Die Brücke von Afrika - Politische Kommunikation hautnah

Dr. Klaus Schüler lobt KAS E-lection Bridge Afrika als "Erfolg, der fortgesetzt werden sollte"

Auch verfügbar in English

Langsam manövriert der Fahrer den Bus mit den Teilnehmern der „E-lection Bridge Africa“ über die Schotterpiste zum Backstage-Bereich hinter der Bühne. Auf einem Außengelände in Tansanias Hauptstadt Dar es Salaam hat die Oppositionspartei CHADEMA zu einer Großveranstaltung eingeladen. Rund zwanzigtausend begeisterte Anhänger sind dem Ruf gefolgt und füllen das karge Areal mit Leben. „People’s – Power!“, skandiert die Menge, das akustische Markenzeichen von CHADEMA. "Beeindruckend", lobt CDU-Bundesgeschäftsführer Dr. Klaus Schüler inmitten des Gewühls der blau-weiß-roten Parteifahnen.

Bild 1 von 8
Dr. Slaa speaking

Dr. Willibrord Slaa, Generalsekretär von Chadema, berichtete den Teilnehmern am ersten Tag vom Aufstieg seiner Oppositionspartei

Die praktische Arbeit wird beim Workshop von afrikanischen und deutschen Wahlkämpfern groß geschrieben. „Wir wollen den regionalen Austausch über Ländergrenzen hinweg befördern“, sagt Markus Brauckmann, Leiter von KAS Medien Afrika und Gründer der „E-lection Bridge Africa“. Im letzten Jahr traf sich die Zielgruppe der politischen Kommunikatoren erstmals zu einer Konferenz in Accra/Ghana. Dem folgten in regelmäßiger Form weitere bilaterale und regionale Veranstaltungen, jeweils unter dem Banner der inzwischen erfolgreich eingeführten Dachmarke der „Brücke“.

Das diesjährige Gipfeltreffen 2012 fand Ende Mai in Dar es Salaam statt – in enger Kooperation mit KAS Tansania und dem örtlichen Country Representative, Stefan Reith. Im Vorfeld waren Parteienvertreter aus Senegal, Ghana, Elfenbeinküste, Namibia, Südafrika, Mosambik, Kenia, Uganda, Zimbabwe und dem Gastgeberland Tansania gemeinsam mit den entsprechenden KAS-Länderbüros ausgewählt worden. Hinzu gesellten sich drei hochkarätige Referenten: Dr. Klaus Schüler (CDU-Bundesgeschäftsführer), Oliver Röseler (CDU-Bereichsleiter Marketing & Interne Kommunikation) und Heather Thuynsma (Universität Pretoria/Südafrika). Das Programm war exakt auf die Bedürfnisse der Akteure zugeschnitten: Am ersten Tag eine Besichtigungstour der örtlichen Partnerpartei CHADEMA, am zweiten Tag die Präsentationen und Diskussionen mit den internationalen Referenten und schließlich am dritten Tag die sorgfältig vorbereiteten Präsentationen der afrikanischen Teilnehmer. Motto: Aus der Region, für die Region.

Der Eröffnungstag war von besonderer Bedeutung. Die Gruppe besuchte das Hauptquartier von CHADEMA in Dar. Die Opposition befindet sich derzeit im Aufwind, hat etliche Nachwahlen gegen die langjährige Regierungspartei CCM gewonnen und erfreut sich im Volk nachhaltiger Beliebtheit – inspirierend und motivierend für die Teilnehmer, die in ihren Heimatländern fast allesamt gegen allmächtige Herrscher kämpfen. Generalsekretär Dr. Willibrord Slaa zeichnete für die Gäste den Aufstieg der Organisation nach. Es wurde klar: CHADEMA, anfänglich nur mit einem Abgeordneten im Parlament vertreten und kaum mit Ressourcen versehen, hat seinen Aufstieg methodisch Schritt für Schritt vorbereitet. Ein besonderes Augenmerk lag dabei auf der Parteiorganisation. Dies wurde am Nachmittag bei der bereits oben erwähnten Großveranstaltung erneut sichtbar. CHADEMA hat inzwischen einen Grad von Meinungsführerschaft im Land sowie Mobilisierung erreicht, der Teilnehmer aus anderen afrikanischen Staaten mit offenen Mündern staunen lässt. Mit Blick auf das Meer von blau-weiß-roten Fahnen, Transparenten und T-Shirts sagte ein Teilnehmer anerkennend: „Diesen Geist kriegt keine Regierung mehr in die Flasche zurück.“

