Rangliste der Pressefreiheit: Die meisten Balkanländer verbessern sich nur nominell

Problembereiche bleiben Medientransparenz und Unabhängigkeit

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Die Medienfreiheit hat sich nominell in sieben Staaten Südosteuropas verbessert, in dreien sind Rückschritte festzustellen: Das ist das Ergebnis der neuen Rangliste der Pressefreiheit der Nichtregierungsorganisation "Reporter ohne Grenzen" (ROG). Rumänien, Bosnien und Herzegowina und Kroatien werden von ROG aktuell am besten bewertet (Plätze 44, 62 und 69 von 180 Ländern weltweit). Mazedonien und Bulgarien tauschen ihre Platzierung (Rang 109 und 111) und sind erneut die Schlusslichter in der Region.

Sieben Länder haben eine bessere Platzierung als im Vorjahr. Die genaue Einordnung hängt von zahlreichen Faktoren ab. ROG berücksichtigt unter anderem die Medienvielfalt und Unabhängigkeit der Medien, das journalistische Arbeitsumfeld und Selbstzensur sowie die rechtlichen Rahmenbedingungen. Länder können auch dadurch eine neue Platzierung erhalten, indem sich andere Staaten im Vergleich verbessern oder verschlechtern. So erzielten Albanien und Bosnien und Herzegowina eine minimale Verbesserung innerhalb der Rangliste, obwohl kaum Fortschritte in diesen Ländern zu beobachten sind. Die Länder der Balkanregion bewegen sich weiterhin nur im globalen Mittelfeld.

Innerhalb der EU nimmt Bulgarien den schlechtesten Platz ein. Das Land rutschte von Rang 109 auf 111 ab und ist nun das Schlusslicht der Region. Gründe für die negative Platzierung Bulgariens liegen im schlechten Arbeitsumfeld und in der mangelnden Medientransparenz. Dies hat zur Folge, dass das Vertrauen in die Medien sinkt. In einer im November 2017 vorgestellten Studie des KAS-Medienprogramms Südosteuropa halten nur zehn Prozent der Bulgaren die Medien für unabhängig. 67 Prozent halten sie für mehr oder weniger abhängig und 24 Prozent der Befragten waren unschlüssig, ob die Medien abhängig oder unabhängig sind.

Demgegenüber wird die Pressefreiheit in einem anderen EU-Staat Rumänien von ROG derzeit als die beste in Südosteuropa bewertet. Die massiven zivilgesellschaftlichen Proteste gegen Korruption haben nach Ansicht von Experten zu einem positiven Umfeld für die Medien beigetragen.

Serbien gilt als eines der größten Absteiger nicht nur in der Region sondern weltweit. Innerhalb Europas verschlechtern sich Malta und Tschechien nur um mehr Plätze. Diese negative Entwicklung hängt mit der mangelnden Medienunabhängigkeit und -transparenz in Serbien zusammen.

Laut ROG-Rangliste machen Kroatien und Kosovo die besten Fortschritte. Kosovo beispielsweise hat sich um vier Plätze verbessert und erzielt sein bestes Ergebnis seit 2010. Zu dieser Entwicklung trug eine positive Bewertung in puncto Medienvielfalt bei.

In der ROG-Rangliste fließen auch Übergriffe auf Journalisten ein. In der Region verzeichnet ROG solche Gewalttaten in Albanien, Kosovo, Moldau und Mazedonien.

Die Rangliste von Reporter ohne Grenzen und weiteren Organisationen wie Freedom House und IREX sind in der Gesamtschau wichtige Gradmesser für Medienfreiheit. Über die Jahre hinweg könnten sie die langfristige Entwicklung der Mediensituation in einzelnen Ländern und Regionen beschreiben.

Deutschland befindet sich in dem weltweiten Ranking auf Platz 15, Österreich auf Platz 11 und die Schweiz auf Platz 5.

Autoren

Manuela Zlateva, Darija Fabijanić

erschienen

Bulgarien, 25. April 2018