Professionelle Medienarbeit und politische Kommunikation

E-lection Bridge 2014 in Umhlanga, Südafrika

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Wie erreicht man Wähler? Wie sendet man seine politischen Botschaften so, dass sie auch gehört werden? Wie kann eine erfolgreiche Kampagnenführung aussehen? Und wie ein professioneller Umgang mit Medien? Fragen, die auf der diesjährigen E-lection Bridge im südafrikanischen Durban mit hochkarätigen Teilnehmern aus zwölf verschiedenen afrikanischen Ländern und Deutschland diskutiert wurden. In anregenden Vorträgen der deutschen Experten, Podiumsdiskussionen und praktischen Workshops tauschten sich die Kommunikationsexperten der Teilnehmerländer aus und lernten voneinander.

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KAS E-lection Bridge 2014 Durban

Kommunikationsexperten aus zwölf afrikanischen Ländern nahmen an der diesjährigen E-lection Bridge in Umhlanga bei Durban teil.

Den Anfang machte die Gastgeberpartei aus Südafrika, die Inkatha Freedom Party. In ihrem Hauptquartier in Durban informierte die Parteiführung die Teilnehmer aus Ghana, Elfenbeinküste, Uganda, Simbabwe, Kongo, Angola, Tansania, Senegal, Namibia, Kenia und Mosambik über ihre Geschichte und das Abschneiden in den Wahlen im Mai. Durban ist die Hauptstadt der Region KwaZulu Natal, in der die IFP traditionell zu den stärksten Parteien zählt. Die anschließende Stadtrundfahrt mit Zwischenstopp für einen typischen südafrikanischen Braai führte durch die sonnige Metropole, vorbei am Moses Madiba Stadion und der idyllischen Strandpromenade.

Die beiden nächsten Tage widmeten sich ganz dem Thema politische Kommunikation. Den Anfang machten die deutschen Teilnehmer Dr. Klaus Schüler, Bundesgeschäftsfuehrer der CDU Deutschland, und Oliver Röseler, CDU-Marketingchef, mit Vorträgen über mediale Inszenierung und Kampagnenstrategie. Minutenlangen Applaus gab es nach der Präsentation der Wahlkampfstrategie und –kampagne der CDU bei der Bundestagswahl 2013 von Dr. Klaus Schüler. Klare Botschaften, die die Kernwerte der CDU transportieren, verknüpft mit einer hohen Medienpraesenz vor allem in den sozialen Medien – diese Strategie sei für die CDU im letzten Wahlkampf perfekt aufgegangen. Dennoch betonte Schüler, dass diese Strategie keinesfalls für jede Partei gleich anzuwenden sei. “Jede Kampagne ist einzigartig. Lernt aus den Fehlern der anderen und setzt auf eure Stärken”, empfahl Dr. Klaus Schüler den Teilnehmern.

Ein ernsterer Ton wurde bei der anschließenden Podiumsdiskussion mit dem Thema innerparteiliche Demokratie angeschlagen. Schließlich gibt es in diesem Bereich bei vielen afrikanischen Parteien Defizite, vor allem im Bereich der Parteiführung. Diese wird oft von eimem „starken Mann“ über Jahrzehnte innegehalten. Die beiden namibianischen Teilnehmer Libolly Haufiku (RDP Namibia) und McHenry Venaani (DTA Namibia) gaben dann auch zwei sehr unterschiedliche Einsichten den Aufbau und das Funktionieren demokratischer Strukturen innerhalb ihrer Partei. Während die DTA Venaani im vergangenen Jahr in einem recht vorbildlichen Prozess zu ihrem neuen Präsidenten gewählt hat, wird die RDP nach wie vor von einem sichtlich von seiner Krankheit gezeichneten Präsidenten geführt, der körperlich eigentlich nicht mehr in der Lage ist, dieses Amt auszufüllen. “Echte demokratische Strukturen aufzubauen ist ein schwieriger Prozess. Dennoch müssen wir versuchen auch in den Parteien demokratischer zu werden, um eine Zukunft zu haben”, lautete das Fazit von McHenry Venaani.