Am zweiten Tag folgten im Auditorium im Serena Hotel die Vorträge der internationalen Experten. Heather Thuynsma widmete sich zunächst der Frage: Wie erreicht man den Wähler? Die Akademikerin, die 2008 für Hillary Clinton in den USA arbeitete, hatte sich dafür diesmal das Medium Radio ausgesucht – in Afrika immer noch führend, allen digitalen Entwicklungen zum Trotz. Thuynsmas Spezialität ist die Fokussierung auf Zielgruppen. Anhand verschiedener Radiospots aus den USA und Afrika führte sie den politischen Kommunikatoren praxisnah vor, wie bestimmte Gesellschaftsschichten angesprochen werden können. Der Vorteil des traditionellen Mediums liegt für die Referentin auf der Hand: „Große Reichweite bei vertretbaren Produktionskosten – und Menschen, die man sonst nie erreichen würde.“

Dr. Klaus Schüler gilt als einer der führenden Wahlkampf-Manager weltweit. Bei der letzten Bundestagswahl 2009 bezeichneten ihn Journalisten als den „Architekten“ der siegreichen Kampagne, die zur Wiederwahl von Bundeskanzlerin Angela Merkel führte. Bei seiner beeindruckenden Präsentation legte er das Augenmerk auf Strukturen, Organisation und Abläufe innerhalb der Wahlkampf- bzw. Parteizentrale. Dr. Schüler beschrieb ausführlich die verschiedenen Phasen der Vorbereitung und wie in diesem komplexen Prozess ein Rädchen in das andere greifen muss, um abschließend Erfolg zu haben. „Es geht nicht darum, einen Oscar zu gewinnen“, so der Profi, „sondern die Wahlen.“

„Campaigning Between Elections“: Mit diesem abschließenden Vortrag des zweiten Tages kam Oliver Röseler einem vielfach geäußerten Wunsch der politischen Akteure in der Region nach. Mehrfach hatten sie gegenüber KAS Medien Afrika angemerkt, dass sie Schwierigkeiten haben, ihre Kommunikation bzw. Kampagnenfähigkeit zwischen den Wahlen aufrecht zu erhalten. Der CDU-Bereichsleiter hatte seine Präsentation exakt auf diese Bedürfnisse abgestimmt und stellte konkrete Fallbeispiel der Parteiarbeit vor – von Mitgliederwerbekampagnen bis zu runden Geburtstagen der CDU. Das Feedback der Teilnehmer war durchweg positiv. „Das mit den Mitgliedern müssen wir auch machen“, so Zahra Diop aus dem Senegal.

Im Vorfeld der „E-lection Bridge Africa“ hatten die afrikanischen Wahlkämpfer angeregt, einen Tag für Präsentationen aus der Region zur Verfügung zu stellen. „Es ist wichtig, dass wir voneinander hören“, so Libolly Haufiku aus Namibia. Er machte denn auch den Anfang und beschrieb den mutigen Kampf der namibischen Opposition gegen den Wahlbetrug bei den nationalen Wahlen 2009. Immer noch warten Haufiku und seine Kollegen auf ein abschließendes Urteil. Die weiteren Präsentationen warfen ein Schlaglicht auf den aktuellen Wahlkampf der NPP in Ghana (von: Curtis Perry Okudzeto), die erfolgreiche Einführung von Web TV in Tansania (von: John Mrema), die Gründung der neuen Partei LIDER in der Elfenbeinküste (von: Nathalie Yamb), digitale Kampagnen in Kenia (von: Michelle Fondo, Michael Orwa, Mark Nyongesa) und die Mehrparteienlandschaft in der Republik Südafrika (von: Julius Moloi). „Ausgesprochen interessant, wir haben viel gelernt“, urteile Lutero Simango aus Mosambik stellvertretend.

„Es war eine Freude, die E-lection Bridge zu Gast in Tansania zu haben. Für unseren Partner CHADEMA war die Zweibahnstrasse von Erfahrungen mit den regionalen Kollegen ein echter Gewinn“, sagte Stefan Reith, Country Representative von KAS Tansania. Dr. Schüler stellte fest: „„Die E-lection Bridge ist ein Erfolgskonzept. Ein konzentrierter Workshop, der Erfahrungsaustausch auf hohem Niveau bietet, mit kompetenten, unglaublich engagierten und interessierten Teilnehmern, wo jeder profitiert und etwas mitnehmen kann. Mein Rat: Unbedingt weiter fortführen.“ Markus Brauckmann, Leiter von KAS Medien Afrika, zog gleichsam ein positives Fazit. Die E-lection Bridge Africa sei einer der zentralen Säulen in der Arbeit des regionalen Medienprogramms der Stiftung geworden: „Diesen Weg wollen wir konsequent weitergehen“.

Autor

Markus Brauckmann

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Republik Südafrika, 5. Juni 2012

Chadema-Veranstaltung mit Flagge

Die lebendige Oppositionspartei Chadema (hier: Anhänger mit Flagge) inspirierte die Teilnehmer des regionalen Workshops.

Kontakt

Christoph Plate

Leiter des Medienprogramms Subsahara-Afrika

Christoph Plate
Tel. +27 11 214 29 00
Fax +27 11 214 2913
Sprachen: Deutsch,‎ English,‎ Français