#futuretuned: Drei Maßnahmen für das Radio von morgen

Die Radio Days Africa sind mittlerweile eine landesweit beliebte Konferenz für Medienmacher

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Zuhören, zuschauen, teilen: Es dreht sich alles um die Kommunikation und Interaktion miteinander, die dem Radio der Zukunft die Türen öffnen. Wer sich reichlich aus dem Werkzeugkasten der Social-Media-Plattformen bedient, kann das Radio zu einer sozialen Marke entwickeln, was besonders junge Leute anzieht. Dabei spielt die Beteiligung der Zuhörer eine elementare Rolle.

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Jeder Referent der Radio Days erhielt ein selbstgemachtes Radio.

Bei den Radio Days Africa 2017 trafen sich rund 250 Teilnehmer Anfang Juli am Journalismus-Institut der Witwatersrand-Universität in Johannesburg. Aus ganz Afrika reisten die Vertreter von öffentlich-rechtlichen, privaten und Gemeinde-Radios an. Die Konferenz begann mit einer Diskussion darüber, wie Radio am besten vorbereitet ist, um in Zukunft wettbewerbsfähig zu bleiben. „Wo auch immer eure Zuhörer sind, da müsst ihr auch sein“, sagte Pearl Sokhulu, Managerin bei Vuma FM. Wie wichtig es ist, auch als Radiosender auf vielen medialen Plattformen vertreten zu sein, betonte auch Johan Van Rooyen von der South African Broadcasting Corporation (SABC). „Kommunikation geht immer in zwei Richtungen, weil das Publikum auf euch reagiert“, machte er deutlich. Alle Diskussionsteilnehmer waren sich einig, dass Radio auch auf anderen Kanälen sichtbar sein muss, um eine starke Markenpräsenz zu erreichen.

Bringe das Publikum mit ein

In Zusammenarbeit mit den Radio Days Europe ist die Konferenz in Johannesburg mittlerweile zu dem jährlichen Treffen für Radioleute aus ganz Afrika geworden. Sie teilen ihre Erfahrungen und Erfolgsstrategien und widmen sich drei Tage lang den Veränderungen in der Medienlandschaft, denen sich die Radiosender stellen müssen. Podcasting ist beispielsweise ein wachsender Sektor, aber auch ein hartes Geschäft, wie Brad Brown von The Podcasting Academy weiß: „Es gibt tausende von Podcast-Leichen und wahrscheinlich werdet ihr kein Geld damit verdienen, aber der Inhalt, mit dem ihr Nischen bedient, bringt euch ein besonders aktives Publikum.“ Er mahnt, das Publikum nicht nur mit Inhalten zu überschütten, sondern auf seine Bedürfnisse einzugehen. Eine Ansicht, die die international erfolgreiche Autorin Valerie Geller teilt. Für sie entsteht starker Inhalt nur, wenn sich die Radiosender mehr auf die Zuhörer einlassen und drei Maxime beachten: „Sagt die Wahrheit, streicht unwichtiges, seid niemals langweilig.“

Sei vertrauenswürdig

Vertrauen war ebenfalls ein wichtiges Thema, dass mehrfach in Vorträgen und Workshops aufkam. Dabei bezieht es sich einerseits auf neue Technologien, die beängstigend erscheinen mögen, besonders wenn man Künstliche Intelligenz oder Machine Learning in Betracht zieht, die in die Geräte eingebaut sind mit denen wir tagtäglich umgehen. Deshalb müsse „Vertrauen bereits Teil des Designs sein“, sagte Tech-Experte Arthur Goldstuck. Andererseits bezieht es sich auf Radio als solches. Es muss ein Medium sein, dem die Menschen vertrauen, weil besonders in den Regionen des südlichen Afrikas das Radio die primäre Quelle für Nachrichten ist und ein Mittel darstellt an öffentlichen Debatten teilzunehmen. „Die Menschen vertrauen uns, dass wir eine unparteiische Berichterstattung liefern und kommen mit ihren Anliegen, die ihre Gemeinde betreffen lieber zu uns als zu den Behörden“, beschrieb James Peterson aus Uganda. Das Gesicht von Radio Week, einem privaten Radiosender, ergänzte, dass dies aber nicht für die staatlichen Rundfunksender gelte. Allerdings zeichnete Nana Esi-Parry, die für die Ghana Broadcasting Corporation arbeitet, ein anderes Bild. Sie meinte, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk in Ghana eine anerkannte Institution sei. „Unterschiedliche Gremien kontrollieren unsere Arbeit. Wir fordern zudem höhere Rundfunkgebühren, damit wir weniger von den Zahlungen der Regierung abhängig sind. Wir wurden beschuldigt, deren Sprachrohr zu sein, aber unsere Journalisten ziehen die Politiker zur Rechenschaft,“ sagte sie.

Erobere den öffentlichen Raum zurück

Während der „Public Radio Debate“ diskutierten Esi-Parry, Graham Dixon (European Broadcasting Union), Mathatha Tshedu (Wits Journalism), Kate Skinner (Broadcast Researcher) und Angie Kapelianis (SABC) darüber, dass Südafrika einen unabhängigen und unparteiischen öffentlichen Rundfunk braucht. „Wir müssen uns klar machen, dass der öffentliche Rundfunk ein öffentliches Gut ist – streitbar und an dem jeder zur Teilhabe berechtigt ist“, sagte Kapelianis zu Beginn. „Wir als Journalisten und Bürger müssen die Unabhängigkeit, Transparenz und Rechenschaftspflicht wieder einfordern“, fügte Skinner hinzu. Dies ging einher mit dem, was Prof. Tawana Kupe, Vize-Präsident der Universität Witwatersrand, zu Beginn der Konferenz gesagt hatte: „Radio ist das demokratischste Medium von allen: es erreicht die Mehrzahl der Bürger, steht jeder Klasse zur Verfügung und gibt jedem eine Stimme.“

Podcast:

Podcasts zu den Radio Days können Sie bei iono und iTunes hören.

Autor

Anne Odendahl

Serie

Veranstaltungsberichte

erschienen

Republik Südafrika, 18. Juli 2017

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