Eine praktische Anleitung für die richtige Kommunikation gab Oliver Röseler, CDU-Marketingchef. Er erklärte, wie wichtig gutes Zeitmanagement und wie hilfreich ein detaillierter Kampagnenplan ist. Unter seiner Anleitung erstellten die Teilnehmer Massage Grids, um Selbst- und Fremdwahrnehmung ihrer Partei analysieren und darauf aufbauend ihre politische Botschaft formulieren. Jeder Teilnehmer ging dabei auch noch einmal auf die besonderen Verhältnisse seines Landes ein. Nach den Präsentationen herrschte reger Diskussionsbedarf, die Teilnehmer gaben sich gegenseitig Feedback und Tipps. Am Ende gab Oliver Röseler noch einige Tipps für die Eigendarstellung der Partei: “Redet immer positiv über euch selbst und nennt Beispiele, um eure Botschaften zu illustrieren. Macht es so präzise und realitätsbezogen wie möglich, dann kann euch der Wähler folgen.” Dr. Klaus Schüler machte noch einmal deutlich, dass jede Partei – egal ob in Deutschland oder Afrika – um die Aufmerksamkeit und die Stimmen der Wähler kämpfen muss und dass dies sehr harte Arbeit sei.

Am zweiten Konferenztag lag der Fokus auf dem richtigen Umgang mit Medien. CHADEMA aus Tansania und die NPP aus Ghana fungierten dabei als Musterbeispiele für professionelle Medienarbeit. Ob ein eigener Partei-Videokanal im Internet oder ein Monitoring Room, in dem alle relevanten Medienberichte verfolgt werden – die beiden Parteien gaben ein gutes Beispiel für die restlichen Teilnehmer ab, die sich in der Fragerunde sowohl nach technischen als auch rechtlichen Details erkundigten.

Der wohl schwierigste Teil des Tages war die Live-Interviewsituation vor der Kamera, die Heather Thuynsma, Expertin für politische Kommunikation, mit einigen Teilnehmern vornahm. Beispielhaft wies sie darauf hin, wie Körpersprache, Eloquenz und Ausstrahlung die Wirkung vor der Kamera beeinflussen und welche Maßnahmen ergriffen werden können, um einen möglichst professionellen Auftritt hinzulegen. Sich selbst auf Leinwand zu sehen, öffnete einigen Teilnehmern die Augen und sensibilisierte sie für künftige Medienauftritte.

Die E-Lection Bridge 2014 in Durban stand auch dieses Jahr in der Tradition des interkontinentalen Austauschs. Afrikanische Kommunikationsexperten berieten sich über den afrikanischen Tellerrand hinaus über Strategien und Werkzeuge der Kampagnenführung. Ein äußerst zufriedenes Fazit zog Christian Echle, der Leiter von KAS Media Africa: „Die E-lection Bridge hat einmal mehr gezeigt, wie gut der Erfahrungsaustausch zwischen europäischen und afrikanischen Ländern funktionieren kann – trotz aller Unterschiede.“ Er zeigte sich zuversichtlich, dass die engen Kontakte zwischen den einzelnen Vertretern der afrikanischen Teilnehmerländer, die auf dieser E-lection Bridge entstanden sind, auch in Zukunft Früchte tragen und zu einer professionelleren und erfolgreicheren Parteiarbeit im Bereich politische Kommunikation und Pressearbeit führen werden. Besonders erfreut zeigt sich Echle über den erfolgreichen Aufbau eines weiteren Brückenkopfes der E-lection Bridge in Asien, die sein Kollege Torben Stephan während der diesjährigen Konferenz vorstellte.

Eva Limmer

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Republik Südafrika, 13. Juni 2014

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Kontakt

Christoph Plate

Leiter des Medienprogramms Subsahara-Afrika

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