Schüler

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Die Zusage zum Interview über das digitale Zeitalter kommt vom i-Pad: „Mache gerne mit“. Das ist typisch für Dr. Klaus Schüler – der CDU-Bundesgeschäftsführer und bekennende Fußball-Fan ist digital immer „auf Ballhöhe“. Sein Ruf als Autorität auf dem Gebiet der Politischen Kommunikation ragt längst über die Bundesrepublik hinaus. Er ist amtierender „Chairman of the Campaign Managers Committee of the International Democratic Union (IDU)“.

KAS MEDIEN AFRIKA: Was sind Ihrer Ansicht nach derzeit die weltweit wichtigsten Trends auf dem Feld der politischen Kommunikation?

DR. KLAUS SCHÜLER: Die wachsende Digitalisierung politischer Kampagnen ist sicherlich das Thema Nummer eins. Aber nicht nur als technisches Phänomen. Twitter, Facebook und Co. sind mehr als neue Kommunikationsmittel. Sie verändern politische Prozesse und politische Organisation fundamental. Das stellt vieles auf den Kopf, was politische Kommunikation über Jahrzehnte geprägt hat.
Von Thesen zunehmender Amerikanisierung oder Personalisierung von Wahlkämpfen, die immer wieder auftauchen, halte ich hingegen wenig. Die Zeiten, in der sich die Welt in amerikanische Kampagnen und ihre Nachahmer aufgeteilt hat, sind vorbei. Auf allen Kontinenten wird heute mit ähnlichem Instrumentarium und hoher Professionalität gearbeitet. Und Personenwahlkämpfe gab es schon im alten Rom.

Biographie
Dr. Klaus Schüler studierte Geschichte in Köln, bevor er im Konrad-Adenauer-Haus in führenden Positionen unter Helmut Kohl und Angela Merkel tätig war. Als Staatssekretär gehörte er zwei Jahre lang der Regierung Schleswig-Holsteins an. Deutsche Medien bezeichneten den Bundesgeschäftsführer als „Ingenieur“ des erfolgreichen CDU-Wahlkampfs 2009. Dr. Schüler ist Preisträger des „Aristotle Excellence Award“, einer Art „Oscar“ für politisches Campaigning. Die Digitalisierung der Politik interessiert ihn leidenschaftlich.

KAS MEDIEN AFRIKA: Worauf legt Ihre Organisation, die CDU Deutschlands, derzeit ein ganz besonderes Augenmerk?

DR. KLAUS SCHÜLER: Darauf, die Möglichkeiten digitalen Campaignings realistisch und nutzenorientiert einzuschätzen und mit klassischer Kampagnenführung zu verbinden. Wir wollen up to date sein, aber nicht jedem Trend hinterherlaufen. Und wir dürfen niemals außer acht lassen, dass wir auch viele Mitglieder, Unterstützer und Wähler haben, die wir auf digitalen Wegen nicht oder zumindest noch nicht erreichen.
Bewegtbild im Internet mit unserem youtube-Kanal cdu.tv, unser Multimedia-Magazin UNION (www.union-magazin.de) und der Ausbau unserer Präsenz im Web 2.0 sind die Top-Themen, wenn es um digitales Campaigning geht. Der wichtigste Ansatz dabei heißt: Weg von der Top-Down-Kommunikation hin zu echtem Dialog und Partizipation.

KAS MEDIEN AFRIKA: In welcher Form widmen Sie sich aktuell dem Thema „Soziale Netzwerke“?

DR. KLAUS SCHÜLER: Wir sind auf allen relevanten Plattformen vertreten. Und ein bisschen stolz darauf, dass wir auf diesem Gebiet die aktivste und erfolgreichste Partei in Deutschland sind. Facebook, twitter und youtube machen den Kern unserer Anstrengungen aus. Unser Ziel ist, den Bereich Web 2.0 zu einem wichtigen Standbein der nächsten nationalen Wahlkampagne 2013 zu machen. Wenn man sieht, dass bereits seit einigen Jahren Soziale Netzwerke zeitlich und von der Anzahl der User E-Mail-Kommunikation weltweit überholt haben, führt daran auch kein Weg vorbei.

KAS MEDIEN AFRIKA: Welche Rolle spielt das Mobiltelefon in der Politischen Kommunikation der CDU Deutschlands?

DR. KLAUS SCHÜLER: Eine sehr große. Nicht zuletzt, weil sich die Nutzung von Online-Angeboten immer mehr in diesen Bereich verlagert. Deshalb ist unser Online-Angebot in einer für alle mobilen Endgeräte einschließlich iPhone und iPad optimierten Version verfügbar. Bei der Bundestagswahl 2009 haben wir als einzige Partei neben SMS-Werbung auch Marketing auf Online-Plattformen im Mobilbereich betrieben.

KAS MEDIEN AFRIKA: Wagen wir einen Blick in die Zukunft: Worauf wird es dann in der Politischen Kommunikation ankommen. Oder, wie die Amerikaner sagen: What is the next big thing?

DR. KLAUS SCHÜLER: Es wird darauf ankommen, worauf es immer ankam: Menschen zu erreichen und dazu zu bewegen, ihr Kreuz an der richtigen Stelle zu machen. Das klingt banal, ist aber immer schwieriger, wenn Kommunikationswege immer vielfältiger und individueller werden und Aufmerksamkeitsschwellen immer höher. Das löst man nicht einfach mit neuen Tools. Die Suche nach dem „next big thing“ greift viel zu kurz. Politische Kommunikation muss insgesamt zielgenauer, individueller, dialogorientierter und zumindest in Deutschland eine gute Portion emotional ansprechender werden. Das muss jeder in einer politischen Organisation verinnerlichen, von der Führung bis zu jedem einzelnen freiwilligen Helfer. Wenn das gelingt, haben wir wirklich ein „big thing“ erreicht.