#AfricaBlogging gründet sich

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Zwei Tage, zwölf Blogger, sieben Länder und gefühlte 30 Geräte mit Internetverbindung in einem Raum. Das Ergebnis: #AfricaBlogging. Vom 7. bis 9. Oktober 2014 trafen sich auf Einladung von KAS Media Africa in Nairobi politische Blogger aus ganz Subsahara-Afrika um zu diskutieren, Ideen auszutauschen und sich zu vernetzen.

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Participants of KAS Media Africa's Blogger and Journalism Workshop in Nairobi

Teilnehmer des Blogger- und Journalisten Workshops in Nairobi.

Afrika ist der Kontinent mit der weltweit größten Wachstumsrate an Internetverbindungen. Mit der zunehmenden Verbreitung des Internets steigt auch die Bedeutung sozialer Medien. Dadurch haben sich die Kommunikation und Wahrnehmung von sozialen Strukturen und Politik stark verändert. Am deutlichsten ließ sich diese Entwicklung während des Arabischen Frühlings beobachten, bei dem Social Media Aktivisten wichtige Informationsquellen für die Weltöffentlichkeit waren. In Subsahara-Afrika stehen politische Blogger allerdings noch immer im Schatten von Food- und Fashionbloggern. Um sie zu vernetzen und die Qualität ihrer Blogs zu verbessern, hat KAS Media Africa ein zweitägiges Trainingsprogramm für sie aufgelegt.

Das Gastgeberland Kenia war dabei mit Patrick Gathara, Daniel Ominde Okoth und Michael Onsando vertreten. Ebenso das Nachbarland Uganda mit Ruth Aine, Shawn Mubiru und Masake Anthony. Aus Tansania kamen Maggid Mjengwa und Chambi Chachage. Malawi (Jimmy Kainja) und Sambia (Bruce Chooma) waren nur durch einen Teilnehmer vertreten, was diese jedoch durch rege Beteiligung ausglichen. Geleitet wurden die Workshops von drei Experten und Trainern: Dave Duarte, südafrikanischer Marketing Experte, Unternehmer und Blogger, Martin Fuchs aka „Der Hamburger Wahlbeobachter“, deutscher Blogger und Berater, sowie Rhys Williams, britischer Social Media Strategieberater. Dave Duartes Panels drehten sich um Strategien der Blogvermarktung und Verbreitung. Dabei setzte er gleichermaßen auf theoretischen Input über „Viral Marketing“, Online Werbung und Analysen sowie auf praktische Übungen. Mit einem so genannten „Social Content Canvas“ sollten die Teilnehmer eine Vermarktungsstrategie ihres Blogs entwickeln, mit dem Ziel, dessen Reichweite so weit wie möglich auszubauen.

Wie wird ein Blogger zur Marke? Martin Fuchs präsentierte den Teilnehmern 10 Regeln, mit deren Hilfe man sich als Marke etablieren und aus der Masse herauszustechen kann. Vernetzung, die effiziente Nutzung von Social Media, eine eigene „Corporate Identity“ und der damit verbundene Wiedererkennungswert sind wichtige Bestandteile des Prozesses. Das wesentlichste Element bleibt aber nach wie vor der Inhalt. Exklusive, regelmäßig aktualisierte Beiträge, die zum Nachdenken anregen und die Leser aufrütteln, sind Kern der erfolgreichen Entwicklung vom Blog zur Marke.

Die abschließende Diskussionsrunde drehte sich um Hürden für politische Blogger im südlichen Afrika. Die Teilnehmer brachten eigene Erfahrungen und Eindrücke aus ihren jeweiligen Ländern ein, was eine große Bereicherung für die gesamte Konferenz war. Gegenstand des Gesprächs war auch die Frage, inwiefern sich die Erfahrung von afrikanischen und europäischen politischen Bloggern überhaupt vergleichen lassen. Während Kritik in Europa oft einen Raum für Dialog öffnet, bewirkt ein kritischer Post in vielen afrikanischen Ländern beispielsweise das Gegenteil. Ziel des Workshops war es, den Teilnehmern zu zeigen, wie sie ihre Blogs inhaltlich und bei der Vermarktung weiter ausbauen können um so ihre Reichweite zu vergrößern. Denn politische Blogs können eine wichtige und bereichernde Stimme im politischen Dialog abseits der (teilweise staatseigenen) Mainstream-Medien sein. In vielen afrikanischen Ländern hat die Regierung die Medien nach wie vor fest im Griff. Somit ist die aktive Präsenz von kritischen politischen Bloggern von höchster Relevanz. Das wurde im Laufe der Konferenz immer wieder bestätigt, die Blogger entdeckten trotz ihrer verschiedenen Nationalitäten viele Parallelen zwischen ihren Ländern, was zu gesteigerter Solidarität unter den Teilnehmern führte und die Aufmerksamkeit noch einmal erhöhte. Während der Konferenz wurden persönliche Erfahrungen geteilt, Strategien diskutiert und mit der jeweils eigenen Situation verglichen. Nebenbei wurde getwittert, was das Zeug hält. Der Grad der digitalen Vernetzung der Teilnehmer zeigte sich in der Popularität des für die Konferenz neu kreierten Hashtags: #AfricaBlogging. Schon nach dem ersten Konferenztag hatte die Gruppe mit über 400 Tweets bereits über 200 000 Menschen erreicht. Bei solchen Zahlen waren selbst die Experten beeindruckt.

Der Vorschlag ein regionales Bloggernetzwerk aufzubauen stieß auf großes Interesse. Es wird sich hauptsächlich um sozial-politische Themen in Subsahara-Afrika kümmern und dabei über die Berichterstattung der traditionellen Medien hinausgehen. Dabei sollten demokratische Grundwerte, Transparenz und Vielfalt jederzeit berücksichtigt werden. Eine Verpflichtung, mindestens einen Blog Post pro Monat zu einer gemeinsamen Webseite beizusteuern wurde ebenfalls einstimmig akzeptiert. Diese Webseite soll spätestens zum neuen Jahr online gehen und wird sicherlich eine seit langem bestehende Lücke in der politischen Berichterstattung über Afrika füllen. Gleichzeitig werden auch die Trainings-Workshops für die beteiligten Blogger im kommenden Jahr fortgesetzt werden.

Moritz Gilles

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Republik Südafrika, 16. Oktober 2014

Kontakt

Christoph Plate

Leiter des Medienprogramms Subsahara-Afrika

Christoph Plate
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